Gangbare Wege statt manipulierter Irrwege


"Es gibt keine Sicherheit, nur verschiedene Grade der Unsicherheit."

Anton Neuhäusler


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===> Axel Locher: Forderungen an den Gesetzgeber

==> Lehrstück: Die Konferenz der Sicherheitsexperten
==> Lehrstück: Die Krankheit der Schornsteinfeger
==> Emissionsmessung oder Prüfstatik?
==> Sicherheitsstreben hat auch seine Grenzen
==> Gesundheitsreform nach bewährtem Muster
==> Sicherheit und Umwelt in schlechten Händen
==> Nebulose Sicherheitsnormen
==> Fluchtwege aus des Schornsteinfegers Fängen
==> Brennstoffzellentechnik im Heizraum

"Unser Bedürfnis nach Sicherheit um jeden Preis, das unser Tun und Handeln bestimmt, ist, wie vieles andere, die Ursache grauenhafter Verirrungen und Verheerungen gewesen."

Yehudi Menuhin



Lehrstück: Die Konferenz der Sicherheitsexperten


" Wir müssen den Mut zur Wahrheit haben, den Mut, zu verbrennen, was wir gestern anbeteten.
Dafür haben wir das Denkvermögen."

Henri Barbuss (1873-1935)



 

Die BSE- und MKS-Krise veranlaßten die Bundesregierung, eine Experten-Kommission für Gesundheit und Sicherheit ins Leben zu rufen. Mitglieder dieser Kommision sind:

Je ein Vertreter der Berufsgenossenschaft, der Straßenverkehrssicherheit, der Feuerwehr, des THW, der Baupolizei, des Katastrophenschutzes;

aus der Ärzteschaft je ein Sportarzt, ein Unfallarzt, ein Unfallchirurg, ein Betriebsarzt, ein Gerontologe, ein Kinderarzt, ein Spezialist für altersgemäße Ernährung;

aus der Industrie je ein Vertreter der Nahrungsmittelindustrie, der Fahrzeugindustrie, der Elektroindustrie, der Spielzeugindustrie, der Sportgerätehersteller;

je 1 Ingenieur für Straßen- und Wegebau, für Bahnen aller Art, für Küstenschutz und Wasserwege;

1 Volkswirtschaftler, 1 Versicherungsmathematiker, 1 Finanzexperte.

Jeder der verpflichteten Teilnehmer hat drei Monate Zeit, Material über Unfallhäufigkeit, Unfallpotentiale, Kosten der Schadensfälle und Kosten der Schadensvermeidung zusammenzustellen. Der beschlußfassenden Konferenz geht eine Bestandsaufnahme aller bereits bestehenden Sicherheitsmaßnahmen voraus.

Während der Konferenz werden die volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Kosten nach Sicherheitsgraden in 10 abgestuften Niveaus errechnet.

Diese Berechnungen ergeben, daß die 3 höchsten Sicherheitsgrade unbezahlbar sind. Ihre Durchführung hätte einen Großteil der Bevölkerung unter die Armutsgrenze gebracht. Die beiden nächstniedrigen Sicherheitsstufen führen zu einem derart großen Einschnitt in den Lebensstandard, daß sie in der Bevölkerung keine Akzeptanz finden würden. So einigt man sich nach tagelangem Verhandeln auf ein bezahlbares Sicherheitsniveau.

Daraufhin werden alle schon vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen einer strengen Kosten/Nutzen-Analyse unterzogen. Auf der dabei entstandenen "Streichliste" steht an erster Stelle der überwiegende Teil bisheriger Tätigkeiten der Schornsteinfeger.

 



Lehrstück: Lehrstück: Die Krankheit der Schornsteinfeger


"Es ist doch eine elende Heilmethode, wenn man seine Gesundheit der Krankheit verdankt."

Montaigne


 

Besorgte Ärzte legen den Schornsteinfegern dringend nahe, in den vorgezogenen Ruhestand zu treten. Eine gefährliche Berufskrankheit bedrohe ihre Gesundheit ab dem 30. Lebensjahr. So bleibt nur noch jeder achte Schornsteinfeger im Dienst, der fernerhin mit Hilfe einer Atemschutzmaske gefahrlos verrichtet werden kann.

Experten überlegen, wie dennoch der Sicherheit vor Bränden und Kohlenmonoxydvergiftung Genüge zu tun sei. Sie kommen wegen des Personalmangels aber zu keinem anderen Ergebnis, als je 8 Kehrbezirke zusammen zu legen.

Feuerstättenschau durchgeführt. Das unnützerweise vor 10 Jahren eingeführte Kehren des Rauchrohres macht man wieder rückgängig. Die Abgasmessung findet alle 3 Jahre statt, bei gewarteten Anlagen macht es die Heizungsfirma. Die seither zu hoch veranschlagte Zeit für die einzelnen Tätigkeiten ist die zeitliche Reserve, um den vorgegebenen Turnus einzuhalten. Man einigt sich, daß bei einer Zunahme von Bränden und Vergiftungen, durch erhöhte Ausbildungszahlen den Turnus verkleinert würde.

Bei einer Bestandsaufnahme nach 5 Jahren kommt man überraschenderweise zu dem Ergebnis, daß der achtjährige Turnus für das Kehren ohne weiteres auf 10 Jahre gesteigert werden kann, der für das Messen bei 3 Jahren verbleiben solle.

Fiktion in dieser Geschichte ist lediglich die erfundene Berufskrankheit der Schornsteinfeger. Die Tätigkeit der Schornsteinfeger war einst durch den intensiven Umgang mit dem Ruß gesundheitsschädlich. Heute ist sie allein schon wegen des häufigen Treppensteigens der Gesundheit eher zuträglich.

Die nun seltener gekehrten, nahezu rußfreien Rückstände fallen ohnehin größtenteils auf die Kaminsohle herab. Der an den Kaminwänden verbleibende Rest birgt nicht die geringste Gefahr für Brände und Verstopfungen. Verglichen mit dem rauhen Betrieb der alle 2 Jahre gemessenen Fahrzeuge ist der dreijährige Turnus für die Abgasmessung mehr als ausreichend.

 



Emissionsmessung oder Prüfstatik?


"Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser"

Wladimir Iljitsch Lenin


Der Inhalt:

=> Fehlercheck unterschiedlicher Natur
=> Die unterschiedliche Akzeptanz doppelter Sicherheit
=> Elektrizität als häusliches Gefahrenpotential
=> Die Überbewertung der Feuerung als Gefahrenpotential
=> Die Unumstößlichkeit des Status quo

"Sicherheit ist des Unglücks erste Ursache."

Deutsches Sprichwort


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Fehlercheck unterschiedlicher Natur


 

Wer ein Haus baut, muß für dessen Statik doppelt bezahlen: für die Berechnung derselben und für deren Überprüfung (Prüfstatik). Wer eine Öl- oder Gasheizung mit einem Wartungsvertrag betreibt, muß jährlich für den Brenner doppelt bezahlen: für die Justage desselben und für deren Überprüfung(Emissionsmessung).

Die Schornsteinfeger werben mit dem Slogan:
Wer wartet darf nicht messen". Somit können sie nicht zwischen einer höchst notwendigen Sicherheitsüberprüfung und einer simplen Messkontrolle unterscheiden.

Was stünde auf dem Spiel, wenn sich in die Berechnung des Statikers ein schwerwiegender Fehler eingeschlichen hätte? Das Haus ist in Gefahr einzustürzen und die Bewohner unter sich zu begraben.
Was stünde auf dem Spiel, wenn der Brenner nicht sorgfältig eingestellt wäre? Der Wirkungsgrad der Anlage sinkt und die Abgasgrenzwerte werden überschritten.

 



Die unterschiedliche Akzeptanz doppelter Sicherheit


 

Keinem Bauherrn käme es je in den Sinn, die Prüfstatik für überflüssig zu halten. Ihre pflichtgemäße Anwendung entspricht schlicht dem gesunden Menschenverstand. Jeder Anlagenbetreiber hält aber auf Grund seines gesunden Menschenverstandes die Überprüfung der Brennereinstellung für völlig überflüssig. Wer sie aber für unabdingbar notwendig hält, sind nur die von der Messung profitierenden Schornsteinfeger, mitsamt deren vorgesetzter Behörde.

Nun ließe sich einwenden, dem Hausbesitzer säße das Hemd näher als der Rock. Was scherte ihn die geschundene Umwelt durch die vermeidbaren höheren Abgasmengen; eher schmerzten ihn die Mehrkosten durch den Mehrverbrauch seiner Anlage.

Dem ist nicht so! Die Notwendigkeit einer Doppelmessung kommt keinem nüchtern denkenden Menschen in den Sinn. Er nimmt sogar das Risiko des Mehrverbrauches in Kauf, das die Fehleinstellung verursachen könnte. Wer hat denn je erlebt, dass seine Anlage nach erfolgter Einstellung des Heizungsbauers vom Schornsteinfeger beanstandet worden ist. Somit ist der höhere Schadstoffausstoß nur mit einer äußerst geringen Wahrscheinlichkeit behaftet.

Wenn schon übertriebene Sorgfalt als notwendig erachtet wird, so sei auf ernstzunehmende häusliche Gefahrenquellen, hingewiesen. Auf deren Wichtigste, die Elektrizität, sei im Folgenden eingegangen.

 



Elektrizität als häusliches Gefahrenpotential


 

Es sind nicht nur die Leitungen und Anschlüsse, es sind auch die verschiedenartigen elektrischen Geräte, die Unfälle verursachen können. Nur dünne, leicht verletzbare Schichten aus Kunststoff, trennen die berührende Hand von dem lebensbedrohlichen elektrischen Strom. Kommt es mit dem Strom zu einem Körperkontakt, tritt häufig der Tod ein. Gewiss gibt es in neueren Hausanlagen Fehlstromschaltungen, die bei Berührung abschalten. Eine absolute Sicherheit gewährleisten auch die nicht.

Misst man mit gleicher Elle, so gebührt den elektrischen Hausanlagen eine höhere Aufmerksamkeit als der Heizungsanlage: So wäre es angebracht, in gewissen Zeitabständen alle benutzten Steckdosen und Kabel zu überprüfen. Ferner müssten alle elektrischen Geräte einem regelmäßigen Sicherheits-Check unterzogen werden.

Verrichtet ein Elektriker Arbeiten im Hause - und sei es nur das Setzen einer Steckdose - so müsste eine anschließende Überprüfung stattfinden. Nichts dergleichen wurde in der Vergangenheit jemals in Erwägung gezogen.

Der Sicherheitsprüfer von Elektroanlegen müsste eine spezielle Ausbildung haben. Gleich den Schornsteinfegern sollte er sich im Status eines beliehenen Unternehmers befinden.

Führt eine eventuelle Fehlmessung am Brenner lediglich zu einer zusätzlichen Umweltbelastung, so stehen bei Stromunfällen Menschenleben auf dem Spiel.

 



Die Überbewertung der Feuerung als Gefahrenpotential


 

Nach den Regeln einer maßvollen Verhältnismäßigkeit in der Behandlung von häuslichen Gefahrenquellen dürfte der Gesetzgeber nicht zögern, die genannten Maßnahmen zur Pflicht zu machen.
Obwohl ich keine Lanze für die Notwendigkeit der beschriebenen elektrischen Sicherheitsmaßnahmen breche, stelle ich doch die Frage, welche Ursachen die Ungleichbehandlung von Feuerungstechnik und elektrischen Anlagen im Hausbereich hat.

Die Tätigkeit der Schornsteinfeger ist tradiert im Sinne von Brandverhütung. Die häufigen Brandkatastrophen führten einst zur Kehrpflicht der Schornsteine, womit auch der Beruf des Schornsteinfegers ins Leben gerufen wurde.

Die Brandgefahr ist aber bei den heutigen Anlagen gebannt. Brennender Ruß tritt bei den Öl- und Gasfeuerungen nicht mehr in nennenswertem Maße auf. Wäre es trotzdem der Fall, so käme die Flamme des Brenners nicht mit ihm in Berührung. Denn ihre Ausdehnung beschränkt sich nur auf das Innere des Heizkessels.

Diese Tatsache ist sowohl den Schornsteinfegern als auch deren vorgesetzter Behörde bekannt. Dennoch berufen sie sich bei Begründungszwängen auf die Brandgefahr in den Rauchgaswegen.

