Leserbriefe bis 4/2003


"Kann man überhaupt noch jemandem glauben?
Die Lügner sind so glaubwürdig geworden!"

Pavel Kohout


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"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht,
und wenn er auch die Wahrheit spricht."

Deutsches Sprichwort

Tatsachen widerlegen weit verbreitete Lügen

Mit der Waffe "Brand- und Umweltschutz" errang die Schornsteinfegerlobby große Erfolge im Kreise unserer politischen Entscheidungsträger. Wer sich aber vorurteilslos und kritisch mit der modernen Feuerungstechnik befasst, erkennt in den Tätigkeiten der Schornsteinfeger überwiegend nutzlose Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.

Durch moderne Öl- und Gasfeuerungen verursachte Kaminbrände gehören der Vergangenheit an, was von Feuerwehren und Feuerversicherungen mehrfach bestätigt worden ist. Die Schornsteinfegerlobby jedoch ängstigt die Öffentlichkeit weiterhin mit diesem Gefahrenpotential. Die Schornsteinfegerlobby stellt ferner in den Medien eine unglaublich hohe Opferzahl an CO-Toten im Kaminbereich in den Beneluxländern (es wurden schon 4 000 genannt) den wenigen hierzulande gegenüber. Das ist eine infame Lüge, die durch Recherchen in den benachbarten Ländern entlarvt worden ist. Außerdem dienen Vogel- und Wespennester in ganzjährig genutzten Kaminen zur Rechtfertigung eines regelmäßigen Kaminkehrens.

Die Lobbyisten der Schornsteinfeger wuchern mit Tradition und Nostalgie und bedienen sich eines weit verbreiteten Aberglaubens. Schadenfeuer und verschmutzte Umwelt sitzen auch dem modernen Menschen als drohende Gefahr unterschwellig in den Knochen. Deshalb überlassen wir leichtfertig auch selbsternannten Sicherheitsgaranten bereitwillig das Feld. Diese Haltung führte zur Metamorphose der bisher nur mit Kaminkehren beschäftigten Schornsteinfeger zu vermeintlichen Brand- und Umweltschützern. Die eingeführte Immissionsmessung der Heizungsanlagen wurde bereitwillig an die Schornsteinfeger übertragen, obgleich die Heizungsbauer eher dafür prädestiniert wären.

Aufbauend auf dem in den Jahren 1935 und 1937 erlassenen Schornsteinfegermonopol mit festen Kehrbezirken wurden ab Ende der sechziger Jahre nach und nach Gesetze und Verordnungen bei Bund und Ländern erlassen, die nur teilweise einer kritischen Überprüfung im Hinblick auf ökonomische und ökologische Kriterien standhalten können. Mit einem Wust von Gesetzen und Verordnungen unter dem Dach des Staatsmonopols Schornsteinfegerwesen sind wir heute betroffen. Die Politiker getrauen sich nicht daran zu rütteln, wie sie es bei der Entmachtung des einstigen Fernmeldemonopols beherzt taten.

Die Trennung der Kompetenzen zwischen Bund und einzelnen Bundesländern erschwert den Durchblick über das komplizierte Gesetzeswerk Schornsteinfegerwesen, das zu einem allgemeinen Ärgernis heranwuchs. Das zeigt sich in den zahlreichen Klagen bei den Verwaltungsgerichten und den noch häufigeren Petitionen auf allen Verwaltungsebenen. Wachsende Staatsverdrossenheit und Verweigerung erzwungenen unsinnigen Kehrens und Messens sind die Folge.

Wer lässt gerne seinen sauberen Kamin regelmäßig kehren? Wer sieht ein, dass die vom Fachhandwerk justierte Heizanlage vom Schornsteinfeger nochmals überprüft werden muss? Diese, und noch weitere, Ärgernisse werden durch die weit überhöhten Gebühren verstärkt. Zum Vertuschen des Missverhältnisses zwischen der aufgewandten Arbeitszeit und der dafür enorm hohen Gebühren hat sich eine höchst seltsame Praxis der Schornsteinfeger eingebürgert: Statt ihre Tätigkeit von Haus zu Haus auszuüben, wechseln sie häufig ihren Wirkungsbereich.

Die Behauptung der Schornsteinfeger, mit der Gebührenfestlegung hätten sie nichts am Hut, widerlegte der oberste Baden-Württembergische Schornsteinfeger Gula, in Gegenwart des Baden-Württembergischen Wirtschaftsministers Dr. Döring (nun Ehrenschornsteinfeger!), anlässlich des 39. Landesinnungsverbandstages Baden-Württembergischer Schornsteinfeger in Isny am 12.7.2001 wie folgt:

"Mit Sorge betrachtet derzeit das Schornsteinfegerhandwerk die wirtschaftliche Entwicklung der Betriebe. Man kann nicht zulassen, dass der Großteil der Betriebe sich wirtschaftlich negativ entwickelt. Man hat deshalb ein Gutachten über die wirtschaftliche Entwicklung des Schornsteinfegerhandwerks in Auftrag gegeben."

Um ihre Existenz ins rechte Licht zu rücken, veranlassten die Schornsteinfeger eine Forsa-Umfrage, mit deren positivem Resultat sie nun protzen. Jeder weiß, dass die Ergebnisse von Umfragen von der Art der Fragestellung abhängig sind, und sie daher leicht zu manipulieren sind. Welches solide Handwerk hat jemals Umfragen gestartet? Bei jeder passenden Gelegenheit buhlen Abordnungen der Schornsteinfeger mit ranghohen Politikern, die sich offenbar geschmeichelt fühlen. In jüngster Zeit wurden in zahlreichen Städten Werbeveranstaltungen für karitative Zwecke in der unübersehbaren schwarzen Uniform mit den Silberknöpfen beobachtet. Imagepflege bedrohter Existenzen auf der ganzen Linie!

Zu dem üppig garantierten Jahreseinkommen der Kehrbezirksinhaber addieren sich zusätzliche Einkommen, die von kostspieligen Neuzulassungen und fragwürdigen Messwiederholungen herrühren. Der Zeitrahmen für die Dauer ihrer verschiedenen Tätigkeiten wird von den Schornsteinfegern angeblich unabhängigen REFA- Zeitstudien entnommen, an dem bislang nicht gerüttelt werden durfte. Die 2001 eingeführte Neufassung der KÜO jedoch zwang sie zu einer sträflichen Manipulation derselben. Trotz unveränderter Tätigkeit des Schornsteinfegers in meinem Hause verlangte dieser nach der Neufassung ein Mehr an Gebühren von 15%!

Die Einstufung eines Bezirksschornsteinfegermeisters (BSFM) in die Besoldungsgruppe A9 ist äußerst fraglich. Wie mag es dem in den Staatsdienst tretenden Absolventen einer Fachhochschule zumute sein, wenn er erfährt, dass ein Bezirksschornsteinfegemeister sich in der gleichen Besoldungsgruppe wie er befindet? Er hat nach dem Abitur ein mehrjähriges mühsames Studium hinter sich. Der ihm gleichgestellte Schornsteinfeger dagegen bezog seit seinem Hauptschulabschluss ständig ein festes Einkommen und legte nebenher lediglich eine Gesellen- und Meisterprüfung ab.

Die Zusammenlegung bisheriger zweimaliger terminlich getrennter Tätigkeiten hätte, gemessen an dem neu eingeführten Wegegeld, wegen der Zeitersparnis eine weit mehr als zehnprozentige Kostenminderung zugunsten der Hausbesitzer erbringen müssen. Stattdessen blieben die Einkommen der entlasteten Schornsteinfeger konstant. Es wurde lediglich die Zahl der Kehrbezirke um weniger als 1% gesenkt. Das beweist den strikten Erhalt bisherigen Besitzstandes der Schornsteinfeger auf Kosten der Allgemeinheit.

Es ist empörend, wie eine angeblich hohe Beanstandungsquote bei der Bauabnahme herangezogen wird, um damit die regelmäßige Überprüfung der Heizanlagen zu rechtfertigen. Dies stellt die Zuverlässigkeit des Heizungsbauerhandwerks in Frage. Nur bei den Schornsteinfegern gilt der Grundsatz "Wer wartet, darf nicht prüfen, wer prüft, darf nicht warten". Beim PKW dürfen auch die Werkstätten die Abgase (AU) überprüfen.

Die Lobbyisten der Schornsteinfeger stellen in der Regel zweckgerichtete Behauptungen auf, die durch keine glaubwürdigen und nachprüfbaren Statistiken belegt sind. Mit derartigen angstmachenden Methoden haben sie sich in der Vergangenheit bei den staatlichen Entscheidungsträgern zusätzliche Tätigkeiten ergattert. Beispiele sind die Übernahme der Rauchrohre in die Obhut der Schornsteinfeger, ferner die Einführung einer Feuerstättenschau. Weitaus dringlicher wäre eine häusliche Elektrogeräte- und Elektroanlagenschau!

Das behauptete Interesse der Heizungsbauer an der Emissionsmessung durch die Schornsteinfeger ist eine Lüge. Das Gegenteil ist der Fall! Jedes Nachprüfen der eigenen handwerklichen Tätigkeiten durch weniger qualifizierte Handwerker, die die Schornsteinfeger nun einmal sind, ist eine Demütigung, die sich kein anderes Handwerk bieten lassen muss. Sogar beim TÜV und bei der AU wurde in den letzten Jahren größere Freizügigkeit eingeführt.

Was die Heizanlagenindustrie von den Schornsteinfegern hält, sei einem Leserbrief an die Stuttgarter Nachrichten entnommen:

"Aus Gründen unserer Geschäftsinteressen werden wir ihnen keine diesbezügliche Bescheinigung als Argumentation gegen die Schornsteinfeger zukommen lassen. Wir werden uns nicht mit dem Klüngel der Schornsteinfeger anlegen; immerhin kontrollieren die ja unsere Heizungen und könnten uns erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Regen sie sich nicht über die paar Euro auf, die sie zahlen müssen, damit fahren sie am besten".

Auch die vielbeschworene Neutralität ist durch bare Prämienzahlungen an den Schornsteinfeger, der dem Heizungsbauer einen neuen Auftrag vermittelt hat, mehrfach widerlegt worden.

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FAZ - Meisterbrief Ja oder Nein 25.4.03


 

Paul Theisen

F.A.Z.

An die Redaktion Leserbriefe

Fax -Nr. 069 7591 1743

25. April 2003

Betreff: Ihr Bericht vom 24.4.03 "Fliesenleger und Uhrmacher auch ohne Meistertitel".

Den folgenden Text bitte ich Sie als Leserbrief zu veröffentlichen.


Zu dem Artikel "Fliesenleger und Uhrmacher auch ohne Meistertitel" in der F.A.Z. vom 24.April, der die Notwendigkeit zukünftiger Meisterbriefe behandelt: Die Sicherheitsrelevanz liegt in der Eigenart eines jeden Berufes. Gewiss bergen schlecht verlegte Wandfließen kaum Gefahren, während die Zutaten zur Wurst dem Menschen gesundheitliche Schäden zufügen können. Mir will aber nicht einleuchten, dass nur eine abgelegte Meisterprüfung auf Dauer eine besondere Befähigung zur Gefahrenabwehr bieten soll. Zur Lehrlingsausbildung sollte generell nicht nur der Meistertitel Voraussetzung sein, sondern je nach der Schnelle des berufsspezifischen technischen Wandels eine vorgeschriebene regelmäßige Fortbildung. Der in jungen Jahren erworbene Meistertitel bietet allein nicht die Gewähr einer gewissenhaften lebenslangen Befähigung zur Ausbildung und verantwortungsvollen Berufsausübung.

Im freien Wettbewerb stehende Handwerksbetriebe dürfen sich nicht auf die eine Person stützen, die den Schein in der Tasche hat. Jeder Mitarbeiter hat innerhalb des Betriebes die Verantwortung für seine Arbeit zu tragen. Dem Auftraggeber gegenüber muss der Betriebsinhaber gerade stehen - mit oder ohne Meisterbrief in der Tasche. Er hat viel zu verlieren, wenn er Pfusch abliefert. Das gilt für den Bäcker gleichermaßen wie für den Uhrmacher. Es gilt ausnahmslos für alle Handwerksberufe.

Der in dem Artikel erwähnte Beruf des Schornsteinfegers nimmt eine Sonderstellung ein, auf die ich der Aktualität wegen näher eingehen möchte: Gemäß seiner Tätigkeiten dürfte sich keiner dieser Zunft Handwerker nennen. Schornsteinfegern wurden seinerzeit hoheitliche Aufgaben übertragen, die heute überwiegend unzeitgemäß sind und mittlerweile zu einem sich häufenden öffentlichen Ärgernis wurden. Die 1935 zugrundegelegte und später öfters novellierte Aufgabenzuweisung innerhalb des Staatsmonopols muss dringend durchforstet und liberalisiert werden. Dass dieses kostspielige System weltweit nirgendwo Nachahmer fand, beweist seine Schräglage. Im Saarland darf kein französischer Schornsteinfeger deutsche Schornsteine fegen. Von der Schornsteinfegerlobby hochgespielte Vorzüge des deutschen Systems dienen nur der Besitzstandswahrung und halten keiner ernsthaften Prüfung stand.

