Erkenntnisse und Wegweisung zum deutschen Schornsteinfegersyndrom

Im Internet befindet sich ein Netzwerk mit der Zielsetzung, die dem Bürger auferlegten sinn- und nutzlosen Zwangsmaßnahmen im Heizraum in sinnvolle Bahnen zu lenken. Wir sind nur die Spitze des Eisberges - eine ständig wachsende Zahl gleichgesinnter Bürger, die sich aller unzumutbaren "Hausbesuche" ihres Schornsteinfegers erwehren. Neben der EU gehen wir mit mehreren Bundesländern und zahlreichen Verbänden konform.

Fest steht: Das Schornsteinfegergesetz hat keine Daseinsberechtigung mehr. Statt Holz und Kohle verheizen wir überwiegend Öl und Gas. Bisherige manuelle Überwachungen sind in allen Lebensbereichen durch zuverlässigere automatische Regelungstechniken ersetzt worden. Das auch im Heizraum! Die heute zugelassenen modernen Heizungen bedürfen deshalb keiner staatlichen Kontrolle mehr. Der noch bestehende Rechtsanspruch der Schornsteinfeger verstößt damit gegen Art. 13 Abs. 7 des Grundgesetzes!

Besitzt unsere elektrifizierte Haustechnik nicht ein hohes Maß an umweltschonender Sicherheit? Die Empfehlungen des "Verbandes deutscher Elektrotechniker" (VDE) tragen neben dem sparsamen Umgang mit den benötigten kostspieligen Ressourcen dazu bei. Auch die Kfz-Technik kennt keine staatliche Zwischeninstanz. Die Technischen Überwachungsvereine (TÜV) und das Kfz-Handwerk genügen vollauf.

Steht bei der elektrifizierten Haustechnik und der Kfz-Technik nicht mehr auf dem Spiel als bei der leicht zu beherrschenden Heiztechnik? Alle zugelassenen modernen Heizkessel sind mit Sensoren ausgestattet, die bei etwa auftretenden Grenzwertüberschreitungen die Anlage sofort abschalten. Dann ist das Fachhandwerk gefragt - nicht der Schornsteinfeger! Ohne diese Mechanismen bliebe der Fehler bis zum Jahreszyklus des Schornsteinfegers unentdeckt. Sicherheit und Umweltschutz blieben dabei auf der Strecke.

Wie ist es möglich, daß sich nur in Deutschland ein derartiges Staatsmonopol mit länderspezifischen Sonderregelungen entwickeln konnte? Die Schornsteinfegerlobby ist frühzeitig dem entwicklungsbedingten Abbau ihrer bisherigen Kehrtätigkeiten mit höchst fragwürdigen Mitteln begegnet. Ihr Anbiedern bei den politischen Entscheidungsträgern brachten ihr Anfang der siebziger Jahre neue Tätigkeiten ein, die dem Fachhandwerk angemessener wären, sofern sie notwendig sind. Über die dabei angewandten Methoden läßt sich spekulieren.

Innungsbeiträge in einer Höhe, die kein werteschaffendes Handwerk kennt, verhalfen der Schornsteinfegerlobby zu einer "prall gefüllten Kriegskasse" (lt. Wirtschaftswoche). Sie schürten übertriebene Feuer- und CO-Vergiftungsängste. Diese abzubauen, wurde suggeriert,  kann niemand besser als das Schornsteinfegerhandwerk. Dies galt aber auch für die hochgepuschten Umweltschutzmaßnahmen. Nach und nach flossen den Schornsteinfegern weitere Tätigkeitsfelder zu:

Dazu gehört die überflüssige Feuerstättenschau. Ein dicker Brocken sind Kontrolle oder Kehren des bisher zu keinerlei Störungen führenden Rauchrohres im Heizraum. Aber die der jährlichen Reinigung dringend bedürftigen rußigen Ofenrohre in den Wohnräumen blieben unbeachtet. Mit Hilfe angsteinflößender Druck- oder auch "Schmiermittel"(!) sind noch weitere, dem gesunden Menschenverstand schwer vermittelbare, Tätigkeiten an Land gezogen worden.

Das Schornsteinfegermonopol verschlingt Jahr für Jahr etwa 2. Mrd. Euro. Unsere 77 Max-Planck-Institute kosten nicht mehr. Neben den an der Haustür mit wachsendem Unmut bezahlten hohen Gebühren finanziert der Steuerzahler eine Aufsichtsbehörde, welche rigoros die Einhaltung engstirniger Verordnungen mit hohem bürokratischen Aufwand überwacht.

Das "Handbuch für das Schornsteinfegerwesen in Baden-Württemberg" ist 474 Seiten stark, allein das Kapitel Gebührenverzeichnis beträgt 83 Seiten. Der Verfasser, ein Beamter im Wirtschaftsministerium, hat den Ruf eines die Belange der Schornsteinfeger verfechtenden gnadenlosen Hardliners. Die rigorosen ländereigenen Verordnungen werden ohne parlamentarische Hürden vom jeweiligen Wirtschaftsminister unterzeichnet. Dies war bis zu seinem vorzeitigen Rücktritt der Ehrenschornsteinfeger Dr. Döring. Solcherlei Ehrungen empfangen, soweit mir bekannt ist, nur Minister und Regierungspräsidenten. Der ehemalige thüringische Ministerpräsident Dr. Vogel wurde dagegen mit der Würde eines Ehrenschornsteinfegermeisters geehrt.

Geht der Rest der Welt etwa fahrlässig mit der Sicherheit seiner Bürger und der Umwelt um - nur weil er sich nicht vom deutschen Schornsteinfegersyndrom hat infizieren lassen?

In diesem Zusammenhang sei auf die berechtigten Klagen der Ärzteschaft hinzuweisen: Der Hausbesuch eines niedergelassenen Arztes bringt ihm bei einem Kassenpatienten nicht einmal die Hälfte dessen ein, was der Schornsteinfeger für seine nutzlose Haus-zu-Haus-Tätigkeit während eines seiner unerwünschten "Hausbesuche" verlangt. Der Arzt wird dringend benötigt - der Schornsteinfeger muß zähneknirschend ertragen werden!

Ich sehe das endgültige Aus des Schornsteinfegergesetzes im Zuge einer völligen Liberalisierung der unvermeidbaren sicherheits- und umweltrelevanten Tätigkeiten im Heizraum als den Lackmustest unserer Reformfähigkeit. Unsere westlichen Nachbarn könnten uns dabei Orientierungshilfe leisten!