Eine Schadensversicherung gegen Brände im Rauchgasweg ließe sich mit Sicherheit zu äußerst günstigen Bedingungen abschließen. Das bewiese, dass die brandverhütenden Sicherheitsmaßnahmen in diesem Bereich nur reines Geldscheffeln sind.

 



Die Unumstößlichkeit des Status quo


 

Der Ruf des Brandverhüters verschafft dem Schornsteinfeger das Prestige eines Sicherheitsgaranten. Sein regelmäßiger Besuch weckt bei vielen Menschen ähnliche Sicherheitsbefriedigungen wie die Präsenz der Sicherheitspolizei. Sein Ruf als Glücksbringer steigert diese noch.

Ein weiterer Faktor ist die Gängelung durch das Staatsmonopol, welche dem Prestige der Schornsteinfeger förderlich ist. Die Gebühren werden zwar ebenso ungern bezahlt wie die Steuern, aber schließlich dienen sie der häuslichen Sicherheit, die ihren Tribut fordert.

Die Höhe der Gebühren ordnet sich ein in die Kostenskala anderer notwendiger Haustechnik. Da die Beträge nur zweistellig sind, lohnt es sich nicht davon Aufhebens zu machen.

Die genannten Ursachen ließen bisher das Schornsteinfegerwesen weiterhin überproportional gedeihen. Als latentes Ärgernis behauptet es sich, aber kaum einer getraut sich, ihm die Stirn zu bieten. Verantwortungslose populistische Äußerungen von Spitzenpolitikern entmutigen noch diejenigen, die es dennoch wagen.

 



Sicherheitsstreben hat auch seine Grenze


"Der Schornsteinfeger ist fein 'raus, er fegt per Gesetz den sauberen Schornstein im Haus.
Vorbeugender Brandschutz im Elektrobereich, gegen Gebühr, per Gesetz im Privatbereich,
lechzt nach dem E-Check zu selbigem Zweck!"

leicht abgeändertes Fundstück im Internet

 

Über 'worst-case' und 'GAU'

Wer am sichersten fliegen will, benutzt nur Maschinen von Fluggesellschaften, die die relativ geringsten Absturzzahlen aufweisen. Welche es sind, sagt ihm die Statistik. Ein Sicherheitsfanatiker aber, der sich konsequenterweise am worst-case (schlimmster Fall) orientiert, besteigt kein Flugzeug; auch keines der Lufthansa.

Technisches Handeln bewegt sich in der Spanne zwischen absoluter Sicherheit und dem GAU (größter anzunehmender Unfall). Absolute Sicherheit gibt es nicht! Die Wahrscheinlichkeit eines GAU läßt sich zwar mit steigendem Sicherheitsaufwand reduzieren, aber nicht ausschließen.

Sicherheitsmaßnahmen nach Augenmaß

Jeder von uns ist ständig Gefahren ausgesetzt. Er versucht ihnen zwar aus dem Wege zu gehen, was ihm aber nicht gänzlich gelingt. Auch der geschickteste Autofahrer riskiert sein Leben, sobald er sich ans Steuer seines Wagens setzt. Der Gesetzgeber setzt zwar Hürden gegen vermeidbare Gefahren und Risiken (z.B. Anschnallpflicht beim Autofahren), kann sie aber nicht gänzlich verhindern.

Im Wohnbereich ist die größte Gefahrenquelle Leichtsinn und Unachtsamkeit bei der Handhabung moderner Haustechnik. Gegen Leichtsinn ist man machtlos, nicht aber gegen Unachtsamkeit. Diese läßt sich durch sichere und zuverlässige Geräte und Anlagen mindern. Gesetzgeber und Verbände setzen Richtlinien, um Gefahren zu minimieren. Dennoch gibt es auch dort Grenzen. Auch das von der Konstruktion her sichere Gerät wird durch leichtfertigen Umgang zu einem Gefahrenherd.

Sicherheitsrelevante Maßnahmen müssen der Kosten wegen mit Augenmaß getroffen werden. Es lassen sich nicht alle Jahre Steckdosen oder elektrische Haushaltsgeräte kontrollieren. Gleich der Verantwortung für die häusliche Hygiene obliegt die Verantwortung für den sorgfältigen Gebrauch der Hausgeräte beim Benutzer.

Elektrische Anlagen contra Feuerungen

Stromschlag kostet zahlreiche Menschenleben. Durch fehlerhafte elektrische Anlagen brennen viele Häuser nieder. Dennoch schenkt man den elektrischen Anlagen im Haus nicht die Beachtung, die ihnen zusteht. Dagegen unterliegen alle haustechnischen Anlagen, die sich einer Flamme bedienen ohne Ausnahme strengen Kontrollen. Warum diese Sonderstellung? Was für die oben beschriebene elektrische Haustechnik recht ist, sollte für die Feuerungstechnik billig sein.

Bei jeder Verbrennung vollzieht sich ein chemischer Prozeß. Von der gebändigten Flamme, wie wir sie in den Öl- und Gasbrennern vorfinden, geht keine direkte Brandgefahr aus. Gefahr besteht aber dennoch durch die Flamme: nämlich dann, wenn die beim Verbrennungsprozeß erzeugten Gase nicht ungehindert ins Freie strömen können. Das ist der Fall, wenn

1) Der Verbrennungsprozeß durch Fehleinstellung so große feste Rückstandsmengen verursacht, daß diese den Querschnitt des Abzugs allmählich verengen.

2) Wenn durch äußere Gewalt der Abgasweg verengt wird.

Ausnahmeregelungen für Feuerungen sind wenig sinnvoll

Bei den großen Querschnitten der Abzüge ist die Wahrscheinlichkeit einer Abzugsverstopfung durch die gebändigte Flamme so gering, daß die jährliche Reinigung völlig überflüssig ist. Selbst ein zehnjähriger Turnus wäre gefahrlos, denn die grobkörnigen Rückstände fallen größtenteils von alleine auf die Kaminsohle herab.

Gegen äußere Gewalt kann man sich nicht gänzlich schützen. Auch eine jährliche Feuerstättenschau böte da keine Sicherheit. Denn auch diese ist nur ein kurzes zeitliches Fenster. Da hilft nur Aufklärung, wie sie auch im Zusammenhang mit Elektrogeräten geschieht. Man kann nur an das Sicherheitsdenken eines jeden einzelnen apellieren.