Es ist nicht einzusehen, dass heutzutage noch der häusliche Schornstein und die an ihn angeschlossene Kleinfeuerungsanlage eine Sonderstellung einnehmen muss, während die mit größerem Gefahrenpotential behaftete häusliche Stromversorgung dem Elektrohandwerk im freien Wettbewerb obliegt. Die Abgasmessung nach dem Bundesemissionsschutzgesetz erfordert keinen Monopolschutz. Beim Kfz fand man eine sinnvolle liberale Lösung, indem auch Werkstätten die ASU vornehmen dürfen.

Paul Theisen, Böblingen

 



Bedrohliche Mitbewohner im Kamin


 

Mindener Tagblatt
Redaktion Leserbriefe
mt@mt-online.de

12. April 2003

Betreffs: Bedrohliche Mitbewohner im Kamin von Ulrike Missbach

Bitte veröffentlichen Sie den beiliegenden Text als Leserbrief

Höchst interessant Ihr Bericht vom Dohlennest im Kamin. Da baut eine Dohle in einen ganzjährig benutzten Kamin mühsam ihr Nest, um eine hitzebeständige Dohlenspezies heranzuziehen. Die heißen Abgase ersetzen das Brüten. Die Jungvögel lernen mit angesengtem Federkleid senkrecht startend das Fliegen.

Jeder vernünftige Vermieter ruft bei Ausfall des Durchlauferhitzers das Fachhandwerk zu Hilfe. Denn nur dieser kann das Gerät reparieren. Wer denkt da schon an einen verstopften Kamin. Doch im Mindener Werraweg scheinen die Uhren anders zu gehen. Zum Glück war da auch noch zufällig die Presse in der Nähe. Oder geschah das etwa am 1.April?

Paul Theisen, Böblingen

 



Landesinnungsversammlung der Schornsteinfeger


 

Betreff: Ihr Bericht über die Landesinnungsversammlung der Schornsteinfeger vom 8.4.03

Bitte veröffentlichen Sie den folgenden Text als Leserbrief in der Saarbrücker Zeitung

Der Bericht über die Schornsteinfegerinnungsversammlung lässt erkennen, dass die Politik sich nicht aus der Falle der Schornsteinfegerlobby zu befreien vermag. Wer sich von einem öffentlichen Ärgernis ersten Ranges in diesem Lande nicht zu trennen vermag, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wer mit ansehen muss, dass saubere Kamine alle Jahre gekehrt werden müssen oder soeben justierte Heizungen nochmals überprüft werden müssen, zweifelt an dem gesunden Menschenverstand unserer politischen Entscheidungsträger.

Die Schornsteinfegerlobby versteht es geschickt, Menschen ohne den notwendigen Sachverstand einzuwickeln mit Angstmache durch Feuer- und Verstopfungsgefahr und immer wieder den zahlreichen CO-Toten jenseits unserer Grenze, die uns erspart blieben. Alles ist Lug und Trug zum alleinigen Zwecke der Besitzstandswahrung eines längst überholten Berufsbildes.

Von den 1,6 Milliarden Euro, die uns die 17 000 Schornsteinfeger im Jahr kosten sind 1,2 Milliarden zuviel ausgegeben für eine hochdotierte ABM. Das können wir uns nicht noch länger leisten. Niemand auf der Welt macht uns diesen Humbug nach? Kein Wunder, dass wir Deutschen EU-Schlusslicht im Wirtschaftswachstum sind.

Paul Theisen, Böblingen

 



Mit Kehrbesen, Charme und Zylinder - StZ vom 5.4.03


 

Betreff: Ihr Artikel "Mit Kehrbesen, Charme und Zylinder" von Susanne Janssen in der Ausgabe vom 5.4.03

Den folgenden Text bitte ich Sie als Leserbrief zu veröffentlichen:

Der ganzseitige Artikel von Susanne Janssen "Mit Kehrbesen, Charme und Zylinder" könnte aus den 60er Jahren sein, als die Öl- und Gasheizungen bei uns noch in den Kinderschuhen steckten. Der Artikel versucht den gewöhnlichen Tagesablauf eines Schornsteinfeger-Duos im 21. Jahrhundert zu suggerieren. Der ausgewählte Altbau in der Stuttgarter Innenstadt gehört zu den Exoten der von Schornsteinfegern heimgesuchten Häuser. Aus heute noch zugelassenen Öl- und Gasheizungen tritt warme Luft aus, kaum noch der früher zu Kaminbränden neigende Ruß. Rußende, Holz und Kohle verfeuernde, Heizungen sind nur noch eine winzige Minderheit, von den offenen Kaminen einmal abgesehen.

Den durch Presse, Hörfunk und Fernsehen zunehmend an den Pranger gestellten Schornsteinfegern ist jedes Mittel recht, sich ins rechte Licht zu rücken. Das hohe Einkommen eines Kehrbezirksinhabers auch noch herunterzuspielen ist bewusste Irreführung der Bevölkerung. Der garantierte jährliche Ertrag eines Kehrbezirks mit Meister und einem Gesellen beläuft sich derzeit in BW auf etwa 130 000 Euro, plus Gebühren für Erstzulassungen und wiederholte Messungen. Die Fixkosten sind minimal. Jeder freie Handwerker erblasste vor Neid, läse er die Steuererklärung eines Bezirksschornsteinfegermeisters mit den dort erlaubten absetzbaren hohen Geschäftskosten.

Paul Theisen, Böblingen

 



Zwiespältigkeit der Energieberatung - KRZ vom 25.3.03


 

Anmerkung: Um in den Genuss von öffentlichen Mitteln zu gelangen, muss sich der Antragsteller einem sogenannten Energie-Check unterziehen.
In einer Ausstellung in Weil der Stadt über Solaranlagen und Wärmedämmung konkurrierte ein Stand der Schornsteinfeger mit den 9 Ständen des einschlägigen Handwerks der Haustechnik. Ein großflächiges Foto des Schornsteinfegerstandes ziert den kritisierten Artikel.

Zwiespältigkeit der Energieberatung

In dem Artikel "Energietage stehen bei Häuslesbesitzern hoch im Kurs" in der KRZ vom 25. März wird mit Beratertätigkeiten recht zwiespältig umgegangen. Einerseits offeriert ein Fachbetrieb der Heizung- und Sanitärtechnik die Kompetenz seiner Ingenieure, die auch den sogenannten Energie-Check für Gebäude auszuführen in der Lage seien. Andererseits offeriert der groß abgebildete uniformierte schwarze Mann mit Zylinderhut, sein Beruf biete sich als unabhängiger Berater zum Thema Energiesparen an.

Ein Ingenieur hat ein mehrjähriges Studium hinter sich - um Schornsteinfeger zu werden genügt ein Hauptschulabschluss. Sachwissen und Erfahrung werden erst im Berufsleben erworben. Deren Tiefe hängt von den Eingangsvoraussetzungen und der alltäglichen Praxis ab. Ingenieurtätigkeiten und das alltägliche Kaminkehren samt Abgasmessen eines Bezirksschornsteinfegermeisters klaffen weit auseinander. Zur fachlichen Beratung einer sinnvollen Wärmedämmung von Gebäuden sind beachtliche theoretische Kenntnisse und Sachverstand erforderlich. Ist es auch Beratung, wenn dem Kunden zum "Energie-Check" gebührenpflichtig ein bestimmtes Fabrikat empfohlen wird?

Paul Theisen, Böblingen

(der eingesandte Text wurde ungekürzt veröffentlicht)

 



Hausbesitzer müssen allein kämpfen


 

Folgender Leserbrief erschien am 14.1.03. in den Badischen Neuesten Nachrichten ungekürzt:

Hausbesitzer müssen allein kämpfen.

Da wird woanders mit harten Bandagen um zehntel Prozente Lohnerhöhung gerungen, aber die Lobbyisten der Schornsteinfeger dagegen bekommen ihren kräftigen Schluck aus der Pulle ohne viel Aufhebens zugebilligt. Die Begründung ist hanebüchen. Der Unterschied ist der: Bei verdi zahlt der Staat die Zeche - bei den Schornsteinfegergebühren zahlt der Hausbesitzer in bar, der Mieter durch höhere Wohnebenkosten. So läuft das hierzulande.

Es gibt aber noch einen Unterschied: verdi vertritt die unersetzlichen Lehrer, Krankenschwestern und Müllwerker. Da sieht es bei den Schornsteinfegern schon trüb aus. Die liegen uns größtenteils auf der Pelle, ohne einen beachtenswerten Nutzen zu erbringen. Kehren sauberer Kamine ist so überflüssig wie ein Kropf. Die Brandgefahr ist bei den heute noch zugelassen Öl- und Gasheizkesseln gleich Null. Vögel und Wespen erkühnen sich nicht, in ganzjährig benutzte Kamine ihre Nester zu bauen, um sie zu verstopfen. Mit derartigen Feuer- und Verstopfungsgefahren ängstigen die Schornsteinfegerlobbyisten die offenbar von keiner Sachkenntnis getrübten Entscheidungsträger in den Ministerien, die sie sich gefügig machen.

Die Lüge mit den durch REFA-Zeitstudien ermittelten Arbeitwerten wird durch die Praxis tagtäglich widerlegt. In der Regel sind die Arbeitswerte mindestens doppelt so hoch wie die tatsächlich notwendigen Arbeitszeiten. Dieser dreiste Betrug brachte erst die Bürger auf die Palme. Die Nutzlosigkeit der überwiegenden Tätigkeiten der Schornsteinfeger dämmert erst allmählich in den Köpfen, seit sich die Medien der Schornsteinfegerproblematik - auch Sie lobenswerterweise - angenommen haben.

Wer sich heute ein neues Auto kauft, muss erst in drei Jahren zum TÜV. Wer sich heute einen neuen Ölheizkessel anschafft, muss erdulden, dass in drei Jahren der Schornsteinfeger schon zum vierten Mal erscheint. Die Erstzulassung ist teuer, die jährlich vorgeschriebene Emissionsmessung ist teuer und lästig obendrein. Der gesunde Menschenverstand billigt dem sehr strapazierten Auto die höhere Sorgfalt zu, nicht aber dem stationären Heizkessel. Bei den Autos jedoch verhindern die Automobilklubs ein Ausufern von dienstleistenden Vorschriften. Dagegen sind die Hausbesitzerverbände lahme Enten. Der dort kaum vertretene Eigenheimbesitzer steht für sich alleine da.

Das ist die gegenwärtige Situation in Deutschland, die kein anderes Land nachahmt. Das Kuriose an der Sache ist, dass das Schornsteinfegermonopol 1937 ins Leben gerufen wurde und danach von der großen Koalition unter Kiesinger angepasst und erweitert worden ist, was auch heute noch geschieht. Das Schornsteinfegermonopol muss ebenso verschwinden, wie das Postmonopol, dessen Überreste uns immer noch ein Dorn im Auge sind.

Paul Theisen, Böblingen

 



LB zu Artikeln in den Stuttgarter Nachrichten vom 25.1.03


 

Paul Theisen droht die Zwangskehrung, Artikel vom 24.02.2002

Nun droht nach Auskunft von H. Wiedmann die Zwangskehrung bei H. Theisen, weil das Wirtschaftsministerium das Landratsamt angewiesen hat, die Sache zügig zu bearbeiten. Nun, wer führt denn in BW das Wirtschaftsministerium? Ist es nicht H. Döring, der gleichzeitig als Ehrenschornsteinfeger fungiert?

Da wagen es Leute, gegen eine der größten Unsinnigkeiten in Deutschland aufzubegehren und das Wirtschaftministerium hat nichts besseres zu tun als die Sache schnell vom Tisch zu bekommen? Wieso fragt sich denn keiner, warum es so gekommen ist? In der Beziehung Schornsteinfegergesetz und Zwangskunde geht es anscheinend nur noch nach dem Willen einer arroganten und durch und durch verfilzten Lobby. Vernünftige Gründe zur Kehrung eines sauberen Kamins oder zur Doppelmessung einer bereits gemessenen und gewarteten modernen Öl- oder Gasheizung kann ich beim besten Willen nicht mehr erkennen.

Was mich dann auch noch sehr wütend macht, ist die Tatsache, das die Ämter sich auch noch darauf berufen, alles im Sinne der Öffentlichkeit zu machen, nicht nur in BW sondern auch hier in NRW. In meinem Namen braucht kein Kehrbesen durch den Kamin des Hauses von H. Theisen gezogen zu werden. Viel andere Bürger, also die Öffentlichkeit, ist hier sicher auch nicht anderer Meinung. Die meisten Bürger halten von diesem alten Zopf sowieso nichts mehr, da hilft auch keine fragwürdige Forsa-Umfrage. Ich glaube viel mehr es geht den Behörden und auch der Schornsteinfegerlobby viel mehr darum, die Gebühren zu kassieren und die Kritiker in die Knie zu zwingen. Sei es mit unqualifizierten Äußerungen durch so manchen BSFM oder wenn das nichts nützt eben mit Druck durch die Behörden. Wenn man sich da mal nicht vertan hat, nicht nur in Böblingen oder Werne sondern in der gesamten BRD. Die einschlägigen Gesetze und Verordnungen sprechen jedenfalls eine andere Sprache als es die Schornsteinfegerlobby und die nicht vorhandenen Fachleute der Aufsichtsämter wahrhaben wollen.

Noch ein Wort an die Behörden, für den Umweltschutz und die Sicherheit der Böblinger Bevölkerung macht ihr angedachtes Rollkomando mit Schornsteinfegeranhang rein gar nichts. Aber lächerlich machen sie sich schon jetzt.

