28.07.2002

Die verpasste Chance der CDU

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Lothar Späth,

eine absolute Mehrheit am 22.09.02 kann ich nicht versprechen, aber eine überwältigende Mehrheit Ihrer Partei ist sicher.

98% der Hausbesitzer werden nicht nur zur Wahl gehen, sondern auch CDU/CSU wählen!

Wenn Sie die nachstehend beschriebenen Empfehlungen zum Wahlkampfthema aufwerten.

Lichten Sie den "Regulierungsdschungel"(!) Sofern es stimmt, dass sie für mehr Selbständige, weniger Arbeitslose, mehr Eigenverantwortung, weniger Bürokratie und mehr Deregulierung sind, dann sollten Sie versprechen, eine seit Jahrzehnten bestehende Bevormundung der Staatsbürger durch eine mit Sonderrechten ausgestatte (unzeitgemäße) Berufsgruppe abzuschaffen.

(Informationen, Argumente und Verbesserungs- Lösungsvorschläge anbei und falls die Leserzuschriften nicht überzeugen, dann sollte ihr Wahlteam im Internet ein "Chat" einrichten und sich vom Echo überzeugen lassen.)

Falls Sie jedoch beabsichtigen, zuvor eine Stellungnahme des Fachref. Ihres künftigen Ministeriums einzuholen, dann werfen Sie die übersandten Unterlagen einfach in den Papierkorb. Warum? Zwischen den Duz-Freunden der Führungskräfte auf Verbandsebene und der der ministeriellen besteht ein Geflecht von nicht nur "kleinen" Gefälligkeiten/ Gunstbeweisen und direkten (Nebeneinkünfte) und indirekten Zuwendungen (hier ein Referat, dort ein Fachartikel/ -kommentar, Gutachten, Geschenke, eine Exkursion, Urlaub im Ferienhaus, Mitglied /Mitarbeit in Prüfungsausschüssen, usw.). Wenn Sie ohne "Voranmeldung" einmal hinter die Kulissen schauen, werden Sie feststellen, dass das System Schornsteinfeger -leider auch auf Länder und Regierungsbezirksebene - wie geschmiert läuft. Mit anderen Worten: Anhaltende Vormachtstellung korrumpiert, eine Erfahrung, die wohl alle Parteien schon gemacht haben. Bitte 2x lesen. Für die sogenannte "Landschaftspflege" stehen einer kleinen berufständischen Vertretung (rd. 5 900 Betriebe) jährlich 60 Millionen Mark(!) zur Verfügung. Ob Ihnen Einsicht in Haushalts- und Vermögenspläne nebst dazugehöriger "interner" Anlagen gewährt wird? Ich glaube nicht.

Haben Sie den Mut, einen anachronistischen Fremdkörper im Gewerberecht zu beseitigen und ein Wahlsieg wird Ihnen recht geben! Für die Schornsteinreinigung und Abgasprüfung ist keine handwerkliche Ausbildung (3 Jahre Lehrzeit, Gesellenprüfung, 3 Jahre Gesellenzeit und Meisterprüfung) notwendig. Diese Tätigkeit ist in wenigen Tagen erlernbar!

Es ist deshalb ein Skandal, wenn für eine max. 10 Minuten dauernde Arbeit (Abgasprüfung und Schornsteinreinigung mittels eines Rollbesens vom Keller aus!) DM 80,- berechnet werden. Das ist ein Stundensatz von DM 480.-! (Ein Heizungsbauer berechnet hierfür höchstens 1/4). Kommt ein Blick mit dem Spiegel bei bereits geöffneter Kamintür hinzu, wird noch einmal eine Alimente von DM 20.- fällig. Ist das nicht ein Gebührenparadies für die Glücksbringer in eigener Sache? Ich, nenne das schlicht Abzocken.

Das staatlich garantierte Einkommen (dazu gehören im übrigen auch die wesentlich höheren Gebührensätze für die Überprüfung der gewerblichen Betriebe und die Nebeneinnahmen!), das in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand und Entgelt steht, reicht aber einigen Pfründebesitzern nicht. In wenigen Jahren verschaffen sie sich ein zusätzliches Jahreseinkommen. Wie? Man verkürze die jährlichen Intervalle um einen, zwei oder gar drei Monate. Den Termin für die Ausübung des Hausbetretungsrechtes bestimmt nämlich der Schlotfegermeister und nicht der Hauseigentümer. Die Monopolstellung der Gilde der Konkurrenzlosen macht's möglich.

Noch anrüchiger ist es, dass die Hausbesitzer und Mieter mit den Zwangsgebühren eine fürstliche zusätzliche Altersversorgung der gut verdienenden Schornsteinfeger finanzieren müssen. Nennen Sie mir einen Selbständigen, der am Anfang des Jahres weiß, dass er am Jahresende einen an Ministergehältern orientierten Gewinn verbuchen kann.

Von den verschwendeten Steuergeldern für einen aufgeblähten und unnötigen Beamtenapparat bei Bund und Ländern, der nur dafür Entgelt bezieht, das Brauchtum Schornsteinfeger zu erhalten, ganz zu schweigen. Frei werdende Beamte und Angestellte könnten z. B. dafür eingesetzt werden, junge Arbeitssuchende den Schritt in die Selbständigkeit zu erleichtern.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, wie viel zusätzliche Arbeitsplätze z. B. die Lieferanten von Heizöl schaffen könnten, wenn sie nach entsprechender Schulung der Mitarbeiter eine kundenfreundliche "Dienstleistung aus einer Hand" anbieten dürfen? Ferner bedeutet die Abschaffung des Preis- und Gebietsmonopols der schwarzen Zunft für Mieter eine stets angemahnte Senkung der Nebenkosten. Ersparnis: 1,1 Milliarden!!!

Damit kein Missverständnis aufkommt. Niemand ist für die Abschaffung dieser Berufsgruppe. Aber die Götter in Schwarz und mehrfachen Immobilienbesitzer müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass wir das Jahr 2002 schreiben und dass auch für sie die Regeln des freien Wettbewerbs zu gelten haben. Wo bleibt der für Europa geforderte unverfälschte Wettbewerb?

Weshalb dieses Schreiben anonym? Der staatlich verordnete Kontrahierungszwang (in unserer freien Wirtschaft einmalig!) mit einem selbsternannten nicht ablösbaren Sachverständigen lässt mir keine andere Wahl.

Auch wenn Sie, verehrter Ministerpräsident, mich für einen Spinner oder/und Querulanten halten und die überlassenen Leserzuschriften Sie nicht überzeugen, sollte die nachstehende auszugsweise wiedergebende Stellungnahme eines Unternehmers doch zu denken geben: ".. Denn diese vielen kleinen, bürokratischen Hemmnisse und Kosten führen insgesamt zu dem Standortnachteil Deutschland, und gegen solche Dinge sollte man wirksam angehen. .."

(Gleichlautendes Schreiben an die Bundesvorsitzende der CDU, Wahlkampfteam Frau Angela Merkel und der Zentralverband Haus + Grund, Berlin)