Denkfehler der Schornsteinfeger und ihrer vorgesetzten Behörde

Der Status quo in Sachen Kehren und Kontrollieren der Abgaswege ist schon im Denkansatz falsch. Würden deren auf den worst-case gerichtete Maßnahmen konsequent auf sämtliche sicherheitsrelevanten Hausbereiche ausgedehnt, würde sich das Wohnen bei uns noch weiter verteuern.

Müßten dann nicht alle Lebensbereiche strengeren Kontrollen unterzogen werden? Müßten nicht auch Zwangsmaßnahmen in der Vorsorge im Gesundheitswesen folgen? Dennoch lauert trotz strengster Kontrollen in jeder Gefahrenquelle ein GAU.

Kurzum: Das Denkschema der Schornsteinfeger und ihrer vorgesetzten Behörde vermißt jeden Grad an Verhältnismäßigkeit. Dieses Denken konsequent in allen Lebensbereichen in die Tat umgesetzt, machte unser Land gewiß ein wenig sicherer, dafür aber bettelarm.

 



Gesundheitsreform nach bewährtem Muster


"Ein Zuviel an Gesundheit macht krank"

Gustave Flaubert


Der Inhalt

=> Statt eines Prologs: Die Parabel vom vorsorglichen Inselkönig
=> Satire: Gesundheitsreform analog dem 'Schornsteinfegerwesen'
=> Statt eines Epilogs: Ratschläge für Politiker

"Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit."

Ludwig Börne



Statt eines Prologs: Die Parabel vom vorsorglichen Inselkönig


 

Es lebte einst ein junger König, dessen Königreich aus einer einzigen Insel bestand. Der König herrschte noch nicht lange, als ihm die Nachricht überbracht wurde, auf dem Festland sei die Pest ausgebrochen. Da fragte er seinen Leibarzt, was er gegen die Pest tun solle. Dieser riet ihm, alle seine Untertanen gegen die Pest impfen zu lassen. Da sandte der König eine Abordnung von Ärzten auf das Festland, um abgetötete Pestbakterien als Impfstoff zu gewinnen. Damit ließ der König alle seine Untertanen gegen die Seuche impfen. Außerdem ließ der König alle Strände der Insel Tag und Nacht bewachen, damit kein Fremder die Insel betreten oder verlassen konnte.

Die Pest raffte ein Drittel der benachbarten Festlandbewohner dahin. Im Inselkönigreich aber starb niemand an der Pest, bis auf die dem riskanten Impfprozesses zum Opfer gefallenen. Als die Seuche auf dem Festland abgeklungen war, ließ der König verkünden, dass dank seiner weisen Voraussicht alle seine Untertanen von der Pest verschont geblieben seien.

Am nächsten Tag ersuchte einer der Untertanen um eine Audienz beim König. Er lobte den König ob seiner weisen Voraussicht. Dennoch sei er der Meinung, das Impfen sei nicht notwendig gewesen. Das Bewachen der Strände hätte vollauf genügt.

Daraufhin ließ der König den Rat der Weisen zu sich kommen, um ihn zu befragen.

Der erste der Weisen bekundete, des Königs Aussage wäre nur wahr, wenn nur ein Teil seiner Untertanen geimpft worden wäre. Hätten diese die Pest überlebt, und die anderen nur zum Teil, so wäre der Beweis erbracht, dass das Impfen erfolgreich gewesen sei - wenn auch nur für die geimpften Untertanen.

Der zweite der Weisen wandte ein, auch das Impfen eines Teiles der Untertanen wäre überflüssig gewesen, falls alle, Geimpfte wie nicht Geimpfte, die Seuche überlebt hätten, ausgenommen die Impfopfer.

Schließlich fasste der dritte der Weisen zusammen, dass, nachdem nun die Pest vorüber sei, niemand mehr in der Lage wäre, die Wahrheit zu finden. Denn das vorsorgliche Impfen aller Untertanen lasse danach keine exakte Aussage mehr zu. Somit sei die Suche nach der Wahrheit erfolglos.

Von nun an erkundigte sich der junge König vor wichtigen Entscheidungen bei Experten ihres Faches und beriet seine Aussagen mit seinen Weisen.

 



Satire:Gesundheitsreform analog dem 'Schornsteinfegerwesen'


 

In einem Staat, dessen Gesundheitspolitik der unseren ähnlich war, suchten vor vielen Jahren Politiker nach mehreren fehlgeschlagenen Reformen des Gesundheitswesens nach einer dauerhaften Lösung. Deswegen zogen sie sich einige Tage an einen abgelegenen Ort zurück, um sich in der Stille zu beraten. In der ersten Nacht ihres Aufenthaltes brannte ein Haus nahe dem Hotel nieder. Als beim Frühstück der Oberkellner bemerkte, Brände wie dieser seien in Deutschland nicht möglich, wurden einige der Politiker hellhörig. In Deutschland gehörten dank vorsorglichen regelmäßigen Kaminkehrens Brände von Wohnhäusern der Vergangenheit an, behauptete der Ober weiter. In früheren Zeiten, als auch in Deutschland die Kamine nicht regelmäßig gekehrt worden seien, wären auch dort häufig Häuser niedergebrannt, ergänzte der Kellner. Sein deutscher Freund, einer der dortigen Schornsteinfeger, schwöre darauf, Vorsorge sei die billigste Verhütungsmaßnahme.

Zu Beginn der Beratungen wurde der Vorschlag unterbreitet, man solle eine Abordnung deutscher Schornsteinfeger einfliegen lassen. Würde man dem Kellner Glauben schenken, sei es erwägenswert, zu überlegen, ob man die erfolgreichen deutschen Vorsorgemaßnahmen in Sachen Brände nicht auch auf das eigene Gesundheitswesen übertragen könne.

Nachdem die deutschen Schornsteinfeger ihre erfolgreichen Vorsorgemaßnahmen - durch Statistiken belegt - zur Kenntnis gebracht hatten, war die einhellige Meinung aller anwesenden Politiker, das deutsche Schornsteinfegerwesen als Musterbeispiel an Vorsorge anzuerkennen. Seine Prinzipien böten die beste Gewähr, das in der Vergangenheit stets kränkelnde Gesundheitswesen erfolgreich zu reformieren.