Elmar Conin



Ich möchte diesen Leserbrief mit einem Witz beginnen. Ein Mann sitzt in einer Kneipe und prahlt damit, dass er Holzfäller in der Sahara gewesen sei. Darauf hin sein Tischnachbar: Aber in der Wüste gibt es doch keine Bäume. Ja, antwortet der Prahler, die habe ich alle gefällt. So ähnlich antworten auch die Schornsteinfeger auf die Frage, warum es weniger Kaminbrände und CO Tote gibt.

Es ist ganz einfach die zunehmende Ausstattung mit modernen Heizungsanlagen, die nicht nur keinen Russ mehr produzieren, sondern auch keine anderen schädlichen Emissionen, ich denke hier insbesondere an Gas - und inzwischen computergesteuerte Ölheizungen, die zur Reduzierung von Kaminbränden und Unfällen bei Feuerstätten beitragen. Im übrigen ist die Kotrolle des Kamins mit einem Spiegel in ein paar Sekunden sicher durchzuführen und es Bedarf schon gar keiner Kehraktion durch den Kamin.

Schornsteinfeger bezeichnen sich gerne als Handwerker, was sie schlichtweg nicht sind. Ihr einziges Handwerk besteht darin einen kugelbeschwerten Besen durch den Kamin zu ziehen. Sie sind tatsächlich frei schaffende Beamte und die Behauptung sie hätten keinen Einfluss auf die Festlegung der Gebühren ist ebenfalls nicht richtig. Über die Höhe der Gebühren (ein Handwerker erhebt keine Gebühren, er hat seinen Preis), wird mit den Schornsteinfegern und in den meisten Fällen dem Verband der Haus - und Grundbesitzer, in dem vorwiegend Mieteigentümer organisiert sind, die ihre Kosten auf die Mieter umlegen, als Alibivertreter der anderen Seite in den Wirtschaftsministerien der Länder festgesetzt. Interessenvertreter, wie die der Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol werden grundsätzlich ausgegrenzt, aus gutem Grunde.

Das Prinzip, wer wartet darf nicht kontrollieren und wer kontrolliert darf nicht warten, ist eine beliebte Floskel bei den Schornsteinfegern. Ich möchte in diesem Zusammenhang einmal darauf hinweisen, dass die AU - Messung beim Kfz. auch von Handwerkbetrieben durchgeführt wird, die gleichzeitig Fahrzeuge warten. Im übrigen hat die Liberalisierung beim TÜV, nicht zu einem, vom ehemaligen Monopolisten TÜV prognostizierten Anstieg von technisch bedingten Unfällen geführt. In einem anderen sicherheitsrelevanten Bereich, dem der Medizin, ist nach der so genannten Medizingeräteverordnung die jährliche Kontrolle aller medizinischen Geräte zwingend vorgeschrieben. Diese Kontrolle wird entweder vom Hersteller dieser Geräte selbst, oder aber von einem durch den Hersteller autorisierten Betrieb, der auch für die Wartung dieser Geräte zuständig ist, durchgeführt. Insoweit halte ich dieses Argument für ein plumpes wenig Überzeugendes. Wenn es nach diesem Argument ginge, dürfte der Schornsteinfeger auch nicht den von ihm selbst gekehrten Kamin kontrollieren.

Im Falle des Herrn Theisen, ein Mann mit ausgesprochener Zivilcourage, beruft sich Frau Laztko vom Landratsamt auf geltendes Recht. Hierzu stelle ich fest, dass sich auch im 3. Reich und in der ehemaligen DDR Staatsbeamte gerne auf geltendes Recht berufen haben und dennoch heute als Unrechtsvertreter am Pranger stehen. Es ist leicht und einfach sich auf geltendes Recht zu berufen, sich dahinter zu verstecken und den eigenen Verstand auszuschalten, sowie die eigene Feigheit zu kaschieren.

Ich leugne nicht die Notwendigkeit von Kaminkehrungen bei Ofenfeuerung mit starker Russbildung, aber dies könnte ich genau so verlässlich an meinem Kamin selbst erledigen. Auch die so genannte Gebühr von 22 Euro halte ich für unangemessen hoch. Der Hinweis, dass es in allen europäischen Ländern eine Kehrpflicht gibt, ist nur bedingt richtig. Wie sie selbst in ihren Artikeln schreiben gibt es in der EU und in einigen Ländern, sogar innerhalb Frankreich sehr unterschiedliche Regelungen. In Luxemburg wird die jährliche Messung mit der Wartung von einem Heizungsmonteur durchgeführt und der Kaminfeger ist ein freier Handwerker, ohne staatliche Privilegien. Warum dies in der BRD nicht ebenso sein kann, liegt einfach am Festhalten festgeschriebener Privilegien der Schornsteinfeger. In Frankreich gibt es die Kehrpflicht des Kamins 2 mal jährlich. Die Bescheinigung hierüber muss in einigen Departements der Gebäude - bzw. Feuerversicherung vorgelegt werden, die also hierüber schon aus Eigeninteresse wacht. Der französische Kaminfeger ist ein freier Handwerker, der seine Dienstleistung zu auf dem Markt durchsetzbaren Preisen anbietet.

Weder in Frankreich, noch in Luxemburg, wie es in anderen europäischen Ländern aussieht weiß ich nicht, ist die Zahl der Kaminbrände oder die von den Schornsteinfegern so gerne angeführten CO Toten höher als bei uns. Es ist eher der deutsche Hang zur Bürokratie und Kontrolle einerseits und die Verteidigung der nicht unerheblichen Einnahmequellen durch die Schornsteinfeger, die uns als Bürger diese Entmündigung zumutet.

Die Feststellung, dass die Schornsteinfeger jährlich mehrere hundert neu erbaute Heizungsanlagen beanstanden, müsste eigentlich die Innung der Heizungsbauer auf den Plan rufen, denn dies bedeutet doch indirekt, dass die Heizungsbauer pfuschen und ohne die Kontrolle durch den Schornsteinfeger ganz Deutschland brennen würde. Ich habe einmal versucht, vom Hersteller meiner Flüssiggasheizung, nicht vom Heizungsbauer, eine schriftliche Bestätigung darüber zu erhalten, dass meine Heizung, d.h. der Brenner und die Gasflussmenge sich nicht nur nicht verstellen können, sondern auch nicht zu regulieren sind, da der Gasdruck von einem am Gastank installierten Druckminderer fest eingestellt ist und dass bei einem Defekt dieses Druckminderer, der nur von einem Heizungsfachmann überprüft werden darf, die Heizungsanlage abschaltet.

Die telephonische Antwort war wie folgt:
"Aus Gründen unserer Geschäftsinteressen werden wir ihnen keine diesbezügliche Bescheinigung als Argumentation gegen die Schornsteinfeger zukommen lassen. Wir werden uns nicht mit dem Klüngel der Schornsteinfeger anlegen, immerhin kontrollieren die ja unsere Heizungen und könnten uns erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Regen sie sich nicht über die paar Euro auf, die sie zahlen müssen, damit fahren sie am besten".

Die Befugnisse und die Macht, die dieser Zunft von Staats wegen zugebilligt werden, verführen zum Missbrauch, was meines Erachtens auch EU-rechtlich geprüft werden sollte.

Zum Schluss möchte ich hier einen Rat, den mir ein Schornsteinfegergeselle gegeben hat, als ich die hohen Kosten beanstandete, öffentlich kundtun:
"Lassen sie doch einfach ihre Wartung ausfallen, dann haben sie die Kosten gespart, die eh nicht notwendig sind".

In einem Gerichtsurteil hat ein Richter festgestellt:
"Der Schornsteinfeger darf behaupten er habe den Kamin gekehrt auch wenn er dies nachweislich nicht getan hat und dafür Gebühren erheben."

Das erinnert mich eher an einen Richterspruch des Reichsgerichtshofs, als an einen Richterspruch aus dem Jahr 2000.

Heinz - Leo Laturell

 

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LB zu Artikeln in der Stuttgarter Zeitung vom 16.1.03 und 28.1.03


 

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LB zu Artikel in der "Neuen Westfälischen(NW)" vom 20.2.03


 

Schornsteinfegers Imagepflege durch Äthiopisches Kinderhilfswerk

"Glück abholen und für Afrika spenden" war das Motto einer Veranstaltung der Paderborner Schornsteinfeger. Sie diente der schon lange andauernden bundesweiten Imagepflege unter dem Motto:

"Schornsteinfeger mit bundesweiter Informations- und Glückskampagne vor Ort".

Die "Neue Westfälische" hat am 20.02.03 darüber berichtet.

Der folgende Leserbrief behandelt das Thema:

"Handwerk hat goldenen Boden", lautet das Sprichwort. Doch der goldene Boden kommt nicht von alleine. Ohne gute Arbeit oder gefragte Ware ist nichts zu holen - außer bei den Schornsteinfegern! Da werben nun in Paderborn und anderswo schwarz Uniformierte für ein berufliches Auslaufmodell und bedienen sich dabei sogar der hungernden äthiopischen Kinder. Kein anderes Handwerk hat es nötig, derartige Auftritte zu inszenieren, um sein miserables Image aufzubessern.

Die Glücksbringer Schornsteinfeger wecken Nostalgie und Aberglauben, und jetzt auch noch Hilfsbereitschaft für die Ärmsten der Armen, um die Herzen zu erweichen. Dieser Beruf überlebte, obwohl es kaum noch rußende Feuerungen gibt? Den Gaslaternenanzünder gibt es längst nicht mehr, auch nicht den Heizer auf der Elektrolok. Die Schornsteinfeger besitzen eine schlagkräftige Lobby. Kein Jahreswechsel ohne Schornsteinfegers Auftritte im Blitzlichtgewitter bei unseren Staatsmännern, die sie sich seit jeher warm halten. Gesetze und Verordnungen fielen immer zugunsten der Schornsteinfeger als vermeintliche Garanten für Sicherheit, Energieeinsparung und saubere Umwelt aus.

Die groß aufgemachte positive Darstellung der Schornsteinfeger vermittelt das Bild einer heilen Welt und zufriedener Zwangskunden. Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus! Diejenigen werden immer weniger, die noch ihren sauberen Kamin kehren lassen wollen, oder eine wiederholte Emissionsmessung akzeptieren. Die Kohlenmonoxid-Lüge ist längstens widerlegt. Wer sieht ein, dass die Emissionsmessung bei der Heizung öfters sein muss als die ASU beim Auto? Als Staatsmonopolisten dürfen die Schornsteinfeger sogar den Artikel 13 des Grundgesetzes aushebeln, nämlich die Unverletzlichkeit der Wohnung. Das zumeist für nichts und wieder nichts! Es ist kein Gerücht, dass die Politik endlich Einsicht in die Täuschungsmanöver der Schornsteinfeger erkennen lässt.

Paul Theisen, Böblingen

 

LB zu Artikel in der "Neuen Westfälischen(NW)"



Für Sicherheit und den Schutz der Umwelt?


 

"Je mehr Gesetze,
umso mehr Diebe und Räuber"

Laotse

Anmerkungen zu dem Leserbrief

Wie mir der Autor berichtete, fand sein Leserbrief ein großes Echo.

"Ich habe heute meinen Morgenkaffee kalt trinken müssen, soviel Anrufe habe ich bekommen, die mir alle zu 100 % zustimmten. Das Thema Kaminkehrer wird offensichtlich virulent in der Bevölkerung diskutiert.

Viele fragten mich nach der Anschrift des für den Wettbewerb in der EU zuständigen Kommissars Mario Monti."

Seine Anschrift lautet:

Büro des Kommissars für Wettbewerb in der Europäischen Union,
zu Händen Herrn Mario Monti, Rue Joseph II, Bruxelles/Belgien

Wer Hilfestellung benötigt, möge sich an mich wenden.
(theisenbb@freenet.de)

 


Der provozierende Zeitungsartikel

Landesverband der Schornsteinfeger feiert in Pforzheim sein 50-jähriges Bestehen

Von unserem Mitarbeiter Norbert Kollros

PFORZHEIM. Baden-Württembergs Schornsteinfeger treten in diesen Tagen in Pforzheim ans Licht der Öffentlichkeit: Am Ort der Gründung ihres Landesverbands vor exakt 50 Jahren findet bis Donnerstag nicht nur der Verbandstag der "schwarzen Zunft" statt, die "schwarzen Männer" werden auch feiern - eben das 50-jährige Bestehen ihres Landesinnungsverbands.

"Das Land wurde im April 1952 gebildet und wir konstituierten uns gerade mal ein halbes Jahr später. Wir sind damit eine der ältesten Innungen dieses Landes", so Landesinnungsmeister Hans-Ulrich Gula gestern in einem Vorgespräch mit Journalisten zu den bevorstehenden Veranstaltungen im CongressCentrum Pforzheim.

Demnach findet am heutigen Dienstag eine interne Landesdelegiertenkonferenz statt, morgen schließt sich eine Tagung mit Fachvorträgen rund ums Thema Heizen und Umwelt an, und am Donnerstag ist die eigentliche Jubiläumsveranstaltung des Landesverbands, bei der als Festredner der baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring zu den erwarteten rund 450 Gästen sprechen wird.

