Skandalöses rund um das Schornsteinfegerwesen


"Wer vom Staat getragen wird, den trägt der Staat."

Reiner Kunze aus "Aura der Wörter"


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===> Döring 1: Folklore im Banne der Speichellecker

===> Döring 2: Schaumschlägereien und Allgäuer Käse

===> Döring 3: Goldene Worte zu des Ministers großer Stunde

===> Döring 4: Döring bestellt das Haus vor'm Abgang

==> Der Nutzeffekt eines Staatsmonopols
==> Eine Hand wäscht die andere
==> Sündenfall Schornsteinfegerwesen
==> Kartell Schornsteinfegerwesen
==> Das mißbrauchte Gutachten
==> Die Reform in BW: Windei oder Mogelpackung?
==> Schwerwiegende Unterlassung kriminellen Formats

 

"In allen Institutionen, in welche nicht die scharfe Luft der öffentlichen Kritik hineinweht, wächst eine unschuldige Korruption auf, wie ein Pilz."

Friedrich Nietzsche


Der Nutzeffekt eines Staatsmonopols


"Schornsteinfeger finde ich Klasse!
Mein Vater ist auch Schornsteinfeger - genialer Beruf!!!"

einer von den 17 000 deutschen Schornsteinfegern


Der Inhalt:

==> Die Zwänge der Staatsmonopole
==> Staatsmonopol Schornsteinfegerwesen
==> Die Expansion der Zahl der Schornsteinfeger und ihre Ursachen
==> Eine Lobby hat ihren Preis

 


"Den Fortschritt verdanken die Menschen den Unzufriedenen."

Aldous Huxley



Die Zwänge der Staatsmonopole


 

So sehr der Staat auch gesellschaftliche Monopole ahndet, so trennt er sich nur ungern von rechtlichen Monopolen, zu denen die Staatsmonopole zählen. Die vollzogene Zerschlagung der ehemaligen Bundespost hat im Fernmeldebereich offenbart, wie vorteilhaft sich die Liberalisierung eines Staatsmonopols für die Bevölkerung auswirken kann.

Es seien zwei Staatsmonopole besonderer Art genannt, zu deren Liberalisierung wenig Neigung besteht: Die Berufsgenossenschaft und das Schornsteinfegerwesen. Beide Monopole befriedigen öffentliche Sicherheitsbedürfnisse. Die Berufsgenossenschaft in den Betrieben und das Schornsteinfegerwesen im Umfeld von Feuerungen. In beiden Monopolen sind Sicherheitsstandards verankert, deren "Rentabilität" auf den Prüfstand müßte.

Auch Sicherheitsmaßnahmen haben ihren Preis, und sollten einer Kosten/Nutzen-Analyse unterzogen werden. Technischer und gesellschaftlicher Wandel erfordern stetig bisher unbekannte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, während bisherige zu hinterfragen sind.

Die das Staatsmonopol exekutierende Bürokratie ist damit überfordert. Sie neigt dazu, großzügig eine "Überversorgung" an Sicherheit zu verordnen. Damit stiehlt sie sich aus der Verantwortung für eventuell auftretende Schadensfälle. Daß aber eine "Überversorgung" an Sicherheit kostspielig ist, stört sie nicht. Interessengruppen haben es daher leicht, sie von weiteren überzogenen Sicherheitsmaßnahmen zu überzeugen.

Damit einhergehend wachsen auch Macht und Einfluß der zuständigen Bürokratie. In dieser Situation befinden sich die sicherheitsrelevanten Staatsmonopole. Das zeigt sich besonders deutlich in der Entwicklung des Schornsteinfegerwesens, das hier behandelt wird.

 



Staatsmonopol Schornsteinfegerwesen


 

Das als Staatsmonopol verordnete Schornsteinfegergesetz entstand in einer Zeit, als ein totalitäres Regime seine Untertanen "Volksgenossen" nennen ließ, und sie mit eiserner Hand in sein ideologisches System einzubinden versuchte. Die Bundesrepublik übernahm das Schornsteinfegergesetz als Bundesgesetz, womit das Staatsmonopol erhalten blieb. Gleiches gibt es in keiner westlichen Demokratie, außer Österreich, das von 1938-1945 ins "deutsche Reich" einverleibt war.