Es galt die Prämisse: Das deutsche Schornsteinfeger hat in der Vergangenheit bewiesen, dass dank konsequenten jährlichen Kehrens sämtlicher Kamine und Abzugsrohre - ob sauber oder schmutzig - Kaminbrände und Kaminverstopfungen verhindert worden seien. In Deutschland gehören Brandkatastrophen und Abgasvergiftungen somit fast ausnahmslos der Vergangenheit an.

Man war sich einig: Jede Art von Vorsorge schützt vor Folgeschäden. Wenn die Deutschen dank jährlichen Kaminfegens Brände und Vergiftungen zu verhindern in der Lage sind, lassen sich auch im eigenen Land durch regelmäßige Untersuchungen aller Bürger in Zukunft Krankheit und Siechtum vermeiden!

Der Gesundheitsausschuss des Parlaments ließ ein umfangreiches Gesundheitsreformprogramm ausarbeiten. Eingriffe in die Entscheidungskompetenz der Bürger erforderten eine Änderung des Grundgesetzes, der alle Parteien zustimmten.

Das neue Gesundheitsreformgesetz nahm im Eilverfahren die parlamentarischen Hürden. Wochen später war es vom Staatsoberhaupt unterzeichnet, so dass es zum folgenden Jahresbeginn in Kraft treten konnte. Das Gesetz, kurz "Gesundheitsvorsorgemaßnahmen" genannt - abgekürzt GEVOMA - galt als die Jahrhundertreform schlechthin. Das Gesetz schrieb ein allumfassendes Vorsorgeprogramm für die gesamte Bevölkerung - vom Säugling bis zum Greis - vor.

Das Motto der GEVOMA lautete: "Wer vorsorgt, erspart sich das Heilen!" Mit Hilfe einer aufwendigen Aufklärungsaktion wurde jedem Staatsbürger die Erkenntnis vermittelt, dass Vorsorgekosten Therapiekosten ersparen, dass ferner jede Art von gesundheitlicher Vorsorge der allgemeinen Volksgesundheit diene. Jeder Bürger war verpflichtet, sich den vorgeschriebenen Vorsorgemaßnahmen zu unterziehen. Nach einer generellen Einstufungsuntersuchung aller Bürger erhielt jeder einen Gesundheitspass mit dem vermerkten Gesundheitszustandslevel. Dieser war in Kennziffern von 1 bis 10 festgelegt.

Eine Auszug aus den verordneten Vorschriften zeigt die Weitsicht der Mütter und Väter von GEVOMA. Dies sei zunächst am Beispiel der vorgeschriebenen Impfprogramme verdeutlicht. Im Gesundheitsministerium wurde die Abteilung "Impfvorsorge" gebildet. Deren Aufgabe war die Festlegung und Überwachung der diversen Impfprogramme.

Im Folgenden einige Beispiele daraus:
Das bisherige Impfprogramm für Säuglinge und Kleinkinder wurde erweitert.
Die Pockenimpfung wurde wieder eingeführt.
Jeder Bürger über 60 Jahre musste sich Jahr für Jahr gegen die heranziehende Grippe impfen lassen.
Jeder Bürger musste sich gegen Borreliose impfen lassen.
Reisen in tropische Länder wurden nur Bürgern mit einem Gesundheitslevel von 1 bis 3 gestattet.

Spitzenpolitiker und Gewerkschaftler waren des Lobes voll über diese arbeitsplatzschaffenden Maßnahmen.

Ein vorgeschriebener alljährlicher Sanatoriumsaufenthalt aller Berufstätigen hatte den Nebeneffekt, die Arbeitslosigkeit restlos abzubauen. Denn der Ausfall der sich vier Wochen lang in Abwesenheit befindlichen Arbeitnehmer musste zwangsläufig durch Neueinstellungen ersetzt werden. Dadurch flossen die Mittel zur Arbeitslosenunterstützung in voller Höhe dem Gesundheitswesen zu. Die neu errichteten Sanatorien gaben den bislang vernachlässigten ländlichen Regionen einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung.

Der Gesundheits-Check der Berufstätigen erfolgte während des jährlichen Sanatoriumsaufenthaltes. Alle anderen wurden einem dreistufigen Vorsorgeprogramm unterzogen:
Der jährliche Untersuchungsturnus erfolgte ambulant, während die alle drei Jahre vorgeschriebenen umfangreicheren Untersuchungen während eines dreitägigen Klinikaufenthaltes stattfanden. Der alle 10 Jahre erfolgende große Gesundheits-Check erforderte dagegen einen einwöchigen Aufenthalt in einem der zahlreichen Sanatorien.

Das Gesundheitswesen wurde über den Staatshaushalt finanziert. Statt der bisherigen Beiträge zu den Krankenkassen wurde eine Gesundheitssteuer erhoben. Die Liquidation der Krankenkassen führte zu weiterer Freisetzung dringend benötigter Arbeitskräfte.

Da die Einführung der GEVOMA alle Lebensbereiche betraf, dauerte es Jahre, bis alle vorgeschriebenen Maßnahmen durchgeführt werden konnten. Die Industriesparte Medizintechnik prosperierte, da ein unerwartet großer Gerätepark erforderlich wurde. Die unvorhergesehen hohen Gesamtkosten wurden auf die vorübergehende Parallelität von Vorsorge und noch verbliebenen Therapiemaßnahmen zurückgeführt.
Jeder war sich sicher: Erst wenn die Vorsorgemaßnahmen voll greifen, sinken auch die Heilungskosten.

Der Finanzminister war gezwungen, von Jahr zu Jahr höhere Kredite aufnehmen. Die Staatsverschuldung wuchs ins Unermessliche. Die Inflationsrate erklomm zweistellige Werte. Im Laufe von zehn Jahren schnellte der Anteil des Gesundheitswesens am BIP von 16% auf über 40% hoch. Der Außenhandel kam fast zum Erliegen. Denn die hohen Gestehungskosten der Exportgüter verhinderten deren Absatz auf dem Weltmarkt. So kam die einst blühende exportorientierte Industrie völlig zum Erliegen. Die freigesetzten Industriearbeiter verloren den Besitzstand ihres jährlichen Sanatoriumsaufenthaltes. Somit waren die Sanatorien in ihrer Existenz bedroht. Die Arbeitslosigkeit schwoll an. Etwa 30% der Bevölkerung lebte bei der letzten Erhebung unter der Armutsgrenze.

