Bitte um einen Initiativantrag im Bundestag

17. Februar 2003

Dr. Wolfgang Gerhardt

wolfgang.gerhardt@bundestag.de

Betreff: Beseitigung des Schornsteinfegermonopols

Sehr geehrter Herr Dr. Gerhardt,

kein anderes der leider noch vorhandenen Monopole lullt den Bürger so in Sicherheit und ersehntes Glück wie das der Schornsteinfeger. Wer will nicht beides samt einer geschonten Umwelt haben. Dies gaukelt die Schornsteinfegerlobby unseren politischen Entscheidungsträgern unterschwellig vor. Als Mittler von Glück und Nostalgie finden die Schornsteinfeger in der Bevölkerung häufig Zuspruch. Doch die wenigsten wissen, dass das Schornsteinfegermonopol einer unseligen Zeit entstammt. Im Jahre 1935 wurde das damalige Deutsche Reich in Kehrbezirke eingeteilt, deren jeder für seinen Inhaber eine fette Pfründe darstellt.

Sicherheitsmaßnahmen und Umweltschutz bedürfen keines Monopols! Eine soziale Marktwirtschaft bietet die Möglichkeit für beide. Kontrollierter Wettbewerb geht mit den Resourcen jedweder Art sorgsamer um, wie ein Monopol es je in der Lage ist. Sicherheit um jeden Preis können wir uns nicht leisten. Erst recht nicht eine erzwungene vorgetäuschte überteuerte Sicherheit, die uns das Schornsteinfegermonopol verspricht.

Immer mehr Bürger beginnen die Täuschungsmanöver der Schornsteinfeger zu durchschauen. Dies beweisen die anwachsenden Klagen bei den Aufsichtsbehörden und den Verwaltungsgerichten, daneben die sich häufenden Petitionen und Verweigerungen. Die Außerkraftsetzung des Art.13 GG (Hausfrieden) zwecks Kehren eines sauberen Kamins ist heute niemandem mehr zu vermitteln. Eine das Fachhandwerk kontrollierende erneute Abgasmessung ist eine kostspielige Entmündigung eines ehrbaren Handwerks. Die vorgeschriebenen Messzyklen übersteigen bei weitem die eines jeden vielstrapazierten PKW. Offener Widerstand gegen diese restriktiven Maßnahmen macht sich bereits breit.

Wer neben den direkt begünstigten Kehrbezirksinhabern am Schornsteinfegermonopol festhält, ist die Exekutive. Ausschlaggebend für die Erhaltung des Monopols und dessen weiteren Ausbau ist jedoch die Legislative in Bund und Ländern. Sie verantwortet den kaum durchschaubaren Gesetzesdschungel samt Verordnungen und überhöhten Gebühren. Jedes Bundesland hat seine eigene Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO). Der bürokratische Aufwand zu ihrer Durchsetzung ist nicht mehr zu vernachlässigen und belastet den Steuerzahler!

Nicht nur die Haus- und Wohnungsbesitzer sind die Leidtragenden, sondern auch die Mieter, die über die hohen Wohnnebenkosten klagen. Die Bundeslegislative mag die genannten Auswüchse auf die leichte Schulter nehmen, da sie den Bundeshaushalt nur geringfügig belasten. Die überwiegenden Kosten fallen bei den Ländern an. Um die an der Haustür erhobenen Gebühren schert sich kein Gesetzgeber, obwohl es keine Peanuts sind. Mit regelmäßig steigender Tendenz sind es längst über 1,5 Mrd. € pro Jahr.

Das Monopol verursacht nicht nur materiellen Schaden, sondern auch unabsehbaren Schaden am Staatsbewusstsein der Benachteiligten. Es wächst in der Bevölkerung zusehends eine defätistische Haltung zu einem versagenden Staat, der als "lahme Ente" seine Bürger einflussreichen Interessengruppen überlässt. Behörden und Gerichte verteidigen blindlings die maroden Gesetze. Damit stellen sie sich fast ausnahmslos auf die Seite der ausführenden Monopolisten, den mittlerweile schon unbeliebten Schornsteinfegern.

Unter diesen Vorzeichen formierte sich eine bundesweite "Interessengemeinschaft gegen das Schornsteinfegermonopol". Diese ist im Internet vernetzt, zwanglos und locker organisiert. Ein jedes seiner Mitglieder hat mindestens eine demütigende ungerechte Behandlung seitens der genannten Exponenten des Monopols hinter sich. Ich, als Mitglied dieser IG, erfahre tagtäglich durch Briefe, Telefonate und Einträge in mein Internet-Gästebuch mehrere Klagen leidgeprüfter Opfer des Monopols. So ergeht es auch anderen Mitgliedern unserer IG. Dieser Zustand ist nicht mehr hinnehmbar! Sein Fortbestehen schadet dem Ansehen und der Effizienz unseres schwachen überbürokratisierten Staatswesens. In keinem anderen Land existiert auf dem Gebiet ein gleichartiger Zwang durch ein derart verhasstes Monopol.

Das Schornsteinfegermonopol ist eine der Ursachen unserer miserablen Wirtschaftslage, und unseres schwindenden Standortvorteils. Wir müssen dieses Monopol beseitigen, das uns tagtäglich materiellen und ideellen Schaden zufügt! Das Schornsteinfegermonopol ist nicht der Garant für häusliche Sicherheit und Umweltschutz, als der es sich selbstgefällig darstellt. Es ist ein ausbeuterisches Vehikel aus dunkelster deutscher Vergangenheit!

Sehr geehrter Herr Dr. Gerhardt, ich bitte Sie höflich um einen Initiativantrag im Bundestag zur Aufhebung des Schornsteinfegergesetzes. Obwohl ich das parteischädigende peinliche Verhalten des mit den Schornsteinfegern fortwährend anbändelnden Baden-Württembergischen Wirtschaftsministers zutiefst verurteile (Dr. Döring hat es immerhin zum uniformierten Ehrenschornsteinfeger gebracht!), sehe ich die FDP als die erste im Bundestag befindliche politische Kraft, von der ich einen Initiativantrag erwarte.

Ich bitte Sie um alsbaldige Benachrichtigung. Die wachsende Unzufriedenheit duldet keinen Aufschub!

Mit freundlichen Grüßen

Paul Theisen