Wohl delegiert der Bund die Ausführungsbestimmungen an die Länder, behält sich aber die Novellierung des Schornsteinfegergesetzes vor. Die Konkurrenz unter den Ländern hat aber auch zur Folge, dass die Länder gleichziehen - wie kommunizierende Röhren. So lässt sich kein Land eine neue Verordnung eines anderen Landes entgehen. Dieser aufschaukelnde Effekt ist mit ein Grund dafür, dass sich der Leistungskatalog der Schornsteinfeger seit dem Krieg vom einfachen Kehren zu einer Vielzahl weiterer Maßnahmen erweitern konnte.

Die Ausführung der Tätigkeiten überlässt der Staat nicht etwa Beamten, wie z.B. die Verkehrskontrolle, sondern einem besonderen Typ von Handwerkern, die als "beliehen" gelten. Diese "beliehenen Unternehmer" haben sich der strikten Unterweisung der staatlichen Bürokratie zu fügen. Sie reguliert und garantiert auch ihr Einkommen durch die Existenz eines ausgeklügelten Gebührenschemas und der daraus resultierenden Bemessung von passend zugeschnittenen Kehrbezirken. Sie gewährt auch den Schornsteinfegern rechtlichen Schutz gegenüber den sie bedienenden Hausbesitzern.

Das Einkommen eines Kehrbezirksinhabers bemisst sich zwar an dem eines mittleren Beamten (A9). Er genießt aber eine Reihe weiterer Zulagen und Steuervergünstigungen. Der Ertrag eines Kehrbezirkes beträgt etwa 1/4 Mio. DM/Jahr, die sich der Bezirksschornsteinfegermeister mit seinem Mitarbeiter teilt. Unternehmerische Gemeinkosten sind gering. Der Mitarbeiter, zumeist schon Meister, dient sich bis zu zehn Jahre lang hoch, bis er den einträglichen ersehnten eigenen Kehrbezirk erhält, den man einer Pfründe auf Dauer des Berufslebens einordnen kann.

 



Die Expansion der Zahl der Schornsteinfeger und ihre Ursachen


 

Es ist schon erstaunlich, wie stark Anzahl und Tätigkeiten der Schornsteinfeger in den zurückliegenden Jahrzehnten gewachsen sind. Da stellt sich die Frage, warum aus einem - wegen Minderung des brennbaren Rußes - vom Aussterben bedrohtem Beruf ein stetig expandierender Beruf werden konnte. Dies ist in der Bundesrepublik einmalig.

Die Schornsteinfeger setzen sich auch außerhalb ihrer beruflichen Sphäre bei vielerlei Anlässen mit ihrer schwarzen Tracht in Szene. Sie genießen ferner den abergläubisch behafteten Nimbus des Glücksbringers. Das reicht aber noch nicht aus, um sich bei der vorgesetzten Bürokratie ins rechte Licht zu rücken.

Die Schornsteinfeger bedienen sich einer aufwendigen Lobby, deren Ziel es ist, umweltschonende und sicherheitsnotwendige Tätigkeiten zu erkunden. Diese auszuführen biedern sie sich fortlaufend bei der zuständigen Ministerialbürokratie an. Und das mit großem Erfolg! Mehr darüber berichtet ein Insider in
Brandverhüter oder Abzocker? .

Wenn es den Schornsteinfegern gelang, das Verbindungsrohr vom Heizkessel zum Kamin als Gefahrenpotential einstufen zu lassen, um es kehren zu dürfen, so ist das einer ihrer Erfolge. Dies bei keinem einzigen nachgewiesenen Schadensfall in Zeiten kaum wahrnehmbaren Rußes und Minderung anderer Verbrennungsrückstände.

 



Eine Lobby hat ihren Preis


 

In Zeiten der Enthüllung von Korruption, Veruntreuung und Vetternwirtschaft wird man sensibel gegenüber den schwer nachvollziehbaren Verordnungen, die im Schornsteinfegerwesen erlassen wurden. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass in Baden-Württemberg jeder Kehrbezirksinhaber seinen Obolus in eine Art Reptilienfonds seiner Innung entrichtet. Was mit den etwa 3 Mio. DM/Jahr geschieht, wissen nur Eingeweihte. Wenn mit dem Geld u.a. sieben der besten Schornsteinfegermeister besoldet werden, die keinen einzigen Kamin zu kehren haben, fragt man sich, was deren Aufgabe ist. Es ist verwunderlich, weshalb die Hausbesitzerverbände keine Rechenschaft fordern!

