Raffgier als Berufsmerkmal


"Man muss den Bissen nicht größer machen als das Maul"

Deutsches Sprichwort


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Der Inhalt:

==> Schornsteinfeger contra TÜV
==> Armes Gesundheitswesen

"Besser wenig und gerecht als viel Besitz und Unrecht."

Sprüche Salomos



Schornsteinfeger contra TÜV


 

"Manche Politiker halten einem Vergleich nur Stand,
solange man ihn nicht zieht"

Helmut Schmidt

Die VDI-Nachrichten veröffentlichen im 1. Aprilheft 2002 eine TÜV-Statistik. Diese enthält Angaben über die Zahl der Mitarbeiter und die Umsätze aller deutschen TÜV-Gruppen.

Der erwirtschaftete Umsatz eines TÜV-Mitarbeiter betrug in 2000 etwa 89 000 €. Der Umsatz eines jeden der 17 000 deutschen Schornsteinfeger dürfte nur wenig darunter liegen, wenn die zahlreichen hohen Abnahmegebühren miteinbezogen werden.

Vergleicht man jedoch die Qualifikation der TÜV-Mitarbeiter mit der von Schornsteinfegern, so entsteht ein beachtenswertes Missverhältnis. Vergleicht man dazu auch noch den Anteil der Gemeinkosten beider Einrichtungen, zeigt sich das zweite Missverhältnis.

Beim Mitarbeitervergleich besteht kein Zweifel, dass jeder Prüfer des TÜV eine weitaus höhere Qualifikation als ein Bezirksschornsteinfegermeister besitzt, der überwiegend nichts anderes macht als Kehren und Messen. Die wesentlich höhere Verantwortung der TÜV-Mitarbeiter spricht für sich. Die Bürokräfte des TÜV haben zumindest einen ebenbürtigen Qualifikationsspiegel wie jeder der 17 000 deutschen Schornsteinfeger.

Was der Schornsteinfeger an Gerät braucht, passt in den Kofferraum eines Kleinwagens. Materialverbrauch und Verschleiß an Arbeitsgerät sind vernachlässigbar. Die Wege zu den Zwangskunden lassen sich bei geschickter Organisation leicht organisieren. Der Schornsteinfeger besitzt heutzutage einen beruflich nur selten benötigten PC, der auf einem Schreibtisch in einer Zimmerecke leicht unterzubringen ist. Mehr an immobiler Einrichtung ist beim besten Willen für die ihm aufgetragenen Tätigkeiten nicht notwendig.

Jede TÜV-Niederlassung benötigt eine ausgedehnte beheizte und entlüftete Halle mit mehreren Messstationen für die verschiedenen Kraftfahrzeugarten, ferner voll eingerichtete Büroräume, die teils auch für den Publikumsverkehr zugänglich sind. Ein Teil der TÜV-Mitarbeiter ist gleich den Schornsteinfegern zur Anlagenüberprüfung unterwegs.

Setzt man beider Qualifikationen und beider Gemeinkosten in ein halbwegs realistisches Verhältnis, so dürfte der Jahresumsatz eines Schornsteinfegers keinesfalls höher als 60 000 € sein. Dies setzt aber voraus, dass jeder Schornsteinfeger die übliche Wochenstundenzahl voll beschäftigt ist. Zahlreiche bestätigte Beobachtungen schließen wegen der zeitlichen Kürze der verrichteten Schornsteinfegertätigkeiten auf einen weitaus höheren Stundensatz als dem berechneten. Es wurde in der Vergangenheit häufig von Nettostundensätze über 500 DM berichtet. Daraus lässt sich schließen, dass die Schornsteinfeger im Durchschnitt nicht mehr als die Hälfte der üblichen Arbeitszeit zur Ausführung der vorgeschriebenen Tätigkeiten beschäftigt sind. Danach darf das Jahreseinkommen eines Schornsteinfegers bei nicht mehr als 30 000 € liegen.

Diese Berechnungen enthalten keine Anhaltspunkte über die Zweckmäßigkeit der täglichen Verrichtungen unserer Schornsteinfeger. Das ist ein weiteres Kapitel in der Wahrheitsfindung um unser Schornsteinfegerwesen.

 



Armes Gesundheitswesen


 

"Unmässig nach dem eigenen Vorteil trachten - viel Unmut bringt das"

Konfuzius

Nach einer jüngsten Verlautbarung der "Deutschen Krankenhausgesellschaft" ist gemäß einem EU-Gerichtshof-Urteil ein Bedarf von zusätzlichen 27 000 Ärzten und 14 000 weiteren Beschäftigten in den deutschen Krankenhäusern notwendig. Demgemäss betrügen die zusätzlichen Kosten für das deutsche Gesundheitswesen 1,7 Mrd. €.

Im geschilderten Falle ist der Lohnkostenanteil bei 100% anzusetzen. Im deutschen Schornsteinfegerwesen dürfte er bei 90% liegen. Ein nüchterner Vergleich der oben veranschlagten Kosten im Gesundheitswesen mit den Kosten des deutschen Schornsteinfegerwesens enthüllt eine unglaubliche Tatsache: Pro Jahr würden uns die 41 000 zusätzlich Beschäftigten in deutschen Krankenhäusern 1,7 Mrd. € kosten. Aber etwa 1,5 Mrd. € bezahlen wir an die 17 000 deutschen Schornsteinfeger!

Es bedarf keiner Erläuterung, dass die 27 000 Ärztinnen und Ärzte ein langes mühsames Studium absolviert haben. Frühestes Approbationsalter liegt bei 25 Jahren. Bis dahin bezog der nach dem Hauptschulabschluss in die Lehre gegangene Schornsteinfeger schon 10 Jahre lang ein zwar bescheidenes, aber mit künftigen saftigen Rechtsansprüchen gesichertes Einkommen. Welche beruflichen Perspektiven bieten sich den im Gesundheitswesen Tätigen? Ungeregelte Arbeitszeiten, die sich auf die Nacht und das Wochenende ausdehnen. Von berufsbezogenem Stress nicht zu reden. Nichts dergleichen bei einem Schornsteinfeger, der seine vorgeschriebenen Tätigkeiten bei geschicktem timing in der Hälfte der vorgegebenen Zeiten (Arbeitswerte) zu verrichten in der Lage ist.

Stellt man Qualifikation und Arbeitseinsatz der deutschen Schornsteinfeger dem Krankenhauspersonal gegenüber, so kommt man zu dem unglaublichen Ergebnis, dass die Schornsteinfeger um den Faktor 6(!) überbezahlt sind. Mit anderen Worten: Ein deutscher Schornsteinfeger hat unter Einbeziehung sämtlicher berufsbezogenen Parameter etwa das 6-fache Stundeneinkommen von jungen Ärzten und Pflegekräften.

Wer beobachtet, wie schwierig es ist, die wachsenden Kosten des deutschen Gesundheitswesens in finanzierbaren Grenzen zu halten, kommt nicht an der Erkenntnis vorbei, dass das kostspielige deutsche Schornsteinfegerwesen dagegen ein verheerendes Schmarotzerdasein in unserer Gesellschaft fristet. Dass es finanzielle Resourcen verschwendet, die woanders dringend benötigt werden.

Sind unsere Politiker so mit Blindheit geschlagen, dass sie diese frappierenden Missverhältnisse nicht zu erkennen vermögen?