Modernes Berufsbild zwischen Schizophrenie und Anmaßung


"Ordnung ist etwas Künstliches. Das Natürliche ist das Chaos."

Arthur Schnitzler


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Zu den Seiten

===> Kritiker aus freien Stücken?
===> Ein kritischer Blick hinter die Kulissen
===> Relikt Schornsteinfegerwesen
===> Berufsbild Schornsteinfeger
===> Raffgier als Berufsmerkmal

==> Mühsames Kehren gegen die Schwerkraft
==> Blankes Entsetzen über deutsche Mentalität
==> Auszug aus der Typologie
==> Gegensätze: Wegelagerer und Schornsteinfeger
==> Was es bei den Goldgräbern zu lernen gibt
==> Zwei Suchmeldungen
==> Mängelfotos zur Imagepflege
==> Das Geschäft mit Verstopfungsängsten
==> Halbwahrheiten zur Existenzsicherung
==> Weitere dunkle Seiten des Schornsteinfegerwesens
==> Sonderwirtschaftzone Kehrbezirk
==> Schornsteinfegers Fluchtweg nach Forsa

 

"Eher beginnt der Kuckuck mit dem Nestbau, bevor ein deutscher Schornsteinfeger eine an ihn gerichtete Frage präzise und wahr beantwortet."

Dem Aphorismenbüchlein der Sophia entnommen



Mühsames Kehren gegen die Schwerkraft


"Schlafende Konkurrenten sind uns schon immer sympathisch gewesen."

Georg Kofler


 

Wenn der Schornsteinfeger das Haus betritt, um bei einer der üblichen Ölheizungen den Kamin zu kehren, liegt ein Teil der festen Verbrennungsrückstände bereits auf der Kaminsohle. Umso mehr, je glatter die Kaminwände sind. Rauhe Wände mit gesäuberten Poren wirken auf die Rückstände wie ein Schwamm. Erst wenn sich die Poren zugesetzt haben, fallen die Rückstände durch die Schwerkraft herab. Deshalb kehrt der Schornsteinfeger jedes Mal äußerst gründlich den fast sauberen Kamin - gewöhnlich zweimal rauf und runter.

Damit kommt der Schornsteinfeger der Erdanziehung zuvor. Zudem weckt zweimaliges Kehren den Eindruck von Sorgfalt. Bei einmaligen Kehren wäre auch die Lücke zwischen der Zeitvorgabe und der tatsächlichen Arbeitszeit viel zu groß. Also beschäftigt man sich auch der Optik wegen etwas länger als notwendig mit dem Kamin.

Seit mir klar ist, wie unsinnig häufiges Kehren des Kamins ist, säubere ich seit einigen Jahren die Kaminsohle, bevor der Schornsteinfeger kommt. Aus meinem Kamin mit etwa 5 qm rauher Wandfläche kratzte der Schornsteinfeger zuletzt 140 Gramm, einschließlich steiniger Reste, aus den Kaminwänden. Als vor Jahren der Geselle nur einmal kehrte, war es etwa die Hälfte. Sicherlich spielt auch die Qualität des Kehrbesens eine Rolle.

Meine bittere Erkenntnis: Überall dort, wo es den klebrigen Ruß nicht mehr gibt, steht der Schornsteinfeger - im Interesse seiner Besitzstandswahrung - in harter Konkurrenz mit der Schwerkraft! Mehrjährige Kehrabstinenz würde meine These beweisen.

Doch den Beweis fürchten die Schornsteinfeger wie der Teufel das Weihwasser. So entstand bei abnehmendem Rußanfall auch noch die Angstmache mit den Vogelnestern und anderen Verstopfungsmöglichkeiten der Kamine. Allein das Kehren als zuverlässige Querschnittskontrolle wird von den Schornsteinfegern und ihren willfährigen vorgesetzten staatlichen Schutzpatronen als die Gewähr für zugige Kamine propagiert. Wenn außerdem auch noch die Brandgefahr heraufbeschworen wird, so ist das eine weitere Lüge.

Resümee: Doppeltes Kehren in häufiger Folge wetteifert mit der Schwerkraft und weckt zudem den Eindruck von Solidität! Die Mehrzahl der Leute durchschaut den Schwindel nicht und wähnt sich in guten Händen.

 



Blankes Entsetzen über deutsche Mentalität


 

Als email eingegangen am 22.11.2001:

Hallo Paul,

Zum glück finde ich deine Seite. Heute morgen war jemanden bei mir an der tür und sagte mir "Ich bin der schornsteinfeger" woraufhin ich erwiderte und ich der Blumenhändler. Er war völlig überfordert und sagte mir er würde meine gastherme kontrollieren. Ich sagte ihm davon weis ich nichts, und habe ihm die Tür gewiesen.