Kein bodenständiges Handwerk kann sich derartiges leisten, und muß Innungsarbeit ehrenhalber verrichten lassen. Da es dem Schornsteinfegerwesen aber an jeglicher Transparenz mangelt, gedeihen die sonderbarsten Gerüchte und Vermutungen.

Neuerdings streben die Schornsteinfeger bundesweit eine Energieberatung an. Bundeskanzler Schröder machte ihnen schon Hoffnungen. Somit ist die Befürchtung, eines Tages werde eine "Energiezwangsberatung" durch die Schornsteinfeger verordnet, schon berechtigt.

 



Eine Hand wäscht die andere

oder

Öffentliche Ehrungen im Sog von Begünstigung und Amtspflichtverletzung


"Das Gesetz schützt auch die Ehre jener, die keine haben."

Otto Weiss


Der Inhalt:

=> Das Ehrenmitglied

=> Ehrung wofür?



Das Ehrenmitglied


 

Presseinformationen der Bezirksregierung Arnsberg

Regierungspräsidentin wird Ehrenschornsteinfegermeisterin

Am 23. Juni 1998 wird Regierungspräsidentin Dr. Raghilt Berve von der Schornsteinfegerinnung für den Regierungsbezirk Arnsberg zur Ehrenschornsteinfegermeisterin ernannt.

Damit ist sie die erste Frau in Nordrhein-Westfalen, die mit diesem Ehrentitel ausgezeichnet wird. Rund 400 Schornsteinfeger werden an diesem Tag nach Arnsberg kommen und die Regierungspräsidentin im Rahmen einer Feierstunde als Ehrenmitglied in ihre Innung aufnehmen.

Der kurze Bericht enthält leider keine näheren Angaben über die Umstände dieser einmaligen Ehrung. Es ist auch kein Scherz, denn der Zeitpunkt fällt weder in die Faschingszeit, noch ist es ein Aprilscherz. Zwei Fragen bleiben offen:

Frage 1: Welche Verdienste kann eine hohe Beamtin sich um die Schornsteinfeger erwerben, wenn sie ihrem Amtseid treu geblieben ist?

Frage 2: Wenn schon 400 Schornsteinfeger - sicherlich alle in schwarzer Uniform - folkloristisch aufgezogen sind, um der Ehrung beizuwohnen, muss es sich für die schwarze Zunft gelohnt haben - oder nicht?

 



Ehrung wofür?


 

Der oberste Schornsteinfeger Baden-Württembergs Hans-Ulrich Gula sprach am 12.7.2001 in Isny/Allgäu (Schaumschlägereien und Allgäuer Käse) die folgenden Worte im Beisein des Wirtschaftsministers Dr. Döring (FDP):

"Mit Sorge betrachtet derzeit das Schornsteinfegerhandwerk die wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe. Man kann nicht zulassen, dass der Großteil der Betriebe sich wirtschaftlich negativ entwickelt. Man hat deshalb ein Gutachten über die wirtschaftliche Entwicklung des Schornsteinfegerhandwerks in Auftrag gegeben."

Eine Pressemeldung zur Ordensverleihung vom 23.1.2002:

"Hohe Auszeichnung für den Schornsteinfeger: Der Plochinger Hans-Ulrich Gula erhielt das Bundesverdienstkreuz am Bande. Dazu kam der Baden-Württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring ins Alte Rathaus, um Gula den Orden eigenhändig ans Revers zu heften."

Der oberste Schornsteinfeger bemühte sich in seiner Rede in Isny außerdem, handfeste Forderungen der Schornsteinfeger um zusätzliche Tätigkeiten vor einem internationalen Fachpublikum und dem höchsten Dienstvorgesetzten zu erheben.

Ein halbes Jahr später wird der fordernde Repräsentant der Schornsteinfeger vom Minister für - in den Augen der Allgemeinheit - zweifelhafte Verdienste persönlich ausgezeichnet!

Jeder normal denkende Mensch weiß, dass die Leistungen der Schornsteinfeger samt der erhobenen Gebühren weit überzogen sind. Jeder normal empfindende Bürger spürt aber auch, dass die bevorzugte Behandlung der Schornsteinfeger durch die Behörden den üblicherweise gewohnten Rahmen sprengen. Es erbost ihn, dass er dagegen hilf- und machtlos ist!

Der Respekt vor einem sich wieder machtgieriger dünkenden Staat schwindet dahin. Begünstigung und Amtspflichtverletzung machen sich wieder breit bei uns! Verantwortliche Beamte und Politiker versagen und fügen unserem Staatswesen unabsehbaren Schaden zu!