All diesen Nachteilen zum Trotz hatte das Land im internationalen Vergleich die geringste Sterblichkeitsrate, trotz der gestiegenen hohen Selbstmordrate. Die Lebenserwartung stieg allein schon aufgrund der durch Armut bedingten einfacheren Kost. Kein anderes Land hatte einen so hohen Gesundheitsstandard wie dieses. Da seine Geburtenrate weltweit am niedrigsten lag, wuchs zwangsläufig auch der Altersdurchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Die weitere Entwicklung dieses Landes findet wegen schwindenden Interesses wenig Beachtung. Der grenzüberschreitende Reiseverkehr ist fast völlig zum Erliegen gekommen. Die Pressekorrespondenten und Vertreter der Medienanstalten rückten bereits ab. Die Botschaften sind durch Konsulate ersetzt worden. Neuere Daten über das Land sind nicht bekannt.

 



Statt eines Epilogs: Ratschläge für Politiker


 

Weitreichende Maßnahmen erfordern Expertenwissen und Augenmaß.

Persönlich Begünstigte von neuen Maßnahmen dürfen in keinem Falle als Experten herangezogen werden.

Eine Kosten-/Nutzen-Analyse ist bei allen neu eingeführten Maßnahmen unumgänglich.

Das nützliche Machbare hat seine Grenzen dann, wenn niemand es bezahlen kann und will.

Populäre Glanzstücke halten in der Regel nicht das, was sie versprechen.

Dem Volk "auf's Maul zu schauen" ist besser, als am Volk vorbei zu verordnen.

Dem Volk immer nach dem Maul zu reden macht unglaubwürdig.

Wählerfang rächt sich bitter, wenn billige Versprechen nicht zu halten sind.

Persönliche Besitzstände dürfen nicht von Dauer sein. Sie müssen von Zeit zu Zeit auf ihren allgemeinen Nutzen abgeklopft werden.

 



Sicherheit und Umwelt in schlechten Händen


"Bevor einer etwas bestreitet,
sollte er immer sagen, was er nicht bestreitet."

Chesterton (1874-1936)


 

Zum Logo der Schornsteinfeger gehört der vielsagende Text "Zum Glück gibt's den Schornsteinfeger". Auf der einen Seite suggeriert er den Ruf der Schornsteinfeger als Glücksbringer. Auf der anderen Seite weist er auf deren Unentbehrlichkeit bei Sicherheit und Umweltschutz hin. Beides ist falsch! Der Spruch ist weiter nichts als anmaßende Selbstbeweihräucherung.

Mit naivem Aberglauben sollte man sich keine Vorteile verschaffen. Die von den Schornsteinfegern ständig wiederholten Angstszenarien um die verstopften Kamine sichern ihnen das Kehrrecht auch für saubere Kamine. Zumeist werden Vogelnester als Gefahrenherde genannt. Nester bauen die Vögel aber im Frühjahr. Demnach müssten die Kamine der höheren Sicherheit wegen auch im Frühjahr gekehrt werden. Aber es wird zu jeder Jahreszeit gekehrt. Bei zeitversetzter Abgasmessung sollte es für den Schornsteinfeger selbstverständlich sein, zusätzlich per Spiegel einen kurzen prüfenden Blick in den Kamin zu werfen. Diese kurze Verrichtung sollte bei der zu komfortabel angesetzten Zeitvorgabe für das Messen mit drin sein. Dadurch würde der Kamin wenigstens 2 mal im Jahr kontrolliert werden. Hat das je ein Schornsteinfeger gemacht? Meiner sagte, nur durch Kehren könne man den Kamin kontrollieren. Wer für Sicherheit und Umweltschutz wirbt, sollte dies auch unter Beweis stellen!

Wer behauptet, das kurze Zeitfenster einmaligen jährlichen Kehrens und Messens garantiere ein Höchstmaß an Sicherheit und Umweltschutz, sagt die Unwahrheit. Moderne Technik erlaubte es, eine zuverlässige ständige Kontrolle des Kaminzuges und der Abgase zu gewährleisten. Automatische Kontrollen sind sicherer als die gegenwärtigen Methoden. Doch von Automaten wollen die Schornsteinfeger nichts wissen! Ein die Abgase durch Sensoren ständig kontrollierendes Gerät hatte bei der Lobby der Schornsteinfeger keine Chancen, zum Einsatz zu kommen. Ein solches Gerät würde bei Überschreitung der Grenzwerte den Brenner sofort abschalten. Die Anlage neu einzuregulieren und wieder einzuschalten, erforderte jedoch den Fachmann und nicht den Schornsteinfeger, der nur messen kann.

Zuverlässige Automaten haben in den Augen der Schornsteinfeger nur einen Fehler: sie sind besser als sie. Sie kontrollieren ständig und nicht nur einmal im Jahr. Wer den Einsatz solcher Geräte verhindert, handelt grob fahrlässig und ist ein Sicherheitsrisiko für Mensch und Umwelt. Ein selbstloser Schornsteinfeger müsste sich für die automatische Kontrolle von Kamin und Feuerung einsetzen. Doch damit riskierte er seinen Job.

Der gegenwärtige Ablauf nach gemessener Überschreitung der Grenzwerte ist vorsintflutlich. Der Schornsteinfeger sagt's dem Hausbesitzer oder Anlagenbetreiber, welcher den Heizungsbauer benachrichtigt. Nachdem dieser eine Neujustage vorgenommen hat, wird der Schornsteinfeger benachrichtigt, damit er die Justage des Heizungsbauers erneut kontrolliert.
Aus drei Schritten würde bei einer automatischen Kontrolle nur einer!