Keine Monopolstellung

Das Gespräch mit den Medien gestern nutzten Gula und seine Vorstandskollegen Peter Fellmeth und Hans-Peter Kächele zur Darstellung der Leistungen ihrer Branche für die Sicherheit der Bevölkerung und zum Schutz der Umwelt, also mit der Überwachung von Feuerungsanlagen sowie neuerdings der Energieberatung. Gula widersprach dabei einer landläufigen Meinung vom Monopol der Schornsteinfeger. Nach seiner Darstellung erfülle seine Branche hoheitliche Aufgaben im Auftrag des Staats, nach seiner Interpretation eine Form von Privatisierung, wie sie heute für viele Bereiche gefordert werde.

Wie Gula berichtete, würden seine Berufskollegen bei den regelmäßigen Kontrollen und Messungen immer wieder eine große Zahl von Missständen bei den Feuerungsanlagen feststellen, die Beanstandungsquote bezifferte er auf rund zwei Prozent. Eine Hochrechnung habe ergeben, dass durch die Senkung der Abgasverluste und der damit verbundenen Erhöhung des Wirkungsgrads der Feuerungsanlage auf der Basis von 2001 erfolgten Messungen im Land rund 27 Millionen Liter Heizöl und acht Millionen Kubikmeter Gas eingespart hätten werden können. Gleichzeitig sei damit die Umwelt von zigtausenden Tonnen Schadstoffen entlastet worden.

Aber auch durch Wärmedämmung und andere vergleichbare Verbesserungen am Haus könne der Energieeinsatz verringert werden. Gula nannte ein Einsparpotential von rund 30 bis 40 Prozent. Wie er sagte, seien viele seiner Kollegen nach entsprechender Weiterbildung in der Lage, den vom Umweltministerium initiierten Energie-Spar-Check neutral durchzuführen.

Dabei erhalte der Hauseigentümer für eine Pauschale von 75 Euro eine Bewertung seiner Immobilie und Vorschläge, wie er sinnvoll und effektiv seinen Energieverbrauch reduzieren könne. Dies sei auch ein Stück Wertschöpfung für den Staat, verdeutlichte Gula. Knapp 500 Hausbesitzer hätten vergangenes Jahr diesbezüglich Verbesserungen mit einem Investitionsvolumen von rund 9,3 Millionen Euro veranlasst, was dem Staat ein Mehrwertsteueraufkommen von 1,5 Millionen Euro beschert habe. Demgegenüber stünden nur 67 000 Euro Aufwand durch Fördermittel seitens des Landes.

Landesweit rund 1850 Mitarbeiter

Nach Darstellung des Verbands gibt es im Land exakt 932 Betriebe analog der Zahl der behördlich fixierten Kehrbezirke. In diesen Betrieben sind rund 1850 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 160 Auszubildende. Wobei die einstige Männerdomäne langsam aufgeweicht werde, es gebe landesweit bereits 30 Meisterinnen und aktuell 25 weibliche Auszubildende.

Der Umsatz der Branche wird landesweit auf 116 Millionen Euro taxiert, was einem Durchschnittswert pro Kehrbezirk von 125 000 Euro entspricht. Dieser Umsatz wird heute zu 60 Prozent durch Kehr- und zu 40 Prozent durch Prüfungsarbeiten erreicht.

Der beachtenswerte Leserbrief

Kehrbezirk als Lizenz zum Gelddrucken?

Zum MT-Bericht "Für Sicherheit und den Schutz der Umwelt" vom 22. Oktober:

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Eloquenz und mitunter brillanten Rhetorik die obersten Lobbyisten des Schornsteinfegerhandwerkes zugange sind, wenn es um das so genannte Schornsteinfeger-Monopol geht, das den Herren der schwarzen Zunft ein gutes Einkommen auf Kosten ihrer Zwangsklientel sichert.

Es ist geradezu anmaßend und schlicht falsch, wenn der Landesvorsitzende der Schornsteinfeger-Innung, Hans-Ulrich Gula, das Monopol der Schornsteinfeger in Zweifel zieht. Als oberster Lobbyist seiner Zunft mit besten Beziehungen zum Landeswirtschafts- und -umweltministerium müsste ihm ein Gesetz aus dem Jahre 1935 bekannt sein, das vom damaligen Reichstag zu Großdeutschlands Zeiten verabschiedet wurde und den Kaminkehrern das so genannte Kehrmonopol bescherte.

Dieses Gesetz, von demokratisch legitimierten Regierungen mehrfach novelliert, schreibt nämlich das Kehrmonopol zwingend vor. Es ist richtig, dass Kaminkehrer von Bund und Ländern mit öffentlichen Aufgaben "beliehen" werden. Herr Gula verschweigt jedoch geflissentlich, dass die Schornsteinfeger damit einen beamtenähnlichen Status erlangen, der dem "Bezirksschomsteinfegermeister" erlaubt, seine Zwangsklientel fast nach Belieben abzuschöpfen und zu schikanieren. Darüber kann ich einen ganzen Roman schreiben!

Hinzu kommt noch, dass die Kaminkehrer seit der Einführung der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung in den 70er Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts auch noch mit der "Messung" von Kleinfeuerstätten, wie die Öfen in Wohnungen im Amtsdeutsch heißen, betraut wurden. Offensichtlich wussten die zuständigen Ministerialbeamten nicht, was sie der Bevölkerung antaten, als sie die Messung der Haushaltsöfen den Kaminkehrern übertrugen. Messkompetenz war damals und ist nach meinen leidvollen Erfahrungen auch heute noch nicht vorhanden.

Es wäre viel sinnvoller gewesen, die Immissionsschutzmessungen dem Sanitär- und Heizungsbauerhandwerk zu übertragen, wo erstens die fachliche Kompetenz zur Messung von Heizungsanlagen zuhause ist, zweitens auch sofort fachmännischer Rat eingeholt werden kann.

Da in den 70er Jahren immer mehr Gasheizungen in den Häusern installiert wurden und Gas fast rückstandsfrei verbrennt, wurde die schwarze Zunft notleidend. Also hat man den Kaminkehrern ein zweites Standbein mit den Immissionsschutzmessungen verschafft. So war beiden Seiten, nämlich den Kaminkehrern und dem Bund und den Ländern gedient. Die Rechnung durften - wieder einmal - die Hausbesitzer und Mieter zahlen.

Der "Bezirkskaminfegermeister" bekommt, in der Regel vom Regierungspräsidium, einen "Kehrbezirk" zugeteilt, für den er alleine verantwortlich zeichnet. Er hat dort das Monopol, kein anderer Kollege darf in diesem Bezirk tätig werden. Die Preise für seine "Leistungen" werden jährlich vom Landeswirtschaftsministerium festgesetzt, wobei drastische Aufschläge keine Seltenheit sind. Das Monopol geht soweit, dass eine vom Heizungsbauerfachbetrieb eingemessene Heizungsanlage vom zuständigen Kaminkehrer nochmals "gemessen" und der Eigentümer dafür selbstredend zur Kasse gebeten wird. Der Kehrbezirk als Lizenz zum Gelddrucken?

Es stellt sich nun die Frage, warum die Kaminkehrer ein Monopol haben müssen, um ihre Aufgaben zu erledigen. Die Statistiken weisen in anderen Ländern ohne Kehrmonopol auch keine häufigeren Brände oder Erstickungstote auf, als im überregulierten Deutschland.

Bleibt noch anzumerken, dass es allen Hausbesitzern und Mietern frei steht, sich über das Kehrmonopol bei dem für Wettbewerbsfragen zuständigen EU-Kommissar Mario Monti zu beschweren.

Jürgen Franz



Leserbrief an "Sonntag aktuell" 6/2002


 

"Der Edle hat Angst um andere,
der Gemeine um sich selber"

Paul Ernst

An Sonntag aktuell

Sonntag, 2. Juni 2002

Zu "Eine Gesellschaft lebt in den Tag hinein"
Kolumne von Meinhard Miegel am 2.6.2002

Prof. Miegel trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er mangelndes Reproduktionsvermögen und Bequemlichkeit unserer Gesellschaft anprangert. Dass er aber mangelnde Solidarität und Ellbogengesellschaft ausschließlich dem Bürger anlastet, widerspricht den Tatsachen.

Würde unser Staat in zahlreichen Lebenslagen nicht mit schlechtem Beispiel vorangehen, so wäre es mit der Solidarität seiner Bürger besser bestellt! Üppige Selbstbedienungsmentalität unserer Politiker und zahlreiche weltfremde Verordnungen sind ein fruchtbarer Nährboden für die von Miegel verurteilten Mängel.

Ich möchte dies an einem einzigen Beispiel demonstrieren:

Wir Deutschen müssen ertragen, dass jeder Kamin, ob sauber oder nicht, mindestens einmal im Jahr vom staatlich bestallten Schornsteinfeger zu kehren ist. Wer sich ein neues Auto kauft, muss frühestens in drei Jahren zum TÜV. Wer sich aber eine neue Öl- oder Gasheizanlage anschafft, muss dulden, dass sein Schornsteinfeger nach drei Jahren schon zum vierten Mal die neue Anlage "bearbeitet".

Was wird mehr strapaziert - Auto oder Heizanlage?
Der ADAC ließe sich derartiges nicht bieten!

Jenseits der Grenze schüttelt man den Kopf über das deutsche "Schornsteinfeger-Syndrom". Der deutsche Staatsbürger hat längst resigniert und verweigert die beklagte Solidarität.

 



Leserbrief an die "Wirtschaftswoche" 4/2002


 

"Selbst wer am Wasser lebt, verschwende nicht das Wasser"

Chinesisches Sprichwort

An die Redaktion "Wirtschaftswoche"

Dienstag, 16. April 2002

Betreffs: "Wir lassen nicht locker" in Heft 16, Seite 28

Der Bundesrechnungshof sollte sich einmal umsehen, was tagtäglich an den deutschen Haustüren auf Veranlassung des Staates abkassiert wird. Unsere deutschen Schornsteinfeger kosten uns im Jahr etwa 1,5 Mrd. €. Gegenleistung ist überwiegend Kehren sauberer Kamine und nochmaliges Messen der bereits gemessenen Abgase. Das vermag ein Staatsmonopol, dessen Grundlage im 3.Reich gelegt worden ist. Gesamtverschwendung über 1 Mrd. € jedes Jahr - keine Peanuts mehr. Das ist mit ein Standortproblem!

Paul Theisen, Böblingen

P.S. Lesen Sie nach in www.schofeg.de.

 



Leserbrief an die Stgt. Nachrichten 2001


Diesem Brief war ein Interview mit einem Lobbyisten der Schornsteinfeger vorausgegangen

 

"Die hinterhältigste Lüge ist die Auslassung"

Simone de Beauvoir

Eine Meisterleistung an bewusster Irreführung

Der Artikel "Kritik am Monopol der Kaminfeger" trifft leider nur die Spitze des Eisberges und ist zudem irreführend. Wird das Thema Schornsteinfeger in den Medien behandelt, so ist offenbar ein gerüttelt Maß an unterwerfender Ehrfurcht vor den schwarzgewandeten "Glücksbringern" mit im Spiel. Die in dem Artikel wiedergegebenen Antworten des befragten Schornsteinfegerobermeisters Gula sind eine hervorragende Meisterleistung an bewusster Irreführung der Öffentlichkeit!

Wer den Jahresumsatz eines Zweimannbetriebes von 240 000 DM so herunterspielt, wie Herr Gula es tut, handelt unredlich. Tatsache ist, dass die Fixkosten bei den Schornsteinfegern äußerst gering sind: kein Materialverbrauch; gearbeitet wird außer Haus; die Arbeitsgeräte passen in den Kofferraum eines PKW. Somit resultiert der Jahresumsatz eines Kehrbezirks fast nur aus Arbeitsentgelten. Tatsache ist auch, dass die ausgeführten Tätigkeiten in der Zeitvorgabe zu hoch veranschlagt sind. Dies ist auch die Ursache ständiger Klagen über die überhöhten Stundensätze der Schornsteinfeger.

Ein im gnadenlosen Wettbewerb tätiger Zweimann-Handwerksbetrieb wird kaum eine knappe Viertelmillion durch Handarbeit im Jahr erwirtschaften. Der Schornsteinfeger kann nur kehren und messen. Dagegen werden vom landläufigen Handwerker gestalterische und werteschaffende Fähigkeiten vorausgesetzt. Zudem ist sein Arbeitstag länger als der eines Schornsteinfegers.

Wie kam es zu einem derart Ärgernis erregenden Missstand? Als die Holz- und Kohleöfen allmählich durch Öl- und Gaskessel ersetzt wurden, verminderte sich auch der zu Kaminbränden neigende fette Ruß. Gas verursacht keinen Ruß, Öl verbrennt heute auch nahezu rußfrei. Bei den Heizkesseln schlägt ohnehin keine brandauslösende Flamme in den Kamin. Somit hätten die einst zur Brandverhütung auf den Plan gerufenen Schornsteinfeger allmählich wieder gehen müssen. Seit der elektrische Strom für Licht und Antriebe sorgt, gibt es auch keine Gaslaternenanzünder und Lokomotivheizer mehr. Nur noch wenige Schornsteinfeger wären heute notwendig gewesen, um in mehrjährigem Zyklus die körnigen Verbrennungsrückstände aus den Kaminen zu kratzen.