 



Sündenfall Schornsteinfegerwesen


"Unmäßig nach dem eigenen Vorteil trachten - wie viel Unmut bringt das ein."

Konfuzius


 

Die Philosophie der vorangegangenen industriellen Revolutionen hat offenbar in den Köpfen gewisser staatlicherseits verhätschelter Schmarotzer nur soweit Besitz ergriffen, wie es dem eigenen Nutzen dient.

Der mit technischen Revolutionen einhergehende Fortschritt dient größtenteils der Entlastung des Menschen von harten und stupiden körperlichen Tätigkeiten. Was Maschinen und Automaten zu verrichten in der Lage sind, braucht der moderne Mensch nicht mehr von Hand zu machen. Davon profitieren wir in den hochindustrialisierten Ländern im besonderen.

Unter den Fittichen eines Monopols bilden sich jedoch Schutzzonen, in denen es dennoch gelingt, den bisherigen Zustand zu konservieren. Fortschritt ja, aber nicht, wenn er die eigenen Pfründen wegrationalisiert. Nach diesem Muster wuchs in den vergangenen 30 Jahren unser deutsches Schornsteinfegerwesen als in der Welt einmaliges Monster heran!

Ein markantes Beispiel ist das nach wie vor getätigte traditionelle Kaminkehren. Trotz besserer Erkenntnis und längst vorhandener Hilfsmittel - die man nicht zum Einsatz kommen lässt - genießt das Kaminkehren ein Nischendasein, aus dem es bisher niemand zu vertreiben vermochte. Mit den fadenscheinigsten Argumenten ist es einer auf primitive Propaganda abgerichtete "Priesterkaste" bisher immer wieder gelungen, sich dafür stark zu machen, dass Kamine unbedingt gekehrt werden müssen. Selbst dann, wenn es in ihnen nichts mehr zu kehren gibt.

Deshalb erfand man die Mär von den Vogel- und Wespennestern in den Kaminen. Nicht dass man deren Beseitigung unmittelbar nach dem Nestbau anstrebte - nein, das hätte den Fahrplan des über das ganze Jahr verteilten Kaminkehrens durcheinander gebracht. Lieber setzte man die Hausbewohner das Jahr über der latenten Gefahr einer CO-Vergiftung aus. Man scheute sich nicht einmal, trotzdem eine unwissende und eingeschüchterte Bevölkerung mit dem Schreckgespenst des allgegenwärtigen CO-Todes zu ängstigen, der in anderen Ländern grassiert - nicht aber hierzulande dank fürsorglicher deutscher Schornsteinfeger. Schlimmer wurde in den vergangenen Diktaturen auf deutschem Boden nicht gelogen und geheuchelt!

Wer fördert dieses menschenverachtende und verlogene Verhalten? Niemand anderes als eine korrupte Ministerialbürokratie im Verbund mit realitätsblinden und karrieresüchtigen Politikern! Automaten, die ganzjährig Kaminverstopfungen zu melden vermögen, duldet man zwar partiell, lässt sie aber nicht als Kehrersatz für den sauberen Kamin zu. So beschäftigte man nicht nur die schon vorhandenen Schornsteinfeger im keynesschen Sinne auf Kosten der Allgemeinheit, sondern schuf noch weitere Stellen für weitere nutzlose Tätigkeiten derselben Schmarotzer. Dieses Verhalten ist in hohem Maße sträflich und widerspricht dem geleisteten Amtseid. Es ist höchste Zeit, die verantwortlichen Ministerialbeamten wegen Korruption zur Rechenschaft zu ziehen.

 



Kartell Schornsteinfegerwesen


"Eine freiheitliche Demokratie kann auch durch ein Übermaß an Bürokratie erdrosselt werden."

Wolfgang Schäuble


 

Dass das Schornsteinfegerwesen ein Monopol ist, bezweifelt heute niemand mehr. Dass es aber ein Schutzbündnis - somit ein Kartell - ist, wurde mir bei der Lektüre eines Sitzungsprotokolls klar.

