Dem schwarzen Mann Paroli bieten


"Mut ist die Tugend, die für Gerechtigkeit eintritt."

Cicero


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Mutige Männer mit Zivilcourage:

==> Ostberg, Berlin
==> Schöbel, Rhl.-Pfalz
==> Güdemann: SWEEPY - Das Kehrgerät für Jedermann

 

"Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique regieren zu lassen."

Hans Scholl



Das Kaminkehrgerät für Jedermann - eine deutsche Odyssee


"Wir brauchen Innovationen; durch Deutschland muss ein Ruck gehen.
Wir müssen Abschied nehmen vom Besitzstanddenken"

Ex-Bundespräsident Roman Herzog


"Wir werden alles daran setzen, dass diese Sache wieder vom Markt verschwinden wird.
Wir lassen uns doch nicht von Ihnen unser altes Handwerk kaputt machen"

Ein Bezirksschornsteinfegermeister


 

"Man fliegt doch heute auf den Mond, also läßt sich sicher auch ein Schornstein von unten reinigen!", war die Erkenntnis des badischen Bauingenieurs Johann Georg Güdemann im Jahre 1980. Es galt, bei einem Mehrfamilienhaus die üblicherweise vorzusehenden Treppen auf dem Dach für den Kaminkehrer zu vermeiden. Die Kaminreinigung von unten kann jeder vornehmen. Sie erspart nicht nur die Dachtreppe oder statt dessen eine vorgeschriebene obere Kehröffnung, sondern den jährlichen Besuch des lästigen, überflüssigen und mittlerweile sündhaft teuren Schornsteinfegers.

Dipl.Ing.Güdemann entwarf eine sinnvolle Konstruktion, ließ sie mehrfach patentieren und ließ eine kleine Serie des Gerätes bauen und installieren. Womit er nicht rechnete war, dass sich jemand seiner technischen Neuerung widersetzen könnte. Diese jemanden sind die Schornsteinfeger, denen er in die Quere kam. So wie einst die Hersteller mechanischer Webstühle den schlesischen Webern in die Quere gekommen sind. Den Webern des 19. Jahrhunderts stand niemand mit Erfolg zur Seite, wohl aber den Schornsteinfegern des 20.Jahrhunderts.

Als Schutzbefohlene agieren die Schornsteinfeger nach Gutsherrenart Sie haben nichts zu befürchten, denn in den Wirtschaftsministerien der Länder sitzen die allem Anschein nach nur ihnen verpflichteten Ministerialbeamten zur Pflege des deutschen Schornsteinfegerwesens. Kein Politiker getraut sich, an dem antiquierten Monopol zu rütteln. Der Gelsenkirchener FH-Prof. Rawe verpasst ihnen die notwendigen Gutachten zur Einführung weiterer Happen an vorgetäuschten Dienstleistungen, die angeblich der häuslichen Sicherheit und einer gesunden Umwelt dienlich sein sollen.

Mittlerweile hat die Republik an die 8 000 Kehrbezirke mit 17 000 Schornsteinfegern, die uns im Jahr etwa 1.5 Mrd. € kosten. Laut 'Wirtschaftswoche' Heft 32/2002 bringt jeder Kehrbezirk gegen 3 000 € im Jahr in die "Kriegskasse". Damit lässt sich mit Leichtigkeit eine aufwendige Lobbyarbeit durchführen.

Dipl.Ing.Güdemann erhielt nach zwanzigjährigem Intrigenspiel seitens der Schornsteinfeger und Hindernislauf gegen Behörden und Kaminfeger im Januar 2002 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eine generelle Zulassung bezüglich der Erfindung für die gesamte BR. Die Vorteile und der Nutzen der Erfindung für die Allgemeinheit wurde durch den Text der Zulassung gleich wieder annulliert, denn nur die Schornsteinfeger sollen das serienreife Gerät bedienen dürfen.

Eine Innovation wird den mittelalterlichen Regeln, Denk- und Arbeitsweisen der Feger wettbewerbswidrig zum Schaden der Allgemeinheit untergeordnet. Dies ist der deutsche Weg zur Innovation neuer Techniken. Ein Land, das Besitzstandswahrung um jeden Preis Priorität gibt, fährt im Rückwärtsgang in die Zukunft. Armes Deutschland!