Doch statt weniger sind es immer mehr Schornsteinfeger geworden. Man übertrug ihnen zunächst das ihnen wesensfremde Abgasmessen. Sodann erfand man noch eine bis dahin unbekannte Feuerstättenschau und schließlich gelangten auch noch die Abgasrohre in die Obhut der Schornsteinfeger. Gab es 1984 in Baden/Württemberg bereits 623 Kehrbezirke, so sind es 1991 schon 891 gewesen, mit weiterhin steigender Tendenz auf maximal 944. Die in dem Artikel erwähnte Reform verringerte deren Zahl nur um etwa 1%.

Wäre Herr Gula nach der Steigerungsrate der Minutenkosten im Jahre 2000 befragt worden, so hätte er wahrheitsgemäß 39% bekennen müssen. Er nannte aber nur die 2,6% Steigerungsrate vom Jahr darauf, ohne weiter hinterfragt zu werden. In der Tat erbrachte die Reform im Jahre 2000 eine Steigerung der Minutenkosten von 1,25 DM auf 1,74 DM, die Herr Gula geschickt verschwieg. Die Reform schuf auch eine bislang im Arbeitslohn enthaltene zusätzliche Wegepauschale von 10,30 DM. Ich musste nach der Reform bei gleicher Tätigkeit des Schornsteinfegers 15% mehr bezahlen, andere vermutlich etwas weniger. Trotz einer knappen Halbierung der Wegezeiten entlastete die Reform die Betroffenen im Schnitt um lediglich die genannten 1%.

Wie gelangten die Schornsteinfeger zu ihren jetzigen Privilegien? Ein weithin verbreiteter Aberglaube gewährt den Schornsteinfegern einen Schonraum an Nachsicht. Als sich beachtet fühlende "Glücksbringer" versuchen sie, mit ihrem Logo "Zum Glück gibt's den Schornsteinfeger" sich ins rechte Licht zu rücken. Da es heute nur noch wenig zu kehren gibt, drohen sie mit der Angstkeule und stellen den Kamin als ein Topgefahrenpotential dar. Dafür müssen Spinngewebe, Vogelnester, tote Vögel, Zollstöcke und wer weiß was nicht alles herhalten. Ein jeder dieser Gegenstände kann den Kamin verstopfen und den Abzug des hochgiftigen Kohlenmonoxyds verhindern. Also muss der deutsche Kamin Jahr für Jahr dringend gekehrt werden. Erhebungen über die Zahl an verstopften Kaminen liegen erstaunlicherweise nicht vor. Wohl wird im Internet eine Statistik veröffentlicht, die den Erfolg des jährlichen Kehrens suggeriert. Demnach sterben in Deutschland pro Jahr nur 10 Menschen an Kohlenmonoxydvergiftung, dagegen in Belgien derer 200-300. Setzt man diese Zahlen in Relation zur Bevölkerungszahl, so sterben in Belgien 160-240 mal mehr Menschen an Kohlenmonoxydvergiftung wie in der Bundesrepublik. Das verdanken wir mithin dem glückbringenden deutschen Schornsteinfeger!

Noch erfolgreicher ist der unbändige Drang der Schornsteinfeger, sich ins rechte Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Bei unzähligen Gelegenheiten erscheinen sie auf der Bildfläche. Welches Handwerk macht ihnen das schon nach. Es ist kaum vorstellbar, dass unser Ministerpräsident zu Neujahr ein paar gestandene Schornsteinfeger zu sich bestellt, um sich eine schwarze Puppe im Blitzlicht der Kameras überreichen zu lassen.

Die Öffentlichkeitsarbeit lässt man sich natürlich was kosten. Jährlich zahlen die Schornsteinfeger Baden-Württembergs knapp 3 Mill. DM an ihre Innung. Während üblicherweise Handwerksmeister ehrenamtlich in den Innungen tätig sind, sind bei den Schornsteinfegern 7 Meister von der Arbeit freigestellt. Dass diese nicht Däumchen drehen, liegt auf der Hand! Jedenfalls halten Beamte des Wirtschaftsministeriums und der Landratsämter den Schornsteinfegern auf Biegen oder Brechen die Stange.

Vor kurzem beauftragte - aufgrund des Unmuts in der Bevölkerung - der "Zentralverband des deutschen Schornsteinfegerhandwerks" das Forsa-Institut mit der Durchführung einer "Kundenzufriedenheitsanalyse". Diese fiel erwartungsgemäß zugunsten der Schornsteinfeger aus. Auch deren Ergebnisse stehen im Internet unter der Obhut der Schornsteinfeger. Kein Handwerk ist im Medium Internet personenbezogen so stark vertreten wie unsere 20 000 Schornsteinfeger mit ihren 2,5 Mrd. DM Jahresumsatz.

Paul Theisen, Böblingen

 



Leserbrief an die FAZ 1998


 

"Durch die Lüge wird der Mensch
nie auf die Dauer etwas Gutes bewirken"

Caspar David Friedrich

4/1998

Exzesse im Namen der Umwelt

... zwei weitere Facetten eingefahrener, heute aber übertriebener Umweltmaßnahmen: Das jährliche Kehren des Kamins und die jährliche Rauchgasmessung:

Jeder Schornsteinfeger weiß, daß es im Kamin kaum noch etwas zu kehren gibt. Was an fast rußfreien Rückständen bis zum Kamin gelangt, liegt größtenteils schon vor dem Kehren auf der Kaminsohle. Ein zehnjähriger Kehrzyklus ergäbe in meinem Kamin nicht einmal 1 Kilogramm an Kehrgut. Vor 300 Jahren wurde das Kaminkehren eingeführt, um vom fettigen klebrigen Ruß hervorgerufene Kaminbrände zu verhindern.

Die Mehrzahl der Kraftfahrzeuge bläst im Jahresdurchschnitt mehr Abgase durch den Auspuff, als ein moderner Heizkessel in einem der heutigen Wärmeschutzverordnung genügenden Einfamilienhaus zu erzeugen vermag. Die krassen unterschiedlichen Betriebsbedingungen rechtfertigten beim Heizkessel einen wesentlich selteneren Kontrollzyklus als beim Auto. Die Schornsteinfeger wissen zu gut, wie selten eine Anlage von den Höchstwerten abweicht und deshalb zu beanstanden ist.

Im keynesschen Sinne sind die geschilderten Mißstände zu begrüßen. Sie entlarven aber die Inkompetenz der Gesetzgeber und geben sie der Lächerlichkeit preis. Außerdem verdrießen sie die Geschädigten. Die Nutznießer der überflüssigen Tätigkeiten verteidigen die ihnen als fette Pfründe gewährten Bastionen mit Zähnen und Klauen. Ein im globalen Wettbewerb stehender Industriestaat darf sich den beschriebenen Unfug nicht länger leisten. Umweltschutz ist notwendig - wird er aber bis zum Exzeß getrieben, ist er in vielerlei Hinsicht gar schädlich!

Paul Theisen, Böblingen

 



Leserbrief an die KRZ Böblingen 1998


 

10/1998

Nur Verschwendung von Steuergeldern?

... Neben den Steuergesetzen gibt es aber noch andere, die den Bürger ungebührlich sofort zur Kasse bitten. Es sind dies diverse Verordnungen staatlicher Dienstleistungen. Eine davon ist das Schornsteinfegerwesen. Dieses schreibt Arbeiten vor, die in ihrer Häufigkeit überflüssig sind: Völlig überflüssig ist das alljährliche Kehren des Kamins samt Kontrolle oder gar Kehren des Rauchrohres. Oberflüssig ist auch die alljährliche Emissionsschutzmessung.

Kamin und Rauchrohr sind - den natürlichen Auftrieb nutzende - überdimensionierte Abgasleitungen. Kehrte man den Kamin nur alle 10 Jahre, so änderte sich nichts! Die nahezu rußfreien schwebenden festen Partikel in den Abgasen fallen ohnehin größtenteils von selber auf die Kaminsohle herab, wie sich jeder vor dem Kaminkehren überzeugen kann. Die Querschnittsverengung des Kamins durch die sich ablagernden, noch verbleibenden Reste ist unwesentlich. Der Beruf des Schornsteinfegers ursprünglichen Zweckes - vor 300 Jahren wegen der häufigen Kaminbrände ins Leben, gerufen - hat somit im großen und ganzen seine Schuldigkeit getan. Bei den heute üblichen Öl- und Gasheizungen schlägt keine, Flamme mehr in den Kamin, die zu Bränden führen könnte. Die Schornsteinfeger verteidigen die Notwendigkeit ihres jährlichen Kehrens mit angsterregenden Szenarien wie Verstopfen des Kamins durch Vogelnester und Spinnengewebe.

Da den Schornsteinfegern in den 70er Jahren die Arbeit auszugehen drohte, betraute man sie zusätzlich mit der Kontrolle der Abgase von Heizkesseln. Dieses Geschäft betreiben sie nun mit Fleiß - Jahr für Jahr. Sie kontrollieren sogar dann, wenn der Heizungsbauer den Brenner zuvor justiert hat. Den Autowerkstätten wird die optimale Einstellung des Motors geglaubt - aber nicht den Heizungsbauern die des Brenners? Warum nicht? Ich erinnere an Artikel 3 des Grundgesetzes.

Die weit übertriebene Sorgfalt in Sachen Heizkessel würde, übertragen auf unsere Autos, einen vierteljährlichen Abgastest beim TÜV erfordern. Die Bundesrepublik ist in etwa 8000 Kehrbezirke eingeteilt, deren jeder von einem Bezirksschornsteinfegermeister betreut wird, unterstützt von einem Gehilfen. Der Kehrbezirk garantiert ein Jahreseinkommen von zur Zeit etwa einer Viertelmillion Mark. Kein Wunder, daß die tariflich bezahlten Gehilfen nach Ablegung einer Meisterprüfung und mindestens 10 Jahren Tätigkeit, versessen nach einem Kehrbezirk sind. Die Schornsteinfeger haben als beliehene Unternehmer einen Quasibeamtenstatus: unkündbar, mit Rückendeckung durch die vorgesetzte Behörde; vor allem sind sie ohne Konkurrenz. In Baden-Württemberg erhöhte sich sogar die Zahl der Kehrbezirke seit 1985 um 43 Prozent auf 891. Insgesamt kassieren die Schornsteinfeger in der Bundesrepublik etwa 2 Milliarden Mark jährlich. Das ist die Hälfte der Kosten des dualen Systems. Es entspricht auch in etwa den Kosten für die zukunftsorientierte Max-Planck-Gesellschaft mit ihren kapitalintensiven 78 Forschungsstätten, bei nahezu gleicher Personalstärke. Dort aber bangen hochmotivierte Wissenschaftler ständig um ihren Job.

Von den Schornsteinfegergebühren sind wir alle betroffen - indirekt auch die Mieter. Ich bin der Meinung, daß die hohen Kosten für das Schornsteinfegerwesen um 90 Prozent reduziert werden können, ohne daß Sicherheit und Umwelt Schaden litten. Das erfordert jedoch ein Zurückstutzen sowohl der überflüssigen Arbeiten als auch der jetzt überhöhten Gebühren. Lohnt sich das? Auch Kleinvieh macht Mist!

Paul Theisen, Böblingen

 



Leserbrief von Jürgen Franz an die Stuttgarter Nachrichten 2001


Diesem Brief war ein Interview mit einem Lobbyisten der Schornsteinfeger vorausgegangen

 

Kaminfegen: Unsinnig und teuer

Zum Artikel "Kritik am Monopol der Kaminfeger" vom 2. Juni: Ulrich Pfeffers Kritik am Gebiets- und Kehrmonopol der Schornsteinfeger ist berechtigt. Diese in höchstem Maße unsinnige Regelung gibt es ansonsten nur noch in abgeschwächter Form in Österreich und in den östlichen Departements Frankreichs.

In allen anderen Ländern der EU sind Kaminkehrer freie Unternehmer wie bei uns Bäcker, Maler oder Flaschner. Sie werden von ihrer Klientel angefordert, wenn diese eine Kaminreinigung für notwendig erachtet. Die Preise für ihre Dienstleistungen richten sich nach der Markt- und Konkurrenzsituation. Von staatlicher Regulierung der Gebühren keine Rede, und vergleichsweise preiswert sind auch deren Leistungen.

Jedem betriebswirtschaftlich Vorgebildeten sträuben sich die Haare, wenn er sieht, dass er "seinem" Kaminkehrer das tägliche Bad(!), seine Berufskleidung, sein Büro(!) und andere Kostenfaktoren, die jeder andere Handwerker über seinen Stundensatz finanzieren muss, bezahlen darf.

Was nun die von den Kaminkehrern für so wichtig erachteten "Messungen" angeht: Sie werden mit weitgehend automatisierten "Messgeräten" durchgeführt. Der Kamin kehrer muss nur die richtige Taste drücken. Dass dies nicht immer der Fall ist, weiß ich aus leidvoller Erfahrung. Für eine Nachfolgemessung darf der "Zwangsklient" noch einmal "Gebühren" entrichten.

Herrn Pfeffers Wunsch nach Hilfe aus Brüssel muss ich enttäuschen: Eine Intervention lehnte der für Wettbewerb damals zuständige Kommissar Van Miert, den ich auf das unsinnige Monopol der Kaminkehrer aufmerksam machte, strikt ab. Begründung: Die EU-Kommission fühlt sich nicht zuständig, da es sich um Bundes- und Landesrecht handelt und außerdem ein spezifisch deutsches Problem ist.
Quintessenz: Die Bundesbürger müssen sich weiter von "ihren" Kaminkehrern abschöpfen lassen.

