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Kurze
Geschichte der Schornsteinfeger
Als eigenständiger Beruf ist der
des Schornsteinfegers (auch Schlot- und Winkelfeger, Rauchfang- und
Kaminkehrer) vergleichsweise jung. Das Reinigen der Schornsteine war noch im
Spätmittelalter unreglementiert, wenngleich schon der Sachsenspiegel
vorschrieb: "Ein jeder soll behüten und beschützen seinen Ofen und seine
Feuermauer, dass die Funken nicht fahren in den Nachbarshof und ihm
schaden". Zwar wird hier nicht direkt vom Reinigen der Schlote
gesprochen, sondern von feuerhindernden Maßnahmen, worunter neben der
Verwendung von Feuerglocken und -schirmen auch das ständige Kehren gehörte,
um so einem Kaminbrand vorzubeugen, der sich bei den Lehm- und
Bretterschornsteinen schnell auf die ganze Dachkonstruktion ausbreiten
konnte. Im Spätmittelalter wurde das Reinigen mehr
schlecht als recht von den Hausbewohnern selbst vorgenommen oder es oblag
anderen Berufen. In Klosterneuburg, Bamberg und Altenburg setzten die
Badeknechte die Öfen und reinigten sie auch zusammen mit den Schornsteinen.
In herrschaftlichen Gebäuden fegten die Heizer und Holzträger. Öffentliche
Bestallungen und somit Vorläufer des heutigen Instituts des
Bezirksschornsteinfegers kennen wir vom 16.Jh. an; hier waren die Residenz-
und Reichsstädte Vorreiter. Gerade die Enge der städtischen Bebauung
erforderte eine wirksame "Feuerpolizei". Zur Bildung von Zünften bzw. Innungen kam es
jedoch erst im 17.Jh.: Die erste Ordnung der Wiener Rauchfangkehrer datiert
von 1664. In Basel ließen sich 1661 erste Kaminkehrer aus Locarno nieder, und
erst danach gaben sich dann auch Hintersassen der Basler Landschaft und
andere Bürger mit dem anrüchigen Handwerk ab. Erst 1705 wurde das
"schwarze Handwerk" zünftig und den Bauleuten angegliedert. In
Berlin erhielt das Gewerk der Schornsteinfeger 1697 ein erstes Privilegium,
und 1703 kam es zur Gründung einer Innung, während sie z. B. in Nürnberg zu
den freien Berufen zählten. In Leipzig wurden zwar schon im 16.Jh. ein
Feuermauerkehrer ansässig, doch erst 1709 konnten die Meister ein
Innungsprivileg erwirken, Dresden folgte ein Jahr darauf. Ab 1730 wurden im wittgensteinischen
Territorium meist gelernte Steindecker oder Maurer als Schornsteinfeger im
Auftrag der Städte und Grafenhäuser tätig. Die Schornsteinfeger reinigten nicht nur die
Schlote, sondern wachten auch über die Einhaltung von Bauvorschriften, die zumindest
Balken durch den Rauchabzug verboten. Die meisten Feuerschutzbestimmungen für
das Land fassten jedoch erst im 18.Jh. Fuß. Die Bedeutung des Berufes folgte jedoch auch aus
einem Wandel der Schornstein- und Ofenkonstruktion: Die Abzüge der offenen Kamine
waren meist zu groß bemessen, daher setzte sich dort wenig Flugruß ab. Die
Gefahr, die von ihnen ausging, war vor allem die des Funkenfluges und weniger
die des Schornsteinbrandes. Mit der Blüte des Kachelofens im 16.Jh. wurde der
Abzug auch kleiner, was zwar eine bessere Nutzung der Heizenergie bedeutete,
aber auch eine größere Gefahr der Glanz- und Flugrußbildung und somit auch
des Brandes bedeutete. Da die geschlossenen Kamine von Norditalien aus
nach Deutschland kamen, waren es vor allem Italiener, die sich der Reinigung
derselben annahmen. Sie kamen aus dem Tessin, aus Savoyen, Piemont und
Graubünden, und selbst noch im 19.Jh. holten sich viele Kaminkehrer ihren
Nachwuchs von dort. Die jüngsten Lehrbuben waren elf Jahre alt, in der Regel
lag das Durchschnittsalter bei 13 bis 14Jahren. Junge Lehrbuben wurden gerne
beschäftigt: Die Reinigung vom Dach aus war noch die Ausnahme. Vielmehr
mussten die Kinder mit Knie- und Rückenarbeit in die oft noch heißen
Schornsteine steigen, eine Arbeit die Santa Clara 1699 wie folgt beschrieb:
"... und ist fürwahr nicht eine leichte Sach, indem andere zum Steigen
die Füß brauchen, diese aber die Knie, womit sie so wunderbarlich in alle
Höhe hinauf klettern, und mit ihrer Arbeit, Fleiß und Obsorg denen gefährlichen
Feuers-Brunsten wissen vorzubiegen". Diese Art des Besteigens und des Reinigens von
innen gehörte in Berlin noch bis 1972 zur Gesellenprüfung. Die Lehrjungen
waren äußerlich an der zur rußigen Arbeit zweckmäßigen
"Steigerkappe" erkennbar, der Zylinderhut zählt frühestens seit den
1830er Jahren zu den unentbehrlichen Requisiten des Schornsteinfegers. Im
18./19.Jh. wurde meist eine vier- bis sechsjährige Lehrzeit verlangt.
Lehrlinge wie auch Gesellen wohnten noch bis ins frühe 20.Jh. im Meisterhaus.
Da die Schornsteinfeger ein kleines, auf die Städte konzentriertes Handwerk
mit wenigen Gesellen waren, setzte sich bei den Gesellen die Wanderschaft
durch, und das Handwerk galt als "geschenktes" - mit
Wanderunterstützung. Auf der Walz mussten außen am Felleisen das Kratzeisen
und die Schlappschuhe sichtbar befestigt sein. Für Himmler, der 1937 das Schornsteinfegergesetz
unterschrieb, war die Einrichtung fester Kehrbezirke systemimmanent.
Systemtreue Schornsteinfeger hatten regelmäßigen Zutritt zu den Wohnungen. Wie
viele Juden und politische Gegner durch dieses Überwachungssystem ans Messer
geliefert wurden, ist nicht bekannt. Die DDR und die BRD haben das
Schornsteinfegergesetz aus der Hitlerzeit bereitwillig übernommen. Die
ursprünglichen Strukturen blieben weitgehend erhalten. Der Ruf des Schornsteinfegers als Glücksbringer
geht auf folgende Tradition zurück: In Norddeutschland wurde das Kehrgeld
meist am Neujahrstag erhoben. Der Schornsteinfeger ging von Haus zu Haus und
wünschte ein gutes Jahr, er gilt daher heute noch (auf Neujahrskarten
abgebildet) als Glücksbringer. |
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