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Helmut Ostberg, Berlin, kämpft gegen das Kehrmonopol und wirft Spionage vor

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Keine Angst vorm schwarzen Mann


von Thomas Loy

Helmut Ostberg spricht schon sei mehreren Stunden. Sein Gaumen ist trocken. Vor ihm stehen kleine Schälchen mit Trockenobst, Nüssen und geröstetem Brot, dazu gibt es Tee. Doch Ostberg rührt nichts an. Wer konsumiert, macht sich "Ich bin ein Typ, der gerne autark ist", sagt Ostberg. Darin ist er fast schon Extremist. Vor Jahren meldete der hagere Mann seine Mülltonne ab, Trinkwasser schöpft er seit Jahren aus dem eigenen Brunnen, und weil er viel Sport treibt, braucht er auch keine

Krankenversicherung. Strom bezieht Ostberg noch von der Bewag, aber eine Solarstromanlage wird auch dieser Abhängigkeit bald ein Ende bereiten. Helmut Ostberg, ein Zurück-zur-Natur-Einsiedler? Kein Treffer. Öko-Einsiedler wohnen nicht im selbstgebauten Haus einer Mahlsdorfer Eigenheim-Siedlung. Zudem würden sie keinen Feldzug gegen die Jahrhunderte alte Zunft der Schornsteinfeger starten.

Doch Ostberg, der Autarkie verpflichtet, blieb keine andere Wahl. Seit Jahrzehnten hatte er in der DDR den selbstgebauten Schornstein seines selbstgebauten Holzofens selbstverständlich selbst gereinigt. Auch nach der Wende drückte der zuständige Bezirksschornsteinfegermeister beide Augen zu, ließ Ostberg gewähren, solange er pünktlich die Gebühren zahlte. Doch die waren inzwischen von 10,40 Ost-Mark auf 244,88 West-Mark gestiegen. Die wollte Ostberg nicht mehr allein dafür zahlen, dass er dem Schornsteinfeger die Arbeit abnahm und kündigte das "Kehrverhältnis" wegen "Preistreiberei".


Allein gegen das "Kehrmonopol"

Das geht natürlich nicht. Denn die Kaminkehrer sind in Deutschland staatlich bestallte Handwerker mit einem festen "Kehrbezirk", in dem sie das Kehrmonopol ausüben. Jeder Hausbesitzer muss ihnen mindestens einmal im Jahr Zutritt gewähren, um den Schornstein kehren oder den Kohlenmonoxidgehalt in der Abluft des Heizkessels messen zu lassen. Die zu entrichtenden Gebühren werden vom Senat jedes Jahr neu festgesetzt, in der Regel erhöht, denn dem Schornsteinfegermeister wird quasi ein Beamtengehalt garantiert: A 9, das sind rund 5000 Mark brutto. Bis er einen eigenen Kehrbezirk zugeteilt bekommt, muss der Schornsteinfegergeselle bis zu 16 Jahre warten. Da es immer weniger Kohleöfen oder offene Feuerstellen gibt und moderne Gasheizungen kaum noch Rückstände in die Luft pusten, bleibt für die "schwarzen Männer" immer weniger zu tun. Seit 1989 verschwanden in Berlin 50 Betriebe - heute sind es noch 285.

Die Kehrbezirke werden alle paar Jahre neu aufgeteilt, und zwar möglichst so, dass jeder Schornsteinfegerbetrieb den gleichen Umsatz erwirtschaftet - rund 240 000 Mark im Jahr, wie Karsten Valentin, Vorsitzender des Landesverbandes der Schornsteinfeger, erklärt. Damit liege man bundesweit im Mittelfeld. In Hamburg seien die Gebühren weitaus höher. Siegfried Rehberg vom Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen kämpft seit Jahren gegen die steigenden Kehrgebühren und lässt auch anklingen, dass man auch über mehr Wettbewerb reden müsse, ähnlich wie beim Auto-TÜV. "Wir brauchen ein völlig anderes Überprüfungswesen." Es komme vor, dass der Schornsteinfeger andere CO-Werte messe als die Wartungsfirma der Heizungsanlage. Dann werde so oft überprüft, bis die Werte übereinstimmen - auf Kosten des Hauseigentümers.