Jürgen Franz, Mühlacker

 



FAZ:'Schornsteinfeger als Energieberater'


 

Dieser Brief an die Redaktion der FAZ ist die Reaktion auf einen ===> FAZ-Artikel vom 19.06.2001

Als ich Ihren Artikel gelesen hatte, fragte ich mich, ist es eine Zeitungsente oder ist es ein Aprilscherz. Schornsteinfeger können den Kamin kehren und ihr eingeübtes Messverfahren tätigen. Gute Leute werden für andere Dinge als die genannten bezahlt. Allein in BW sind 7 Schornsteinfegermeister für Aufgaben tätig, die ich public relation nennen möchte, andere sagen Propaganda. Darauf sind Sie mit Ihrem Artikel hereingefallen. Es gibt in der BRD keinen anderen Beruf, der mit so geringer Besetzung (17 000) soviel von sich reden macht und gemäß seiner geringen beruflichen Anforderung uns so teuer zu stehen kommt, nämlich mehr als 2,5 Mrd. DM/Jahr.

Nun sollen Schornsteinfeger beraten. Wärmedämmung ist eine schwierige Materie, bei der vieles falsch gemacht wird. Ohne theoretisches Wissen und große Erfahrung kann man den zu Beratenden ganz schön aufs Kreuz legen. Ich kann mir schwer vorstellen, dass ein Architekt oder Bauingenieur die Beratung eines Schornsteinfegers je ernst genommen hat.

Sollten willfährige Beamte und Politiker der Schornsteinfegerberatung gesetzliche Unterstützung liefern, hätte man den Bock zum Gärtner gemacht. Ich wundere mich, mit welch genauen Zahlen die Leute um sich werfen. Wo nehmen sie die nur her? Einer Homepage der Schornsteinfeger entnahm ich, in der BRD würden pro Jahr 10 Personen an CO-Vergiftung sterben, in dem kleinen Belgien dagegen einige hundert. Also lebt man dank der Schornsteinfeger bei uns sicherer als in Belgien und anderswo. Das setzt sich in den Köpfen fest und man lässt die Schornsteinfeger gewähren.

Ich möchte Sie dringend bitten, von den Schornsteinfegern nur von neutraler Seite geprüfte Daten zu veröffentlichen.

Mit freundlichem Gruß

Paul Theisen

 



FAZ-Artikel vom 19.06.2001


 

Die Schornsteinfeger wollen sich als Energieberater etablieren
(Frankfurter Allgemeine Zeitung 19.6.2001)

Die Schornsteinfeger wollen künftig in ganz Deutschland Energieberatungen anbieten. Diese sollten nach einer einheitlichen Regelung teilweise oder vollständig über eine Umlage oder aus Steuermitteln finanziert werden. Dies hat der Bundesinnungsmeister Eugen Steichele auf dem Bundesverbandstag der 8100 deutschen Schornsteinfegermeister in Kassel gefordert.

Die Schornsteinfeger sähen sich als ideale, produktunabhängige Berater. Sie verwiesen auf positive Erfahrungen mit einer entsprechenden Regelung in Hessen. Dort beraten die Schornsteinfeger die Hausbesitzer schon seit 1989. Die Kosten der ersten "Initialberatung" beispielsweise für eine Modernisierung der Heizung, eine Fenstersanierung oder den Einbau von Dämmstoffen belaufen sich auf etwa 150 DM je Einfamilienhaus. In Hessen werden sie über eine Umlage von 1,50 DM finanziert, die mit den Kehrgebühren erhoben wird.

Der Verband verweist auf eine Analyse von 100 000 Beratungen in Hessen, wonach l DM Beratungsgebühr Investitionen von 17 DM ausgelöst habe. Die Initialberatung soll den Anstoß geben im Einzelfall 40 bis 70 Prozent der Heizenergie zu sparen. Der Verband meint, nach den Erfahrungen in Hessen könne der Energieverbrauch in ganz Deutschland um 3,34 Mrd. Kilowattstunden im Jahr verringert werden, wenn die Initialberatung überall angeboten werde. Dies entspreche dem Verbrauch von 170 000 Einfamilienhäusern. Zudem könne der Kohlendioxydausstoß um mindestens 800 000 Tonnen im Jahr sinken.

Schon die Kontrollen der Heizungen durch die Schornsteinfeger nach der Kleinfeuerungsanlagenverordnung führten zur Einsparung von 115 Mill. Liter Heizöl und 60 Mill. Kubikmeter Erdgas im Jahr. Damit ließen sich 86 000 Einfamilienhäuser beheizen. Zudem sorgten die Schornsteinfeger für Sicherheit. In Luxemburg mit nur 400 000 Einwohnern sterben nach Verbandsangaben im Jahr drei bis fünf Menschen an einer Kohlenmonoxyd-Vergiftung, weil die Abgasanlage ihrer Heizung nicht wie in Deutschland regelmäßig kontrolliert und anschließend repariert wird.


Der folgende Text wirbt an anderer Stelle für den genannten Zweck:

Anstoss- Energieberatung durch Ihren Schornsteinfeger

Ergebnis einer Pilotstudie:
Durchschnittliche Reduzierung je Gebäude:

3,5 Tonnen CO2 jährlich
(entspricht dem Gewicht von 2 Autos)
1150 l Heizöl / m3 Erdgas jährlich
(Ersparnis von über 1000,- DM)

 



Leserbrief von Helmut Ostberg an den Spiegel


Dieser Brief bezieht sich auf eine Meldung im Spiegel

 

Helmut Ostberg * Freiburgerstraße 13 G * D 12623 Berlin

Redaktion des Spiegel
Friedrichstraße 79
Herrn Mathias Gebauer

10117 Berlin

per Fax: 203875-23/22/12
Tel.: 203875-00

Berlin, 23.02.02

Leserbrief: "Nicht so leicht wie im Film" (Spiegel 7/2002)

Sehr geehrter Herr Mathias Gebauer,

der "große Lauschangriff" ist doch keine neue Erfindung der heutigen Sicherheitsbehörden und diese brauchen sich auch nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, wie sie z. B. Schornsteinfeger zur "Informellen Mitarbeit" zwingen können.

Ich bekam vor über 30 Jahren eine Publikation über den seit Jahrhunderten betriebenen Missbrauch der Schornsteinfeger als "Lauscher" und verdeckte Ermittler für die "Sicherheitsbehörden" in die Hände.

Darin wird beschrieben, dass dieses Gewerk im Mittelalter noch die Bezeichnung "Spitzel" hatte, weil sie meist sehr kleine Menschen waren und/oder als Kinder in die offenen Kamine kletterten und den Ruß mit dem Schultereisen unter gefährlichen und gesundheitsschädlichen Bedingungen abkratzten. Als Beweis ihres Erfolges mussten sie aus dem "Spitzel" (Dachfirst) winken, um ihren kärglichen Lohn zu empfangen.

Das heutige Synonym für "Spitzel" ist erst entstanden, als die damaligen "Sicherheitsbehörden" aus der Not eine "Tugend" machten und sie als verdeckte Ermittler oder Lauscher missbrauchten. Um ihre Beobachtungen schnell zu übermitteln haben sie mit den schmutzigen Händen die vorher für die "Vergehen" (Ketzerei, Hexerei, Wilderei, unerlaubtes Schlachten usw.) vereinbarten Zeichen an die Wand "angeschwärzt", damit die Häscher und Henker die "Bekehrung" durchführen konnten. Die Kinder "spielten": "Wer hat Angst vor dem Schwarzen Mann".

Die "Sicherheitsbehörden" erfanden zur Vertuschung neue Berufsbezeichnungen und erklärten diese dann zu "Glücksbringern".

In der NS-Zeit wurde 1937 von H. Himmler als SS-Reichsminister und Chef der Gestapo unter dem Vorwand der Feuer- und Brandsicherheit eine "Verordnung über das Schornsteinfegerwesen" nach dem Muster für Gestapo-V-Leute erlassen. Schornsteinfeger erhielten "Kehrbezirke" nach politischer Zuverlässigkeit, Angehörigkeit zur NSDAP bzw. Auszeichnung mit dem Blutorden oder Goldenem Parteiabzeichen, nach Ihren besonderen Verdiensten bei der Machtergreifung usw.

Diese VO wurde 1969, nach Erlass der Notstandsgesetze und der 68-er Bewegung von den Sicherheitsbehörden (Gehlen als Chef des BND) unter Kiesinger, Heinemann und Schiller als sog. "Schornsteinfegergesetz" fast wörtlich vom Volk unbemerkt nur in Deutschland wieder aktiviert. Da inzwischen die offenen Kamine verschwanden, das Kehren keinerlei handwerkliches oder sonstige Kenntnisse voraussetzte wurde das selbständige Kehren unter Strafandrohung verboten.

Schornsteinfeger haben heute zwar keinen Einfluss auf die Sicherheit von Feuerungsanlagen, aber quasi den Status eines Beamten, obwohl sie nicht vereidigt sind, keiner Schweigepflicht unterliegen, keine Produkthaftung übernehmen, aber willkürlich und ohne "Gefahr in Verzug", ohne Durchsuchungsbefehl usw. zu jeder Zeit in jede Wohnung und alle Räume eindringen dürfen, wenn es die "Sicherheitsbehörde" verlangt. Auch die GEZ, die Steuerfahndung, die Bau- Grün- Umwelt- Immissionsschutz- Finanz- usw. -Ämter bedienen sich gerne dieses Gewerks.

Zur Beruhigung ihres Gewissens erhalten sie "Amtshilfe", besondere Privilegien und Stundenverdienste zwischen 350,- bis 750,- DM bezogen auf die effektive Arbeitszeit. Zahlen müssen alle 80 Mio. Bundesbürger, ob Mieter oder Eigentümer, weil vielleicht ein oder 2 Kriminelle überführt werden könnten. Neu ist nur, dass sie statt der rußigen Hände jetzt Handys und Kameras benutzen.

Mit freundlichen Grüßen!

Helmut Ostberg

 



Leserbrief von Axel Locher an die Saarbrücker Zeitung


 

Leserbrief in der Saarbrücker Zeitung vom 07.03.02.

Wo gibt es in diesem Gewerbe überhaupt noch etwas Preiswertes?

Überschrift: Der schwarze Mann darf nicht ran vom 01.02.02.

Bei dem 1937 eingeführten Schornsteinfegergesetz ist das Verfallsdatum der schwarzen Zunft im Westen der BRD mit Datum 1945 und im Osten mit dem Fall der Mauer abgelaufen.

Nur haben es viele Menschen immer noch nicht gemerkt, da ja das ganze Gewerbe einen etwas behördlichen Charakter hat. Nun müssen für die rund 17000 Schornsteinfeger neue Stellen her, indem sie als Energieberater sich ein zweites Standbein schaffen dürfen, so die Vorstellungen des Bundesinnungsmeisters Steichele auf dem Bundesverbandtag in Kassel.

Ich bezeichne dies als eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Die Kosten sollen teilweise oder auch vollständig über eine Umlage oder aus Steuermitteln finanziert werden. Kostenvoranschläge u. Beratungen von Fachbetrieben sind übrigens kostenlos. Zuerst dachte ich an einen verfrühten Aprilscherz, doch bei der Lobby u. Rückenstärkung durch Politiker muss man die Sache doch leider ernst nehmen.

Aufgrund dieser neuen Einnahmequelle hat sich wohl auch der Landesinnungsmeister Thielen zu der Behauptung hinreißen lassen,, dass die Schornsteinfeger konkurrenzlos gutachterliche Tätigkeiten, ja sogar auch noch preiswert die Energieberatung ausüben könnten u. sollen. Wo gibt es bei diesem Gewerbe überhaupt etwas preiswertes?

Bei einem hochgerechneten Stundenlohn von mehreren hundert Euro kann keine Rede von Peanuts mehr sein. Da die Energieberatung ein äußerst komplexes Thema ist, nach meinen Erkenntnissen gibt es auch keine Umschulungen zum Energieberater durch die Arbeitsämter, werden die Architekten oder Bauingenieure die Beratungen der Schornsteinfeger wohl kaum in Anspruch bzw. ernst nehmen.

Da das Schornsteinfegergewerbe eh ein nationales Problem darstellt, sollte man sich doch etwas bedeckt halten, sonst läuft das Fass schneller über als Schornsteinmann denkt. ...

Axel Locher, Püttlingen

 



Leserbrief an die FAZ 4/2002


 

Böblingen, den 03.04.2002

Schattenwurf der Korruption

Gemäß dem Bundeskriminalamt liegt die Korruption in Deutschland im "Dunkelfeld in beachtlicher Höhe" (Eva Busse "Im unteren Viertel" F.A.Z. vom 25.3.2002). Es sind immer wieder die Parteispendenskandale welche die Korruption ins Blickfeld rücken. Dort handelt es sich um Millionen - um Milliarden geht es bei verdeckter Korruption.

Korruption gedeiht zwar im Dunkeln. Aber sie wirft Schatten, der sie verrät! Indizien sind in der Regel größere Anschaffungen oder Investitionen der jeweils Begünstigten. Indizien sind aber auch gesundem Menschenverstand widerstrebende behördliche Verordnungen, die begünstigten Gruppen zugute kommen, der Allgemeinheit aber zum Schaden gereichen. Ist der Gunsterweis zudem mit Sicherheitsmaßnahmen und Umweltschutz verquickt, wird er allzu leicht zu einem Tabuthema, das ungern aufgegriffen wird. Überdies ist in solchen Fällen die korrupte Komponente schwer zu durchschauen.