Im Jahre 1998 fand in Stuttgart ein Experten-Hearing zwecks einer Neufassung der KÜO für Baden-Württemberg (BW) statt. Das dortige Wirtschaftsministerium lud dazu Ministerialbeamte, Funktionäre der Schornsteinfeger, Experten von Verbänden, Vereinen, Instituten und der Industrie, sowie Vertreter von Hausbesitzerverbänden ein. Beamte und Schornsteinfeger wären gleich stark vertreten gewesen wie alle anderen Teilnehmer zusammen, wenn letztere vollzählig erschienen wären. Von den vollzählig erschienenen Ministerialbeamten samt Schornsteinfegerfunktionären kamen je eine Hälfte aus BW und anderen Bundesländern. Warum letztere eingeladen wurden, ist mir ein Rätsel, da doch die KÜO von BW abgehandelt werden sollte!

Als ein Teilnehmer 18 Monate nach dem Hearing das versprochene Protokoll der Sitzung erbat, wurde es ihm aus fadenscheinigen Gründen verweigert. Erst als eine gerichtliche Klage gegen die neue KÜO erhoben wurde, bequemte sich das Wirtschaftsministerium, aus den Tonbandaufzeichnungen ein fragmentarisches schriftliches Protokoll anzufertigen. Dieses ist die Grundlage meiner Ausführungen.

Man beriet je einen halben Tag lang über Öl-, Gas- und Festbrennstoff-Feuerungen. Während der Sitzung standen sich zwei Fraktionen gegenüber: Auf der einen Seite eine geschlossene Phalanx von 33 Personen, je zur Hälfte Ministerialbeamte und Schornsteinfegerfunktionäre, die bekanntlich beliehene Unternehmer sind. Auf der anderen Seite waren es 20 Experten und 2 Vertreter von Hausbesitzerverbänden.

Es ist auffallend, mit welchem Widerspruchsgeist die fachlichen Argumente der Experten zum Zwecke einer Verminderung der Schornsteinfegertätigkeiten zugunsten der Hausbesitzer abgetan wurden. Größtenteils sind sie mit fragwürdigen Gegenargumenten zurückgewiesen, oder als noch nicht praktikabel etikettiert, oder auf die lange Bank geschoben worden.

Die sich den Experten vehement widersetzenden Schornsteinfeger hatten die Beamten stets auf ihrer Seite. Wenn z.B. von der Schornsteinfegerseite wiederholt behauptete wurde: "Kehren ist die sicherste Querschnittskontrolle", ist dies von den Beamten widerspruchslos akzeptiert worden. Dass es dabei um eine Handvoll Ruß ging, ist das Delikate an der Sache.

Die diskutierte, als wenig aufwendig geltende, Spiegelprobe des Kamins, wurde als nicht allgemein einsetzbar verworfen. Zudem käme die Spiegelprobe kaum billiger als das Kehren. Eine vorgeschlagene differenzierte Behandlung alter und neuer Anlagen wurde als zu kompliziert abgetan. Immer wieder sind fragwürdige strenge Sicherheitserwägungen vorgeschoben worden. Der abgedroschene Slogan der Schornsteinfeger: "Wer wartet, darf nicht messen", machte jede Hoffnung auf einen Rückbau der Schornsteinfegerleistungen zunichte.

Solch eindeutig parteiliches Verhalten von Ministerialbeamten ist ein Skandal. Es fragt sich, wem Diener von Dienern (Ministern) zu dienen haben: Dem ganzen Volk oder der Besitzstandswahrung einer kleinen Schicht von beliehenen Unternehmern! Mit einem vorgeschobenen notwendigen Sicherheitsstandard lässt sich aus jeder Mücke ein Elefant machen.

Ein Vertreter der Hausbesitzer brachte es auf den Punkt, als er resignierend feststellte: "Wenn ich Sie so diskutieren höre, dann meine ich, der Hausbesitzer hat überhaupt nichts mehr zu sagen. Sie kommen und prüfen und nehmen ihm alle Verantwortung ab. Tolle Sache! In Deutschland regelt man alles, einschließlich der Ausnahme."

Das Hearing hat bewiesen, dass zwischen den Ministerialbeamten und den Schornsteinfegern eindeutig ein symbiotisches Schutzbündnis besteht. Somit ist das Schornsteinfegerwesen sowohl ein Monopol als auch ein Kartell! Dies steht in krassem Widerspruch zu jedem Gesetz eines freiheitlichen Rechtsstaates.