Die automatische Kaminkontrolle machte den Schornsteinfeger aber nur bedingt überflüssig. Sollte sie wirklich ansprechen - was ich für höchst selten halte - ist der Schornsteinfeger gefragt. Auch sollte er die wenigen noch an den Kaminwänden haftenden Rückstände, soweit sie nicht durch die Schwerkraft von alleine herabgefallen sind, im Mehrjahresturnus kehren. An Gaskaminen jedoch hat der Schornsteinfeger nichts zu suchen.

Über die wirkliche Notwendigkeit der von den Schornsteinfegern und ihren vorgesetzten Behörden propagierten Sicherheitsstandards kann man geteilter Meinung sein. Wer aber auf ein hohes Maß an Sicherheit setzt, muss sich von den gegenwärtigen Praktiken trennen. Ein moderner Industriestaat kann es sich nicht leisten, nur zweitrangige Sicherheitslösungen zu akzeptieren. Auch nicht im Interesse geopferter Arbeitsplätze. Die oben angegebenen technischen Lösungen müssen ohne Aufschub in Angriff genommen werden. Die einschlägigen exportorientierten Industrien stehen bereit. Sie schafften neue Arbeitsplätze.

Die Anlagenbetreiber würden die beschriebenen technischen Lösungen akzeptieren. Sie sind auf Dauer günstiger als die alljährlich stattfindende Belästigung mit ABM-Zwangsbeitrag. Der gegenwärtige, zur Staatsverdrossenheit neigende Unmut, würde dabei abgebaut werden.

Wenn wir schon bei den Heizungsanlagen auf einen hohen Sicherheitsstandard und höchste Schonung der Umwelt Wert legen, müssen wir schnell handeln. So, wie das gegenwärtige Schornsteinfegerwesen jede Art technischer Neuerung blockiert, um sich über Wasser zu halten, machten es einst die Weber, als die automatischen Webstühle aufkamen. Die Weber vernichteten die Webstühle, die Schornsteinfeger setzen ihre allgegenwärtige fortschrittsblockierende Lobby ein.

Ein Moratorium auf in ferner Zukunft zu fassende EU-Beschlüsse ist der falsche Weg. Laut Aussage eines EU-Kommissars ist das Schornsteinfegerwesen ein nationales Problem. Das deutsche Modell wäre ohnehin ein schlechter Ansatz.

 



Nebulose Sicherheitsnormen


"Gleiches Recht für alle!"


 

Gegenüberstellung von zwei Sicherheitsnormen


Fall 1: Die Realität

An öffentlichen Gehwegen der Stadt Böblingen befindet sich seit mehreren Jahren der folgende Hinweis:

Dieser Weg wird bei Schnee- und Eisglätte nicht geräumt und gestreut.

Benutzung auf eigene Gefahr!


Fall 2: Die Fiktion

An der Eingangstür eines Einfamilienhauses prangt seit kurzem der folgende Hinweis:

Mein Kamin gehört mir!
Für seine Sauberkeit sorge ich in Zukunft selber.

Folgeschäden auf meine Gefahr hin!


Die Begründungen


Fall 1: Die Realität

Die knappen Haushaltsmittel erlauben es nicht, alle städtischen Gehwege zu räumen und zu streuen.

Es werden nur noch die oft begangenen Wege geräumt und gestreut.


Fall 2: Die Fiktion

Die Haustechnik besteht aus Maschinen und Geräten, die an folgende Leitungen angeschlossen sind:

Elektrische Leitungen 220 Volt,
Frischwasserleitungen mit 6 bar Druck,
Abwasserleitungen mit natürlichem Gefälle,
Kamin mit natürlichem Auftrieb.

Die Elektro- Frischwasser- und Abwasserleitungen, samt der an sie angeschlossenen Maschinen und Geräte, unterstehen trotz eines Gefahrenpotentials keiner Kontroll- und Wartungspflicht.
Diese Leitungen versehen seit Jahrzehnten ihren Dienst, die Geräte sind zum Teil schon älterer Bauart.

Der Kamin, in früheren Zeiten dringend regelmäßigen Kehrens bedürftig, ist heute keine Gefahrenquelle mehr. Seit moderne Öl- und Gasheizkessel pflichtgemäß kaum noch Ruß erzeugen, bleibt der Kamin, bis auf die winzigen Mengen an unbrennbaren festen Rückstände nahezu sauber.

Aus diesem plausiblen Grund verweigere ich mich dem jährlichen Kehrzwang meines sauberen Kamins.


Die Folgen


Fall 1: Die Realität

Für die Kommune keine.

Sollte es zu einem Unfall kommen, trägt die Unfall- oder Krankenversicherung des Verunglückten die Kosten.

Die städtischen Behörden achten darauf, dass alle privaten Gehwege geräumt und gestreut werden.


Fall 2: Die Fiktion

Der Hausbesitzer wird von der Behörde aufgefordert, seinen Kamin regelmäßig vom Schornsteinfeger kehren zu lassen.

Bleibt er bei seiner Weigerung, wird neben einem Bußgeld nachgewiesenermaßen die Haustüre unter Polizeischutz gewaltsam geöffnet. Somit kann der Schornsteinfeger ungestört den sauberen Kamin kehren.

Dies wiederholt sich solange, bis endlich das in der Nazizeit verwurzelte Staatsmonopol Schornsteinfegerwesen einer vernünftigen Regelung Platz macht!

 



Fluchtwege aus des Schornsteinfegers Fängen


"Die Freiheit besteht darin, dass man alles tun kann, was dem anderen nicht schadet."

Matthias Claudius (1740 - 1815)

 

Wer mit dem Schornsteinfegerwesen in Konflikt gerät, fragt sich als erstes: "Was kann ich tun, um diese Plage endlich loszuwerden". Voraussetzung dazu ist der Verzicht auf einen Kamin oder allgemein gesprochen, einer Abgasanlage. Es gibt einige Alternativen zum Heizen ohne eine diese, die aber wesentlich aufwendiger sein können die gebräuchlichen Öl- oder Gasheizungen.