Seit mehreren Jahren befasse ich mich intensiv mit einem Regelwerk, das sich durch Richtlinien und Verordnungen mit höchster Perfektion auszeichnet: dem Staatsmonopol "Schornsteinfegerwesen", welches weltweit einmalig ist. Seine gegenwärtige Struktur erlangte es 1935, als man das gesamte "Reich" in Kehrbezirke einteilte, und diese mit systemkonformen Schornsteinfegern besetzte. Auf dieser Basis ließ sich ein Spitzelsystem installieren, wie es sich ein totalitärer Staat nicht besser wünschen konnte. Der viermalige Hausbesuch im Jahr bot dazu eine einmalige Gelegenheit. Jüngste Meldungen des Spiegel (7/2002), dass auch in heutiger Zeit noch davon Gebrauch gemacht wird, sind bisher nicht widerlegt worden.

Das heutige Schornsteinfegerwesen ist föderalistisch aufgebaut. Die Länder gestalten die Ausführungsbestimmungen, der Bund segnet sie ab. Im Rückblick offenbart sich eine raffinierte und erfolgreiche Zielstrebigkeit, die einen vom allmählichen Absterben bedrohten Beruf nicht nur zu erhalten, sondern mit neuen Befugnissen auszustatten in der Lage war. Man bediente sich dabei wohlwollender Behörden, und zog Tätigkeiten an Land, die eher den Technischen Überwachungsvereinen und dem einschlägigen Handwerk zugestanden wären. Es war lediglich die räumliche Nähe der modernen Feuerstätten zu dem sich in den Händen der Schornsteinfeger befindlichen Kamin, die dieselben für neu zu schaffende Tätigkeiten prädestinierte.

Was hat das Schornsteinfegerwesen mit seinen schwer durchschaubaren Verordnungen mit Korruption zu tun? Die Ausführungsbestimmungen, genannt Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO), werden von Ministerialbeamten erlassen, die in der Regel in den Wirtschaftsministerien sitzen. Die Beamten lassen sich fast ausschließlich von Leuten beraten, die die Schornsteinfegerinnungen hauptamtlich zur Verfügung stellen. Es sind die fähigsten Köpfe unter den Schornsteinfegern: in der Regel Schornsteinfegerobermeister. Keines der üblichen Handwerke mit seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten kann sich derartiges leisten. Die Symbiose von Ministerialbeamten und Schornsteinfegern erbrachte bisher keine erhöhte Sicherheit trotz mehrerer neuer Verordnungen. Damit wuchs die Anzahl der benötigten Schornsteinfeger und dementsprechend auch die Kosten. - Dies ist der Korruption erster Schatten!

Wer finanziert das System der Schornsteinfegerlobby? Jeder Inhaber eines Kehrbezirks überweist etwa 1% seiner Einnahmen an seine Innung. So kommen in der Bundesrepublik jährlich etwa 15 Mill. € zusammen. Auch dies macht keines der üblichen Handwerke den Schornsteinfegern nach. Die Lobbyisten der Schornsteinfeger umlungern neben den bereits genannten Tätigkeiten bei jeder passenden Gelegenheit einflussreiche Beamte und Politiker. An Neujahr hat man sich schon an sie gewöhnt. Jeder einflussreiche langgediente Spitzenpolitiker besitzt mindestens eine Schornsteinfegerpuppe als Maskottchen, die ihm an einem der zurückliegenden Neujahrstage überreicht worden ist. Bei der Konstitution des neu gewählten Bundestages sind die "Glücksbringer" in ihren schwarzen Uniformen auch zur Stelle.

In den Medien kommen die Schornsteinfeger stets vorteilhaft zur Geltung. Um den Jahreswechsel bringt fast jede öffentlich-rechtlich Fernsehanstalt irgendeinen - die Schornsteinfeger vorteilhaft darstellenden - Film, der das abergläubische Image der "Glücksbringer" weiter verstärkt. Eine hohe Ministerialbeamtin in NRW darf sich mittlerweile schon Ehrenschornsteinfegermeisterin nennen. Der Wirtschaftsminister von BW beehrte innerhalb eines Jahres drei Schornsteinfegerveranstaltungen mit seinem persönlichen Erscheinen. Januar 2002 überreichte er einem der "verdienten Oberschornsteinfegermeister" das Bundesverdienstkreuz persönlich. Gegenseitige Huldigungen noch und noch!

Klopft man neben den in den letzten Jahrzehnten erlassenen neuen Verordnungen auch noch die Beibehaltung längst überholter Verordnungen auf ihre Zweckmäßigkeit ab, so ist ein Missverhältnis zwischen Notwendigkeit und purer Arbeitsbeschaffung unübersehbar. Es wurden Sicherheitsverordnungen erlassen, denen keine Unfallstatistik zugrunde lag; so dass dieselben keinen nennenswerten Nutzen zu erbringen vermögen. Die Zeitvorgaben für die verschiedenen Tätigkeiten der Schornsteinfeger sind weit überzogen. Das führte in den letzten Jahren zu einer Beschwerdeflut in den Medien, auf die bisher keine Reaktion erfolgte. Beschwerden und Petitionen werden kategorisch mit den fadenscheinigsten Begründungen von den Beschwerdeverursachern persönlich zurückgewiesen. Jede technische Neuerung, die bisherige Tätigkeiten der Schornsteinfeger ersetzen könnte, wird im Keime erstickt. - All diese Fakten sind der Korruption zweiter Schatten!

Weitere Schattenwürfe sind auf mittlerweile zahlreichen Internetseiten ausführlich dokumentiert. Jede der Seiten schildert monopolimmanente und korrupte Verhaltensweisen. Dies schlägt sich auch in den dortigen Gästebucheinträgen gehäuft nieder.

Das typisch monopolistische Verhalten unseres deutschen Schornsteinfegerwesens ließ in den 90er Jahren allein in BW die Zahl der Kehrbezirke um über 50% auf mehr als 900 anwachsen. Mittlerweile schlagen die jährlichen Kosten für die 17 000 deutschen Schornsteinfeger bereits mit 1,5 Mrd. € zu Buche. Ein Bruchteil dieser Summe würde genügen, um Sicherheit und Umweltschutz auf hohem Niveau zu garantieren. Müssen denn saubere Kamine gekehrt werden? Muss denn ein vom Spezialisten justierter Heizkessel von einem Schornsteinfeger erneut überprüft werden? Niemand käme auf den Gedanken, gleiches bei den mit höheren Gefahrenpotentialen behafteten Elektro- oder Gasinstallationen zu machen. Auf über eine Mrd. € pro Jahr beläuft sich das durch Korruption im deutschen Schornsteinfegerwesen verschwendete und damit veruntreute Kapital! Der Eigenheimbesitzer bezahlt missmutig die geforderten Gebühren; der Mieter stöhnt unter der Last hoher Wohnnebenkosten. Alle Ansätze, diesem Missstand Einhalt zu gebieten, sind bislang gescheitert.

Paul Theisen, Böblingen

 



Staatsmonopol


 

An die Redaktion "Wirtschaftswoche"
per e-mail wiwo@vhb.de

Dienstag, 16. April 2002

Betreffs: "'Wir lassen nicht locker" in Heft 16, Seite 28

Der Bundesrechnungshof sollte sich einmal umsehen, was tagtäglich an den deutschen Haustüren auf Veranlassung des Staates abkassiert wird.

Unsere deutschen Schornsteinfeger kosten uns im Jahr etwa 1,5 Mrd. €. Gegenleistung ist überwiegend Kehren sauberer Kamine und nochmaliges Messen der bereits gemessenen Abgase.

Das vermag ein Staatsmonopol, dessen Grundlage im 3.Reich gelegt worden ist. Gesamtverschwendung über 1 Mrd. € jedes Jahr!

Paul Theisen, Böblingen

 



Eine Gesellschaft lebt in den Tag


 

An Sonntag aktuell

Fax-Nr . 0711 7205 930

Sonntag, 2. Juni 2002

Zu "Eine Gesellschaft lebt in den Tag hinein"

Kolumne von Meinhard Miegel am 2.6.2002

Prof. Miegel trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er mangelndes Reproduktionsvermögen und Bequemlichkeit unserer Gesellschaft anprangert. Dass er aber mangelnde Solidarität und Ellbogengesellschaft ausschließlich dem Bürger anlastet, widerspricht den Tatsachen.

Würde unser Staat in zahlreichen Lebenslagen nicht mit schlechtem Beispiel vorangehen, so wäre es mit der Solidarität seiner Bürger besser bestellt! Üppige Selbstbedienungsmentalität unserer Politiker und zahlreiche weltfremde Verordnungen sind ein fruchtbarer Nährboden für die von Miegel verurteilten Mängel.

Ich möchte dies an einem einzigen Beispiel demonstrieren: Wir Deutsche - aber nur wir Deutsche - müssen ertragen, dass jeder Kamin, ob sauber oder nicht, mindestens einmal im Jahr vom staatlich bestallten Schornsteinfeger zu kehren ist. Wer sich ein neues Auto kauft, muss frühestens in 3 Jahren zum TÜV. Wer sich aber eine neue Öl- oder Gasheizanlage anschafft, muss dulden, dass sein Schornsteinfeger nach 3 Jahren schon zum vierten Mal die neue Anlage "bearbeitet". Was wird mehr strapaziert - Auto oder Heizanlage? Der ADAC ließe sich derartiges nicht bieten! Jenseits der Grenze schüttelt man den Kopf über das deutsche "Schornsteinfeger-Syndrom". Der deutsche Staatsbürger hat längst resigniert und verweigert die beklagte Solidarität.

Paul Theisen, Böblingen

 



Abgewürgter Neustart


 

F.A.Z.

An die Redaktion Leserbriefe

Per Fax -Nr. 069 7591 1743

Dienstag, 3. Oktober 2002

Den folgenden Beitrag bitte ich Sie zu veröffentlichen. Es ist an der Zeit, dass sich auch die F.A.Z. in ihrem redaktionellen Teil des aktuellen ("WiWo", "Focus" und "Spiegel") vielbeachteten Schornsteinfegermonopols annähme.

Betreffs: "Abgewürgter Neustart" von Manfred Schäfers

Der Leitartikel der F.A.Z. vom 2.10.02 (Manfred Schäfers "Abgewürgter Neustart") geht mit der gegenwärtigen Steuerdiskussion hart ins Gericht. Gleichzeitig verurteilt der Bund der Steuerzahler die verantwortungslose Verschwendung der knappen Mittel von Bund, Ländern und Kommunen. Dass aber auch außerhalb der Staatseinnahmen jeder von uns direkt oder indirekt ungebührlich zur Kasse gebeten wird, fällt bei diesen Debatten völlig unter den Tisch.

Die Rede ist von den hohen Gebühren der zumeist nutzlos verrichteten Dienstleistungen der Schornsteinfeger, die einer privat finanzierten ABM gleichkommen. Da müssen saubere Kamine regelmäßig gekehrt werden, die Abgase der Heizkessel müssen Jahr für Jahr (Autos nur alle 2 Jahre) überprüft werden - auch wenn es der Heizungsfachmann bereits getan hat. Wer sich weigert, erfährt Repressalien, letztendlich verschafft die Polizei Zutritt.

Diese Ausgaben fallen unter die hohen Wohnnebenkosten, um die sich nicht einmal die Hausbesitzerverbände kümmern. Denn deren Mitglieder sind überwiegend sich bei ihren Mietern schadlos haltende Vermieter. Die Verbraucherverbände lassen Monopolmacht links liegen. Die 17 000 Schornsteinfeger kosten uns jährlich 1,5 Mrd. €, von denen über 1 Mrd. zuviel für nutzloses Tun verschwendet werden.

So griffen beherzte Bürger zur Selbsthilfe und formierten sich im Internet mit dem Ziel, das in der Nazizeit errichtete und in der BRD auf die Spitze getriebene Schornsteinfegermonopol zu kippen. Ein Ziel ist auch die Wiedererlangung des Vertrauens in einen "reformmuffligen" Staat. Jedes der Mitglieder dieser bundesweiten "Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol" hat bittere Erfahrungen mit selbstherrlichen monopolgeschützten Schornsteinfegern und der sie hegenden Behörde hinter sich. Ein Netzwerk mehrerer zielgerichteter Homepages existiert bereits.

Paul Theisen, Böblingen

 



ABM für hochbezahlte Schornsteinfeger


 

Dienstag, 3. Oktober 2002

An die Redaktion Leserbriefe

Zu Ihrem Artikel vom 2.10.02 "Staat verschleudert Milliarden-Summe".

Bundesrechnungshof und Steuerzahlerbund kümmern sich leider nur um fiskalische Verschwendung. Daneben gibt es Bereiche, in denen der Staat seinen Bürgern das Geld in kleiner Münze von Privilegierten aus der Tasche ziehen lässt: Das ist in erster Linie die ABM für die hochbezahlten Schornsteinfeger. Dieses antiquierte Monopol bürdet jedem von uns Dienstleistungen auf, die völlig überflüssig sind. Da müssen saubere Kamine regelmäßig gekehrt werden, die Abgase der Heizkessel müssen Jahr für Jahr (Autos nur alle 2 Jahre) überprüft werden - auch wenn es der Heizungsfachmann bereits getan hat. Wer sich weigert, erfährt Repressalien, letztendlich verschafft die Polizei Zutritt.

