Bitte um einen Initiativantrag im Bundestag

19. Februar 2003

Peter Hettlich, MdB

peter.hettlich@bundestag.de

Betreff: Beseitigung des Schornsteinfegermonopols

Sehr geehrter Herr Hettlich,

Sie antworteten mir Ende letzten Jahres auf meine Denkschrift zum Schornsteinfegermonopol. Ich habe nun einen Anschlag auf Sie vor, der aber eine Bitte ist: Sicherlich finden sich in Ihrer Fraktion acht Abgeordnete, die einen Initiativantrag zu unterschreiben bereit sind. Da mittlerweile bundesweit fast täglich mit hohen Strafen einhergehende Kaminkehrverweigerungen stattfinden, die das Ansehen unseres Staates in Misskredit bringen, ist es allerhöchste Zeit, dass das Schornsteinfegergesetz in seiner jetzigen Form verschwindet. Ich wende mich auch noch an andere Fraktionen mit der gleichen Bitte. Wenn alle Fraktionen einen Initiativantrag stellen, sind die Aussichten zur baldigen Beseitigung des verhassten Monopols am größten.

Keines der, leider noch vorhandenen, Monopole verspricht dem Bürger soviel Sicherheit und geschonte Umwelt, wie das der Schornsteinfeger. Solches wird Spitzenpolitikern von der Schornsteinfegerlobby unterschwellig vorgegaukelt. Kanzler Schröder lässt sich häufig mit Schornsteinfegern ablichten. Wirtschaftsminister Döring in BW ist Ehrenschornsteinfeger. Glücksverheißung und Nostalgiebezug finden in der Bevölkerung reichen Anklang. Doch nur wenige wissen über die wahren Hintergründe des Schornsteinfegermonopols Bescheid, einem Überbleibsel aus Deutschlands dunkelster Vergangenheit. Im Jahre 1935 wurde damit begonnen das Deutsche Reich, gemäß den damaligen Kontrollerlassen, in Kehrbezirke einzuteilen. Der Zweck war, die totale Verfügungsgewalt über ein gleichgeschaltetes Volk zu gewährleisten. Heute noch leiden wir unter dieser festgefügten Ordnung, die den machtbewussten Bezirksschornsteinfegermeisters hervorbrachte. Zur Anfangszeit sind es überwiegend verdiente Parteigenossen gewesen - heute sind es zumeist aufdringliche Günstlinge des Staates.

Sicherheitsmaßnahmen und Umweltschutz bedürfen keines Monopols! Eine soziale Marktwirtschaft bietet genügend Freiraum für beides. Kontrollierter Wettbewerb geht mit Resourcen jedweder Art sorgsamer um, wie ein Monopol dazu je in der Lage sein kann. Sicherheit um jeden Preis können wir uns nicht leisten. Erst recht nicht die uns durch das Schornsteinfegermonopol aufgezwungene vorgetäuschte kostspielige Sicherheit.

Immer mehr Bürger beginnen die Täuschungsmanöver der Schornsteinfeger zu durchschauen. Dies beweisen die zunehmenden Klagen bei Aufsichtsbehörden und Verwaltungsgerichten. Aber auch die sich häufenden Petitionen und Verweigerungen. Dass zwecks Kehren eines sauberen Kamins der Art.13 des GG (Unverletzlichkeit der Wohnung) außer Kraft gesetzt werden darf, ist heute niemanden mehr zu vermitteln. Wer die Abgasmessung des Heizungsbauers kostenpflichtig kontrolliert, entmündigt damit das Fachhandwerk. Die vorgeschriebenen Messabstände sind kürzer als die eines vielstrapazierten PKW. Offener Widerstand gegen diese restriktiven Maßnahmen macht sich breit.

Exekutive und Judikative begünstigen das Schornsteinfegermonopol. Die Legislative genehmigte seine eigennützige Fortentwicklung. Sie alle tragen Verantwortung für den schwer durchschaubaren Gesetzesdschungel mit realitätsfremden Verordnungen und überhöhten Gebühren. Jedes Bundesland hat seine eigene Kehr- und Überprüfungsordnung. Der bürokratische Aufwand zu deren Durchführung und mittlerweile auch Durchsetzung bei den Behörden und Gerichten ist enorm und belastet über Gebühr den Steuerzahler!

Nicht nur die Haus- und Wohnungsbesitzer sind die Leidtragenden, die Mieter klagen über die hohen Wohnnebenkosten. Die Bundeslegislative mag die genannten Auswüchse auf die leichte Schulter nehmen, denn die hohen Verwaltungskosten für das aufwendige Kontrollsystem entfallen überwiegend auf die Länderhaushalte. Um die erhobenen Gebühren an der Haustür schert sich kein Gesetzgeber. Peanuts sind die gegenwärtigen Kosten von etwa über 1,5 Mrd. € im Jahr nicht.

Das Monopol verursacht nicht nur materiellen Schaden, es verursacht auch unabsehbaren Schaden im Staatsbewusstsein der Benachteiligten. In der Bevölkerung wächst zusehends eine defätistische Haltung zu einem versagenden Staat, der als "lahme Ente" die Staatsbürger einflussreichen Interessengruppen ausliefert. Behörden und Verwaltungsgerichte verteidigen blindlings die maroden Gesetze. Sie stellen sich fast ausnahmslos auf die Seite der mächtigen Monopolisten in Gestalt der sich wachsender Unbeliebtheit erfreuenden Schornsteinfeger.

Unter diesen Vorzeichen formierte sich eine bundesweite "Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol". Diese ist im Internet vernetzt, zwanglos und locker organisiert. Ein jedes seiner Mitglieder hat zumindest eine demütigende ungerechte Behandlung von den genannten Exponenten des Monopols ertragen müssen. Ich, als Mitglied dieser IG, erfahre tagtäglich durch Briefe, Telefonate und Einträge in mein Internet-Gästebuch mehrere Klagen leidgeprüfter Opfer des Monopols. So ergeht es auch anderen Mitgliedern unserer IG. Dieser Zustand ist nicht mehr hinnehmbar! Sein Fortbestehen schadet dem Ansehen und der Effizienz unseres schwachen überbürokratisierten Staates. In keinem anderen Land existiert ein gleichartiger Zwang durch ein derart verhasstes Monopol.

Das Schornsteinfegermonopol ist eine der Ursachen unserer desolaten Wirtschaftslage, und unserem schwindenden Standortvorteil. Das Schornsteinfegermonopol ist nicht der Garant für häusliche Sicherheit und Umweltschutz, als der es sich selbstgefällig darstellt. Es ist ein ausbeuterisches Vehikel aus dunkelster deutscher Vergangenheit!

Sehr geehrter Herr Hettlich, ich bitte Sie nochmals höflich um einen Initiativantrag im Bundestag zur Aufhebung des Schornsteinfegergesetzes. Ich hoffe auf eine alsbaldige positive Benachrichtigung. Die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung duldet keinen Aufschub!

Dieses Schreiben ist, wie jeglicher Briefwechsel in unserer gemeinnützigen Angelegenheit, auf meiner Homepage unter www.schofeg.de/politbriefe.html dokumentiert.

Mit freundlichen Grüßen

Paul Theisen