Das Kaminkehrgerät für jedermann - eine deutsche Odyssee

 

"Man fliegt doch heute auf den Mond, also läßt sich sicher auch ein Schornstein von unten reinigen!", war die Erkenntnis des badischen Bauingenieurs Johann Georg Güdemann im Jahre 1980. Es galt, bei einem Mehrfamilienhaus die üblicherweise vorzusehenden Treppen auf dem Dach für den Kaminkehrer zu vermeiden. Die Kaminreinigung von unten kann jeder vornehmen. Sie erspart nicht nur die Dachtreppe oder statt dessen eine vorgeschriebene obere Kehröffnung, sondern den jährlichen Besuch des lästigen, überflüssigen und mittlerweile sündhaft teuren Schornsteinfegers. 

 

Dipl.Ing.Güdemann entwarf eine sinnvolle Konstruktion, ließ sie mehrfach patentieren und ließ eine kleine Serie des Gerätes bauen und installieren. Womit er nicht rechnete war, dass sich jemand seiner technischen Neuerung widersetzen könnte. Diese jemanden sind die Schornsteinfeger, denen er in die Quere kam. So wie einst die Hersteller mechanischer Webstühle den schlesischen Webern in die Quere gekommen sind. Den Webern des 19. Jahrhunderts stand niemand mit Erfolg zur Seite, wohl aber den Schornsteinfegern des 20.Jahrhunderts.

 

Als Schutzbefohlene agieren die Schornsteinfeger nach Gutsherrenart Sie haben nichts zu befürchten, denn in den Wirtschaftsministerien der Länder sitzen die allem Anschein nach nur ihnen verpflichteten Ministerialbeamten zur Pflege des deutschen Schornsteinfegerwesens. Kein Politiker getraut sich, an dem antiquierten Monopol zu rütteln. Der Gelsenkirchener FH-Prof. Rawe verpasst ihnen die notwendigen Gutachten zur Einführung weiterer Happen an vorgetäuschten Dienstleistungen, die angeblich der häuslichen Sicherheit und einer gesunden Umwelt dienlich sein sollen.

 

Mittlerweile hat die Republik an die 8 000 Kehrbezirke mit 17 000 Schornsteinfegern, die uns im Jahr etwa 1.5 Mrd. € kosten. Laut 'Wirtschaftswoche' Heft 32/2002 bringt jeder Kehrbezirk gegen 3 000 € im Jahr in die "Kriegskasse". Damit lässt sich mit Leichtigkeit eine aufwendige Lobbyarbeit durchführen.

 

Dipl.Ing.Güdemann erhielt nach zwanzigjährigem Intrigenspiel seitens der Schornsteinfeger und Hindernislauf gegen Behörden und Kaminfeger im Januar 2002 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eine generelle Zulassung bezüglich der Erfindung für die gesamte BR. Die Vorteile und der Nutzen der Erfindung für die Allgemeinheit wurde durch den Text der Zulassung gleich wieder annulliert, denn nur die Schornsteinfeger sollen das serienreife Gerät bedienen dürfen.

 

Eine Innovation wird den mittelalterlichen Regeln, Denk- und Arbeitsweisen der Feger wettbewerbswidrig zum Schaden der Allgemeinheit untergeordnet. Dies ist der deutsche Weg zur Innovation neuer Techniken. Ein Land, das Besitzstandswahrung um jeden Preis Priorität gibt, fährt im Rückwärtsgang in die Zukunft. Armes Deutschland!