Diese Ausgaben fallen unter die hohen Wohnnebenkosten, um die sich nicht einmal die Hausbesitzerverbände kümmern. Denn deren Mitglieder sind überwiegend sich bei ihren Mietern schadlos haltende Vermieter. Die Verbraucherverbände lassen Monopolmacht links liegen. Die 17 000 Schornsteinfeger kosten uns jährlich 1,5 Mrd. €, von denen über 1 Mrd. zuviel für nutzloses Tun verschwendet werden.

So griffen beherzte Bürger zur Selbsthilfe und formierten sich im Internet mit dem Ziel, das in der Nazizeit errichtete und in der BRD auf die Spitze getriebene Schornsteinfegermonopol zu kippen. Ein Ziel ist auch die Wiedererlangung des Vertrauens in einen "reformmuffligen" Staat. Jedes der Mitglieder dieser bundesweiten "Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol" hat bittere Erfahrungen mit selbstherrlichen monopolgeschützten Schornsteinfegern und der sie hegenden Behörde hinter sich. Ein Netzwerk mehrerer zielgerichteter Homepages existiert bereits.

Paul Theisen, Böblingen

 



Geld in die Europakasse


 

10. November 2002

An Sonntag aktuell - Leserbriefe

Fax-Nr . 0711 7205 930

An die Redaktion von "Sonntag aktuell",

als kritischer Staatsbürger kommen mir zuweilen Ihre Artikel gelegen, um mir in Form eines Leserbriefes Luft zu machen. Ich vermisste bisher bei Ihnen leider eine kritische Stellungnahme zu einem mir und vielen anderen auf den Nägeln brennenden Problem: dem Schornsteinfegermonopol.

Dieses Ärgernis, mittlerweile von den großen Nachrichtenmagazinen aufgegriffen, mobilisierte in jüngster Zeit eine Schar von Gegnern diese Monopols, die mit legalen Mitteln diesen auf Aberglauben, Folklore und Nostalgie aufgebauten Schwindel zu entlarven versuchen. Wir nennen uns "Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol". Die Politik ließ uns bisher noch im Stich. Schließlich gilt der Schornsteinfeger nach allgemeiner Auffassung als der Garant für Feuersicherheit und Umweltschutz. Diese Mär und noch viele andere schlachten die gut betuchten Lobbyisten der Schornsteinfeger weidlich aus und versuchen durch angstmachende Szenarien und Kompetenzgehabe in punkto Umwelt noch weiteres Terrain zu gewinnen.

Falls Sie interessiert sind, finden Sie auf meiner Homepage und noch weiteren dort angegebenen Verweisen genügend Stoff zu diesem Thema. Das Thema Dr. Döring behandle ich auf den ersten beiden Verweisen von www.schofeg.de/skandaloeses.html.

Ich stehe Ihnen aber auch gerne beratend zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Paul Theisen

Mein Leserbrief zu diesem Thema lautet:

Zu "Geld in der Kasse"

Ernst Elitz trifft mit seiner schonungslosen Schelte an die Politiker den Nagel auf den Kopf. In fast regelmäßiger Folge aufgedeckte Schmiergeldzahlungen lassen erkennen, dass Interessengruppen eine, politische Entscheidungen stark beeinflussende, Macht besitzen.

Wenn sogar unser Landeswirtschaftsminister sich bei jeder passenden Gelegenheit zu Treffen schwäbischer Schornsteinfeger begibt, diesen in Lobeshymnen für ihre unersetzliche Tätigkeit zum Brand- und Umweltschutz immer wieder dankt, schließlich dem ersten unter ihnen das Bundesverdienstkreuz in seinen Wohnort überbringt, kann man von der gegenwärtigen politischen Klasse keinen Regulierungsabbau erwarten. Kaum ein anderes Gesetz ist deregulierungsbedürftiger als das in die Kritik geratene Schornsteinfegermonopol.

Um allem die Krone aufzusetzen, ernannten die schwäbischen Schornsteinfeger Minister Döring auch noch zu einem der Ihren. Als frischgebackener Ehrenschornsteinfeger präsentierte er sich im Anschluss an seine ehrenvolle Ernennung in Pforzheim beim "Textiltag Südbaden" in Lauchringen großkotzig in schwarzer Uniform. Kann man von Kanzler Schröder anderes erwarten, wenn gar einer von der FDP sich so aufspielt?

Paul Theisen, Böblingen

 



Kehrbezirk als Lizenz zum Gelddrucken


Der Zeitungsartikel

Landesverband der Schornsteinfeger feiert in Pforzheim sein 50-jähriges Bestehen

Von unserem Mitarbeiter Norbert Kollros

PFORZHEIM. Baden-Württembergs Schornsteinfeger treten in diesen Tagen in Pforzheim ans Licht der Öffentlichkeit: Am Ort der Gründung ihres Landesverbands vor exakt 50 Jahren findet bis Donnerstag nicht nur der Verbandstag der "schwarzen Zunft" statt, die "schwarzen Männer" werden auch feiern - eben das 50-jährige Bestehen ihres Landesinnungsverbands.

"Das Land wurde im April 1952 gebildet und wir konstituierten uns gerade mal ein halbes Jahr später. Wir sind damit eine der ältesten Innungen dieses Landes", so Landesinnungsmeister Hans-Ulrich Gula gestern in einem Vorgespräch mit Journalisten zu den bevorstehenden Veranstaltungen im CongressCentrum Pforzheim.

Demnach findet am heutigen Dienstag eine interne Landesdelegiertenkonferenz statt, morgen schließt sich eine Tagung mit Fachvorträgen rund ums Thema Heizen und Umwelt an, und am Donnerstag ist die eigentliche Jubiläumsveranstaltung des Landesverbands, bei der als Festredner der baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring zu den erwarteten rund 450 Gästen sprechen wird.

Keine Monopolstellung

Das Gespräch mit den Medien gestern nutzten Gula und seine Vorstandskollegen Peter Fellmeth und Hans-Peter Kächele zur Darstellung der Leistungen ihrer Branche für die Sicherheit der Bevölkerung und zum Schutz der Umwelt, also mit der Überwachung von Feuerungsanlagen sowie neuerdings der Energieberatung. Gula widersprach dabei einer landläufigen Meinung vom Monopol der Schornsteinfeger. Nach seiner Darstellung erfülle seine Branche hoheitliche Aufgaben im Auftrag des Staats, nach seiner Interpretation eine Form von Privatisierung, wie sie heute für viele Bereiche gefordert werde.

Wie Gula berichtete, würden seine Berufskollegen bei den regelmäßigen Kontrollen und Messungen immer wieder eine große Zahl von Missständen bei den Feuerungsanlagen feststellen, die Beanstandungsquote bezifferte er auf rund zwei Prozent. Eine Hochrechnung habe ergeben, dass durch die Senkung der Abgasverluste und der damit verbundenen Erhöhung des Wirkungsgrads der Feuerungsanlage auf der Basis von 2001 erfolgten Messungen im Land rund 27 Millionen Liter Heizöl und acht Millionen Kubikmeter Gas eingespart hätten werden können. Gleichzeitig sei damit die Umwelt von zigtausenden Tonnen Schadstoffen entlastet worden.

Aber auch durch Wärmedämmung und andere vergleichbare Verbesserungen am Haus könne der Energieeinsatz verringert werden. Gula nannte ein Einsparpotential von rund 30 bis 40 Prozent. Wie er sagte, seien viele seiner Kollegen nach entsprechender Weiterbildung in der Lage, den vom Umweltministerium initiierten Energie-Spar-Check neutral durchzuführen.

Dabei erhalte der Hauseigentümer für eine Pauschale von 75 Euro eine Bewertung seiner Immobilie und Vorschläge, wie er sinnvoll und effektiv seinen Energieverbrauch reduzieren könne. Dies sei auch ein Stück Wertschöpfung für den Staat, verdeutlichte Gula. Knapp 500 Hausbesitzer hätten vergangenes Jahr diesbezüglich Verbesserungen mit einem Investitionsvolumen von rund 9,3 Millionen Euro veranlasst, was dem Staat ein Mehrwertsteueraufkommen von 1,5 Millionen Euro beschert habe. Demgegenüber stünden nur 67 000 Euro Aufwand durch Fördermittel seitens des Landes.

Landesweit rund 1850 Mitarbeiter

Nach Darstellung des Verbands gibt es im Land exakt 932 Betriebe analog der Zahl der behördlich fixierten Kehrbezirke. In diesen Betrieben sind rund 1850 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 160 Auszubildende. Wobei die einstige Männerdomäne langsam aufgeweicht werde, es gebe landesweit bereits 30 Meisterinnen und aktuell 25 weibliche Auszubildende.

Der Umsatz der Branche wird landesweit auf 116 Millionen Euro taxiert, was einem Durchschnittswert pro Kehrbezirk von 125 000 Euro entspricht. Dieser Umsatz wird heute zu 60 Prozent durch Kehr- und zu 40 Prozent durch Prüfungsarbeiten erreicht.

Der Leserbrief

Kehrbezirk als Lizenz zum Gelddrucken?

Zum MT-Bericht "Für Sicherheit und den Schutz der Umwelt" vom 22. Oktober:

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Eloquenz und mitunter brillanten Rhetorik die obersten Lobbyisten des Schornsteinfegerhandwerkes zugange sind, wenn es um das so genannte Schornsteinfeger-Monopol geht, das den Herren der schwarzen Zunft ein gutes Einkommen auf Kosten ihrer Zwangsklientel sichert.

Es ist geradezu anmaßend und schlicht falsch, wenn der Landesvorsitzende der Schornsteinfeger-Innung, Hans-Ulrich Gula, das Monopol der Schornsteinfeger in Zweifel zieht. Als oberster Lobbyist seiner Zunft mit besten Beziehungen zum Landeswirtschafts- und -umweltministerium müsste ihm ein Gesetz aus dem Jahre 1935 bekannt sein, das vom damaligen Reichstag zu Großdeutschlands Zeiten verabschiedet wurde und den Kaminkehrern das so genannte Kehrmonopol bescherte.

Dieses Gesetz, von demokratisch legitimierten Regierungen mehrfach novelliert, schreibt nämlich das Kehrmonopol zwingend vor. Es ist richtig, dass Kaminkehrer von Bund und Ländern mit öffentlichen Aufgaben "beliehen" werden. Herr Gula verschweigt jedoch geflissentlich, dass die Schornsteinfeger damit einen beamtenähnlichen Status erlangen, der dem "Bezirksschomsteinfegermeister" erlaubt, seine Zwangsklientel fast nach Belieben abzuschöpfen und zu schikanieren. Darüber kann ich einen ganzen Roman schreiben!

Hinzu kommt noch, dass die Kaminkehrer seit der Einführung der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung in den 70er Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts auch noch mit der "Messung" von Kleinfeuerstätten, wie die Öfen in Wohnungen im Amtsdeutsch heißen, betraut wurden. Offensichtlich wussten die zuständigen Ministerialbeamten nicht, was sie der Bevölkerung antaten, als sie die Messung der Haushaltsöfen den Kaminkehrern übertrugen. Messkompetenz war damals und ist nach meinen leidvollen Erfahrungen auch heute noch nicht vorhanden.

Es wäre viel sinnvoller gewesen, die Immissionsschutzmessungen dem Sanitär- und Heizungsbauerhandwerk zu übertragen, wo erstens die fachliche Kompetenz zur Messung von Heizungsanlagen zuhause ist, zweitens auch sofort fachmännischer Rat eingeholt werden kann.

Da in den 70er Jahren immer mehr Gasheizungen in den Häusern installiert wurden und Gas fast rückstandsfrei verbrennt, wurde die schwarze Zunft notleidend. Also hat man den Kaminkehrern ein zweites Standbein mit den Immissionsschutzmessungen verschafft. So war beiden Seiten, nämlich den Kaminkehrern und dem Bund und den Ländern gedient. Die Rechnung durften - wieder einmal - die Hausbesitzer und Mieter zahlen.

Der "Bezirkskaminfegermeister" bekommt, in der Regel vom Regierungspräsidium, einen "Kehrbezirk" zugeteilt, für den er alleine verantwortlich zeichnet. Er hat dort das Monopol, kein anderer Kollege darf in diesem Bezirk tätig werden. Die Preise für seine "Leistungen" werden jährlich vom Landeswirtschaftsministerium festgesetzt, wobei drastische Aufschläge keine Seltenheit sind. Das Monopol geht soweit, dass eine vom Heizungsbauerfachbetrieb eingemessene Heizungsanlage vom zuständigen Kaminkehrer nochmals "gemessen" und der Eigentümer dafür selbstredend zur Kasse gebeten wird. Der Kehrbezirk als Lizenz zum Gelddrucken?

Es stellt sich nun die Frage, warum die Kaminkehrer ein Monopol haben müssen, um ihre Aufgaben zu erledigen. Die Statistiken weisen in anderen Ländern ohne Kehrmonopol auch keine häufigeren Brände oder Erstickungstote auf, als im überregulierten Deutschland.

Bleibt noch anzumerken, dass es allen Hausbesitzern und Mietern frei steht, sich über das Kehrmonopol bei dem für Wettbewerbsfragen zuständigen EU-Kommissar Mario Monti zu beschweren.

Jürgen Franz