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Anders als im üblichen Geschäftsleben übernähmen Schornsteinfeger auch keine Gewährleistung für ihre Arbeit. Siegfried Rehberg fordert Konsequenzen: Entweder sollten Schornsteinfeger selbst die Wartung von Heizungen übernehmen oder nur noch die Prüfbelege von den Heizungsbaufirmen sammeln. Doch der Verbandschef weiß um die gute Lobby der Schornsteinfeger. "Es existiert eine gute Organisation. Die Innungsbeiträge liegen weit über denen anderer Handwerksbranchen."

Während Rehberg noch verhandelt, hat sich Helmut Ostberg längst in einen Kleinkrieg gegen seinen Schornsteinfeger und dessen Aufsichtsbehörden verrannt. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, ob ein Teil seines Ofenrohres als kehrpflichtiges "Zwischenstück" oder doch nur als belangloses "Verbindungsstück" im Sinne der "Kehr - und Überprüfungsgsordnung" zu werten ist. Ostberg ist selbst Ingenieur und meint, in Sachen Heiztechnik könne ihm kein Schornsteinfeger das Wasser reichen. Überdies spießt er mit Vergnügen jedes widersprüchliche Argument der Gegenseite auf und profiliert sich als ostdeutscher Kohlhaas, der nur sein Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung einfordere und von seinem Schornsteinfeger (aus Spandau!) im Verbund mit Vertretern des "Westsenats" schikaniert und bedroht werde.

Das "Neue Deutschland" würdigte Ostberg bereits als "wehrhaften Bürger". Weit gefährlicher als die Scharmützel um Gebühren und Verordnungen ist jedoch der Imageschaden, den Ostberg den schwarzen Glücksbringern zufügt. In einem Flugblatt schrieb er: "Die Schornsteinfeger wurden nicht nur im Mittelalter von der Inqusition, sondern auch in der NS-Diktatur als 'Anschwärzer' und 'Spitzel' unter dem Vorwand, Brände zu verhüten, eingesetzt, mit Privilegien ausgestattet und missbraucht, um Menschen auf die Scheiterhaufen oder in die KZs zu bringen". Dieser Satz löste bei Schornsteinfegern blankes Entsetzen aus, und die Innung klagte auf Unterlassung.


Spitzelohr am Ofenrohr

Ostberg pochte dagegen auf Meinungsfreiheit und führte als Beleg die "Verordnung über das Schornsteinfegerwesen" vom 30. Juli 1937 an. Darin heißt es, Schornsteinfeger seien "Beauftragte der Polizeibehörde" und müssten "politisch zuverlässig sein". Für den Posten des Bezirksschornsteinfegermeisters wurden bevorzugt NSDAP-Mitglieder mit Parteieintritt vor 1930 und "Träger des Goldenen Parteiabzeichens und des Blutordens" vorgesehen. Eine klare Richtlinie, um Spitzel für die Gestapo anzuwerben, meint Ostberg. Er glaubt, dass Schornsteinfeger auch heute noch die Bürger von staatswegen bespitzeln - vornehmlich Dissidenten und Widerständler wie ihn.

"Da wird ein ganzer Berufsstand diffarmiert", klagt Innungsobermeister Werner Christ. Da die ersten Verfahren zugunsten von Ostberg ausgingen, wollen sich die Schornsteinfeger jetzt einen besseren Anwalt nehmen. In Fragen der Standesehre will man auf keinen Fall zurückstecken. Das staatlich angeordnete Reinigen von Ostbergs Schornstein hat der zuständige Kehrbetrieb dagegen vorerst aufgegeben.