Die einfachste Lösung ist die Elektrowiderstandsheizung mit Nachtspeicheröfen. Da aber die neue Emissionsschutzverordnung neben dem Wirkungsgrad der Heizanlage auch noch den der Erzeugung des Heizmediums in Betracht zieht, kommt die Elektrowiderstandsheizung schlecht weg. Die elektrisch angetriebene Wärmepumpe jedoch macht den schlechten Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung mehr als wett. Denn sie liefert bei einer üblichen durchschnittlichen "Leistungszahl" von etwa 3 bei gleichem Stromverbrauch eine um den Faktor 3 höhere Wärmemenge als eine Elektrowiderstandsheizung. Wärmepumpen, die als einzige häusliche Wärmequelle dienen, erfordern einen ganzjährig zur Verfügung stehenden Niedertemperaturlieferanten. Dies ist in der Regel die durch Bohrung erschlossene Erdwärme.

An 3 Fällen möchte ich demonstrieren, dass vermeintlich "schornsteinfegerfreie" Alternativen durch die länderspezifische Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) entweder zu Fall gebracht werden oder im Sinne der Schornsteinfeger "schornsteinfegerfreundlich" modifiziert werden:


Fall 1: Einer aus Rheinland/Pfalz berichtete mir, dass er sich einen Ölbrennwertkessel anschaffe. Auf meinen Einwand, dass die mit Gas betriebenen Anlagen einen noch günstigeren Wirkungsgrad als die ölbetriebenen hätten, antwortete er, Gasanschluss habe er leider nicht, aber wichtig sei ihm, endlich den vermaledeiten Schornsteinfeger los zu werden.

Er hatte sich getäuscht: Zunächst wimmelte er den Schornsteinfeger ab, bis er schließlich nachgab.


Fall 2: In einer langen Odyssee mit den "schornsteinfegerspezifischen" Behörden versucht der Betreiber eines gasbetriebenen Brennwertkessels vergeblich, sich des Schornsteinfegers zu entledigen. Der Briefwechsel ist präzise dokumentiert.

Die KÜO für Baden-Württemberg wird - wie im Fall 1 - so zurechtgebogen, dass die Schornsteinfeger auch den saftigen Happen Brennwerttechnik zum Fraße hingeworfen bekommen, obwohl es das Bundesgesetz nicht vorschreibt.


Fall 3 : Einer investierte vor gut 20 Jahren in eine teure Alternativheizung : Eine Wärmepumpe für Grundlast und Warmwasser; daneben behielt er seinen bisherigen Ölheizkessel für die kältesten Tage und zur Betriebsreserve bei.

Er wurde steuerlich entlastet und durch Bundesgesetz von der Emissionsmessung befreit. Zehn Jahre später zwang ihn die neue Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) für Baden-Württemberg, vom Schornsteinfeger das Rauchrohr zwischen Heizkessel und Kamin zwingend kehren zu lassen. Der Staat gab dem Schornsteinfeger somit den ihm durch den Wegfall der Emissionsmessung entgangenen Happen seines Einkommens wieder teilweise zurück. Die Kehrmenge liegt im Grammbereich.

 



Brennstoffzellentechnik im Heizraum


"Wir befinden uns in einer Zeit gesetzesgewordener Grenzüberschreitung"

Peter Sloterdiyk


 

Auf der Hannovermesse 2002 kündigte der Heizungsbauer Vaillant an, dass er ab 2005 erdgasbetriebene Brennstoffzellen-Heizgeräte für Hausheizungen serienmäßig liefern will. Sicherlich eine schlechte Nachricht für die Schornsteinfeger in anderen Ländern. Nicht aber für die deutschen Schornsteinfeger, die sich als die "Herren der Hausheizungen" dünken (Elektroheizungen ausgenommen)!

Findige Hausbesitzer setzten in zunehmendem Maße große Hoffnungen darauf, mit der Anschaffung einer Brennwertheizung, sich endlich ihres überdrüssigen Schornsteinfegers zu entledigen. Doch weit gefehlt! Auch bei den sich zunehmend verbreitenden Brennwertkesseln hat der deutsche Schornsteinfeger seine Finger mit im Spiel. Seine rührige Lobby hat es geschafft, sich mit den fadenscheinigsten Argumenten die Ministerialbürokratie hörig zu machen, um die in jeder Hinsicht sauberen Brennwertkessel auch noch unter seine Fittiche zu nehmen.

Nun brüten sicherlich die deutschen Schornsteinfegerlobbyisten schon mit heißen Köpfen wieder über Szenarien, die geeignet sind korrupte Ministerialbeamte und blauäugige Politiker abermals gefügig zu machen, nun auch noch die Brennstoffzellentechnik an Land zu ziehen. Das Zauberwort heißt "Methan". Dieses Gas bindet den für den Brennprozess notwendigen Wasserstoff im Erdgas. Das Abfallprodukt des Methan ist Kohlendioxid, das sich messen lässt. Das ist der springende Punkt! Es entfällt zwar das Kehren, aber es kann gemessen werden.

Stupides Kehren und Messen sind nun einmal die Haupttätigkeiten der deutschen Schornsteinfeger! Alles, was sich rund um den Kamin kehren und messen lässt, unterliegt der Verfügungsgewalt der Schornsteinfeger. Diese Domäne macht ihm niemand streitig - er hat sie sich schließlich mit Hilfe des Staates erworben! Wer ihm da in die Quere kommt, wird sich die Finger verbrennen!

Soll der Hausherr sich ruhig aufspielen und selber messen und kehren - es nützt ihm nichts! Sein Bezirksschornsteinfegermeister oder dessen Geselle - zumeist selber schon "zertifizierter" Meister, der auf seinen eigenen Kehrbezirk wartet - misst trotzdem in knöpfschendrückender Manier nach. Darauf bemächtigt er sich auch noch des blitzsauberen Kamins, indem er ihn dank der in 3 Lehrjahren erworbenen Zwangshandlungen mit eisernem Besen malträtiert: zweimal rauf, zweimal runter - und damit basta! Letztendlich hält er die Hand auf und kassiert für nichts und wieder nichts!

Einen angekündigten Schornsteinfeger nicht ins Haus lassen? Owei - das gibt nichts als Ärger! Wozu haben wir denn die Polizei? Verwaltungsgerichte sind letzten Endes auch noch da. Schließlich leben wir in Deutschland!

Hoffnungen auf eine schornsteinfegerfreie Brennstoffzellentechnik können wir uns nur dann machen, wenn wir die Last des verhassten Staatsmonopols mit all seinen Fangstricken und Demütigungen bis zum Jahre 2005 abgeschüttelt haben!