Das Resultat des Hearings, die neue KÜO, ist enttäuschend ausgefallen. Das bisher strikt abgelehnte Zusammenlegen aller Schornsteinfegertätigkeiten auf einen einzigen jährlichen Termin wurde endlich eingeführt. Die ersparten Wegezeiten boten zwar ein kostensenkendes Potential, das aber überwiegend den Schornsteinfegern zugute kam. Wenn auch die Mehrzahl der Anlagenbetreiber geringfügig entlastet wurde, musste der Rest draufzahlen. Die Anzahl der Kehrbezirke, an dessen Ertrag es keinen Abstrich gab, verminderte sich im Folgejahr lediglich um weniger als 1%.

Bisher wurden die hohen Kosten der Schornsteinfegertätigkeiten mit neutralen REFA-Zeitstudien gerechtfertigt und verteidigt. Bei der neuen KÜO wurde dieses Prinzip verlassen, und die Kosten dem Belieben preisgegeben. Warum darf der Schornsteinfeger bei einer Anlage für die gleiche Tätigkeit und Wegezeit von einem Jahr zum andern über 15% mehr verlangen?

 



 

Das mißbrauchte Gutachten


"Wer das Feuer notwendig hat, sucht es in der Asche."

Deutsches Sprichwort


Der Inhalt:

=> Professor Rawes Messungen

=> Die Mißdeutung eines Gutachtens und seine Folgen

=> Die Bestrafung umweltbewusster Bürger



 

Professor Rawes Messungen


 

Im Jahre 1991 wurden Kontrolle und Kehren des Rauchrohres (Verbindungsstück zwischen Heizkessel und Kamin) eingeführt. Zur Begründung berief man sich auf ein Gefahrenpotential, das von verstopften Rauchrohren ausgehen könnte. Jemals aufgetretene Schäden sind nicht genannt worden. Gewährsmann ist Prof.Rawe, Gelsenkirchen. Dieser hat 1983 in Münster im Auftrag des WM in NRW Untersuchungen an Abgasleitungen (Schornstein und Rauchrohr) durchgeführt.

Die von Prof. Rawe gemessenen Ölfeuerungen sind in 2 Kategorien zu unterteilen: die "nicht ordnungsgemäß" und die "ordnungsgemäß" betriebenen. Bei den ersteren ergaben sich meßbare Rußablagerungen, dagegen bei den letzteren - deren Rußzahl <= 3 betrug - nicht. Moderne Anlagen haben die Rußzahl 0. Bei Gasfeuerungen fand sich kein Ruß. Sein Gutachten, schreibt Prof. Rawe am 9.1.2001, habe seinerzeit zu einer Reduzierung der Kehrhäufigkeit durch das Schornsteinfegerhandwerk in NRW geführt!

 



 

Die Mißdeutung eines Gutachtens und seine Folgen


 

Somit bietet das Rawe'sche Gutachten keine Grundlage, das Rauchrohr in die Obhut der Schornsteinfeger zu geben. Es ist sogar verwegen und unverfroren, den Zustand der "nicht ordnungsgemäß" betriebenen Feuerungen zugrunde zu legen, um daraus die zwingende Notwendigkeit von Kontrolle und Kehren der Rauchrohre für die in der Regel "ordnungsgemäß" betriebenen Feuerungen abzuleiten.

Dies ist glatter Betrug am Hausbesitzer oder Anlagenbetreiber. Ich sehe darin eine sträfliche Amtspflichtverletzung und einen groben Verstoß gegen GG Art.34 und gegen BGB §839. Unter der Voraussetzung, daß ähnliche Verordnungen in allen Bundesländern eingeführt worden sind, entstand den Besitzern ordnungsgemäß betriebener Heizungsanlagen in Deutschland seit 1991 ein Schaden von weit über 1 Mrd. DM.

 



 

Die Bestrafung umweltbewusster Bürger


 

Ein grober Mißbrauch des Schornsteinfegergesetzes ist ferner die nachteilige Behandlung der Besitzer resourcenschonender bivalenter Heizungen (Wärmepumpe plus zusätzlicher Öl- oder Gasfeuerung). Diese in der Anschaffung teuren Anlagen wurden durch Bundesgesetz steuerlich begünstigt und von der jährlichen Abgasmessung befreit. Nach der beklagten Verordnung jedoch muß der Schornsteinfeger deren Rauchrohr zwingend kehren, während er es bei den üblichen Anlagen nur kontrollieren darf. Ich sehe darin eine unrechtmäßige Bestrafung umweltbewußter Bürger nach dem Motto: Wenn wir bei ihm schon nicht messen dürfen, soll er wenigstens für des Kehren bezahlen - auch, wenn es in der Regel nichts zu kehren gibt.