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Jürgen Schöbel, Rhl.-Pfalz, legt sich wegen seines Ofens mit seinem Schornsteinfeger an

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Pressemitteilung in der 'Rhein-Pfalz' vom 20.06.01

ALTRIP: Warum sich Jürgen Schöbel wegen seines Ofens mit dem Schornsteinfeger anlegt:

Jürgen Schöbel aus Altrip ist auf einem Kreuzzug. Sein Vetter-Ofen, eine "innovative Heizungsanlage" wie er sagt, soll nicht wie die normalen Heizungen überprüft und gereinigt werden. "Ich störe mich an Prüfungen, die nicht erforderlich sind", sagt Schöbel. Das sieht der Bezirksschornsteinfeger wiederum ganz anders, der auf die Vorgaben der Kehr- und Überprüfungsordnung verweist.

Diese Auseinandersetzung hat nun schon weite Kreise gezogen: ein Verwaltungsgericht, ein Oberverwaltungsgericht, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier, der Bürgerbeauftragte und das Wirtschaftsministerium haben sich damit beschäftigt, die Kreisverwaltung hat drei Sofortvollzüge angeordnet, damit der Schornsteinfeger per Schlüsseldienst in Schöbels Wohnung kommen sollte. Nachdem der nämlich zweimal "murrend" die Überprüfung zugelassen habe, verweigert er inzwischen den Zutritt zur Wohnung. "Was glauben Sie, was ich schon für Debatten geführt habe", sagt der 58-jährige Schöbel. Sein Schriftverkehr füllt eine dicke Mappe.

Aber von vorn: Seit 1991 hat Jürgen Schöbel einen Vetter-Ofen. Die Besonderheit dieses Heizsystems: eine bessere Energieausnutzung, ein ungewöhnlich hoher Entschwefelungsgrad und eine rußfreie Verbrennung. Und weil die Abgase des Ofens nicht heiß sind, genügt ein Plastikrohr statt einem Kamin. "Da kein Ruß anfällt, gibt es auch nichts mehr zu kehren", begründet Schöbel seine Verweigerungshaltung.

 

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Die Firma VERITHERM, die den Ofen vertreibt, bestärkt diese Auffassung: "Der Schornsteinfeger darf im äußersten Falle eine Immissionsmessung vornehmen." Weitere Kontrollen seien unnötig. So schließe ein elektronisches Sicherheitssystem Brandgefahr aus, was der Tüv Rheinland 1994 in einem Gutachten bestätigt hat.

Das Problem: Die Kehr- und Überprüfungsordnung, die vorschreibt, welche Anlagen wie oft und in welchem Umfang vom Schornsteinfeger überprüft und gekehrt werden müssen, sieht keine Ausnahmen vor. "Nach geltendem Recht muss die Anlage genauso kontrolliert werden wie Anlagen anderer Hersteller", so die Auskunft des Wirtschaftsministeriums. Bisher gebe es keine Ausnahmen für besondere Fabrikate, bei Brennwertkesseln habe man die Überprüfungsfrist generell schon auf zwei Jahre verlängert.

Doch Jürgen Schöbel stößt mit seinem Kreuzzug auch auf Verständnis. Mit Besitzern von Vetter-Öfen in anderen Bundesländern steht er in Kontakt. Die Benachteiligung hochmoderner und der Umwelt dienender Anlagen müsse für die Zukunft beseitigt werden, schreibt auch das grüne Landtagsmitglied Bernhard Braun. Und im Bericht des Bürgerbeauftragten heißt es, das Schornsteinfegerwesen sei immer noch ein Ärgernis: "Unmut entsteht bei Bürgern insbesondere hinsichtlich der Höhe der Gebühren und der Reinigungspflicht vor allem für regelmäßig eher rückstandsfrei oder -arm arbeitende Gasfeuerstätten."

Das Wirtschaftsministerium wurde nun aktiv. Vorgesehen ist eine Umfrage unter allen Bundesländern, ob sie eine entsprechende Anlage schon einmal aus der Prüfpflicht genommen haben. Dann könnte eventuell in Absprache auf Bund- und Länderebene die Kehr- und Überprüfungsordnung geändert werden. Bis es so weit ist, wird Jürgen Schöbel aber sicher noch einige Debatten führen müssen.