 



 

Die Reform in BW: Windei oder Mogelpackung?


"Man könnte gern Publizität und Aufklärung vermissen,
wenn Offenheit und Klarheit an ihre Stelle treten könnten."

Johann Wolfgang von Goethe


Der Inhalt

=> Jetzt Messen und Kehren auf einmal

=> Die neue Solidargemeinschaft

=> Manipulierte Zeitstudien



Jetzt Messen und Kehren auf einmal


 

Ab dem Jahre 2000 wurde in BW eine Neufassung der KÜO eingeführt. Deren hervorstechendes Merkmal ist es, Abgasmessung, Kehren und die alle 5 Jahre vorgeschriebene Feuerstättenschau - angeblich infolge des Unmuts der Anlagenbetreiber - mit einem Mal während eines einzigen Hausbesuches durchzuführen, was bisher unter den fadenscheinigsten Ausreden strikt abgelehnt wurde. Ferner wurden die Arbeitswerte (Minuten) neu gestaffelt und eine gesonderte Wegepauschale eingeführt. Die Wegezeit war bisher in den Arbeitswerten mit enthalten.Nun stiegen aber merkwürdigerweise die Kosten pro Arbeitswert rapide an, nämlich von 1,25 DM um 39% auf 1,74 DM.

Die durch den Wegfall eines zweiten und dritten Hausbesuches ersparten Wegekosten hätten fairerweise den bisher mehrmals Besuchten zugute kommen müssen. Demgemäss wäre den Schornsteinfegern ein Einnahmenverlust entstanden. Weit gefehlt: Die Schornsteinfeger wurden nahezu schadlos gehalten. Man gewährte ihnen von da an sogar eine besondere Wegepauschale von 10,30 DM.

 



Die neue Solidargemeinschaft


 

Wie vermied man eine finanzielle Einbuße der Schornsteinfeger?

Man befahl alle Zwangskunden der Schornsteinfeger in eine "Solidargemeinschaft" mit den Schornsteinfegern. Die bisher mehrmals Besuchten entlastete man nur geringfügig, dagegen belastete man aber alle anderen zusätzlich. In meinem Falle sind trotz unverändertem Arbeitsaufwand und Wegezeit nach der Reform die Kosten um 15% gestiegen.

Die bisher alle 5 Jahre separat vorgenommene Feuerstättenschau konnte von nun an gleichzeitig mit dem Kehren vorgenommen werden. Der zusätzliche Zeitaufwand lag in meinem Hause im Sekundenbereich. Dennoch betrugen die Kosten für die Feuerstättenschau nach der Neufassung immer noch 18,57 DM.

Die Einbuße der Schornsteinfeger, schamlos "Solidarbeitrag" genannt, ist gering. Angaben über ihre Höhe sind widersprüchlich und ebenso verwirrend wie das gesamte Gebührendickicht: Das WM nennt einen Betrag von 10 Mio. DM; auf einer Versammlung in Rastatt wurde den Schornsteinfegern das Opfer von 6 Mill. DM als "Solidarbeitrag" schmackhaft gemacht. In Wahrheit sind 9 von 944 Kehrbezirken gestrichen worden, also weniger als 1%. Nach meiner Schätzung hätten die ersparten Wegezeiten die Einnahmen der Schornsteinfeger um 10% schmälern müssen. Da man davon aber Abstand nahm, hätte die Zahl der Kehrbezirke sich nicht um 1%, sondern um 10% vermindern müssen.

Mithin erbrachte die Neufassung der KÜO trotz geringeren Zeitaufwandes der Schornsteinfeger für die Zwangskunden insgesamt keine nenenswerte Ersparnis!

 



Manipulierte Zeitstudien


 

Bisher wurden die vielfach beklagten überhöhten Schornsteinfegergebühren durch Zeitstudien gerechtfertigt. Heute werden sie, wie in meinem Falle, im Interesse der Besitzstandswahrung der Schornsteinfeger beliebig modifiziert. Auch diese Art von "Lastenausgleich" steht gewiß im Widerspruch zum Schornsteinfegergesetz.

 



 

Schwerwiegende Unterlassung kriminellen Formats


" Sicherheit erreicht man nicht, indem man Zäune errichtet,
sondern indem man Tore öffnet."

Urho Kekkonen


Die Machbarkeit vollautomatischer Abgasüberwachung


 

Artikel in den VDI-Nachrichten im Februar 2002

Autor: Dipl.-Ing. Peter Stricker
Institut für Verbrennungsmaschinen Universität Wien

Das Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugbau der Technischen Universität Wien beschäftigt sich bereits seit 3 Jahren mit der Abgasfernmessung von Kraftfahrzeugen im fließenden Verkehr. Das in Wien eingesetzte Messgerät basiert auf dem Nachfolger des von Ihnen vorgestellten Messgeräts, die erzielten Forschungsergebnisse werden bereits in der nächsten Gerätegeneration Berücksichtigung finden.

Dieses Gerät ist in der Lage, nicht nur Pkw-Abgase, sondern auch Lkw-Abgase automatisch zu messen. Im Rahmen verschiedener Straßeneinsätze konnten bisher ca. 56 000 Datensätze von Pkw und ca. 11000 von Lkw auf Autobahnen gesammelt werden. In Wien wurden ca. 25 000 Pkw gemessen, etwa 300 davon wurden angehalten und mittels Kurztest überprüft.

Hier zeigt sich der entscheidende Vorteil dieser Methode: Nicht alle Fahrzeuge müssen zur Überprüfung angehalten werden, sondern nur die vermeintlich "schwarzen Schafe" und es kann mit sehr geringem Aufwand eine große Anzahl von Fahrzeugen gemessen werden. Es zeigte sich, dass unge fähr 5% der Pkw die gleiche Menge an CO emittieren wie die restlichen 95%, das heißt, wenn diese 5% repariert würden, könnten die durch Pkw verursachten CO-Emissionen in etwa halbiert werden.

1% der Pkw mit den höchsten CO-Emissionen ist immerhin verantwortlich für ca. 25% der Gesamtemissionen. Um dieses 1% herauszufiltern, sind willkürliche Fahrzeugüberprüfungen und eine Überprüfung aller Fahrzeuge nicht vertretbar. Mit der Abgasfernmessung als Vorselektionswerkzeug hingegen gelingt es, eine Trefferquote von 60% bis 75% bei Straßenkontrollen zu erreichen. Im Bereich der Lkw zeigt sich, dass ca. ein Drittel der Lkw für 50% der NO-Emissionen verantwortlich ist, die Hälfte der Lkw zwei Drittel der Gesamtemissionen verursacht.

 

Mein schwer belastender Kommentar

Hätten die Lobbyisten der Schornsteinfeger nicht vor Jahren schon die vollautomatische Abgasüberwachung blockiert, so käme heute kein Brenner mehr auf den Markt, der diese woanders bewährte Technik nicht enthielte. Aber auch die zuständigen Beamten wären verpflichtet gewesen, für die vollautomatische Abgasüberwachung grünes Licht zu geben.

Da die Schornsteinfeger bislang die äußerst dringende Notwendigkeit des Kehrens sauberer Kamine mit dem Nestbau von Vögeln und Wespen mit Zähnen und Klauen verteidigten und rechtfertigten, hätte es ihre dringende Pflicht sein müssen, das Erkennen dieser Störgröße unmittelbar nach deren Auftreten mit Macht zu fördern. Statt dessen verbreiteten sie die törichte Losung:

"Kehren ist die sicherste Querschnittskontrolle!"

Ganzjährigen Schutz vor den Kamin verstopfenden äußeren Einflüssen kann aber keineswegs einmaliges jährliches Kehren gewährleisten!

Dazu ist nur eine - dem heutigen Stand der Technik entsprechende ständig vorhandene - vollautomatische Abgasüberwachungsanlage in der Lage!

Der jährliche Kehrzyklus kann eine den Kamin verstopfende Schadensursache erst nach maximal 364 Tagen, nämlich dem nächsten Kehrtermin, erkennen.

Wer wie die Schornsteinfeger argumentiert, handelt zumindest grob fahrlässig. Dies ist allein schon deshalb besonders schwerwiegend, weil es der eigenen vorteilhaften Besitzstandswahrung dient.

Ich bin der Meinung, dass das fortwährende Blockieren der Einführung vollautomatischer Abgasüberwachungsanlagen anstelle des jährlichen Kehrens als kriminelles Verhalten zum Schaden der Allgemeinheit zu gelten hat.

Deshalb beschuldige ich sowohl die Schornsteinfegerfunktionäre, als auch die sie beschützenden Beamten, bewusster schwerwiegender Unterlassungen. Dies setze ich kriminellem Verhalten gleich!