Er war mit dieser situation noch mehr überfordert. Ich sagte ihm er müsse sich ein termin holen dann würden wir weiter sehen.

Ich bin holländer und seit 6 jahre in deutschland, habe eine deutsche frau und seit kurzem ein eigenes haus. Demnach war das das erste mal das ich mit so eine "lizenz zum gelddrücken" in berührung kam.

Ich habe eine karte mit telefonnummer bekommen, mein personal (ich bin selbständig) gefragt ob die auch den schornsteinfeger bezahlen würden, das würden die, woraufhin ich gefragt habe warum. Die antwort erschlug mich total : WEIL ES SO IST, und WEIL MEIN VATER DAS AUCH SCHON GEMACHT HAT...!!!!!

Das sind für mich keine Argumente.

Ich habe jetzt in erfahrung bringen können das es ein Bundesgesetz für emmissionschutz gibt und daran angelehnt sind verordnungen, bei uns das kehr und überprüfungsordnung des landes niedersachsen. Die dame vom ordnungsamt schickt mir die gesetze zu damit ich wenigstens weiss wofür ich bezahle.

Meine frage, gibt es eine verein der sich verweigert diese sache zu zu lassen, und es auf eine verfassungsrechtsfrage ankommen lässt. Wenn ja wo finde ich die und wie trete ich ein.

Mfg
Paul Willemsen
Oldenburg

Veröffentlicht mit Genehmigung des Absenders.

 



Auszug aus der Typologie


"Was ist unser höchstes Gesetz? Unser eigener Vorteil."

Johann Wolfgang von Goethe


"Neudeutsche Spezies"

Eine Variante des "homo oecologicus" macht sich hierzulande breit:

Die Spezies 'homo ego oekologicus'


Ihr Leitmotiv sind Ökologie und Umwelt.

Triebfeder ihres Handelns sind Wichtigtuerei und anmaßender Egoismus.

Eine ihrer Untervarianten macht sich außerdem noch die Urängste vor Schadensfeuer und neuerdings auch noch vor dem tödlichen Kohlenmonoxyd zunutze.

Außerdem profitiert sie auch noch von weitverbreitetem primitivem Aberglauben.

Ihre Schutzpatrone sind eine willfährige Beamtenschaft.

 

Der umhegte raffgierige Typ

Er mißt und bestätigt für fürstlichen Lohn Jahr für Jahr, daß der Heizkessel umweltfreundlich arbeite und nur noch einen klitzekleinen Rest Ruß herausblase.

Diesen klitzekleinen Rest aber fegt er
- der Schornsteinfeger -
- staatlich sanktioniert,
Jahr für Jahr mit seinem goldenen Besen.

Ruhigen Gewissens läßt er sich auch das noch versilbern.



Wegelagerer und Schornsteinfeger


"Wer Schornsteinfeger Wegelagerern gleichsetzt, sagt die Unwahrheit.
Das Gegenteil ist der Fall."


Zur Klarstellung eine vergleichende Gegenüberstellung


Wegelagerer lauerten ihren Opfern auf

Schornsteinfeger kündigen sich vorher an

 

Wegelagerer verstießen gegen das Gesetz

Schornsteinfeger sind Nutznießer des Gesetzes

 

Wegelagerer waren arme Teufel

Schornsteinfeger hocken auf ihren Pfründen

 

Wegelagerer wurden geächtet

Schornsteinfeger werden als Glücksbringer geschätzt

 

Wegelagerer mieden die Staatsgewalt

Schornsteinfeger nehmen sie in Anspruch

 

Wegelagerer hatten keine Fürsprecher

Schornsteinfeger pochen auf ihre Fürsprecher

 

Wegelagerer gingen Potentaten aus dem Weg

Schornsteinfeger biedern sich solchen an

 

Wegelagerer lebten chaotisch

Schornsteinfeger leben fürstlich

 

Wegelagerer waren allseits gefürchtet

Schornsteinfeger werden zwangsläufig geduldet

 

Wegelagerer lebten fernab von ihren Opfern

Schornsteinfeger leben mitten unter ihnen

 

Wegelagerer hatten ihr eigenes Beuterevier

Schornsteinfeger haben ihren eigenen Kehrbezirk

 

Wegelagerer zählten sich zu den Freibeutern

Schornsteinfeger zählen sich zu den Handwerkern

 

Wegelagerer endeten zumeist im Knast

Schornsteinfeger genießen ihren Ruhestand

 

Wegelagerer raubten, was nicht niet- und nagelfest war

Schornsteinfeger kassieren sogar für das, was sie nicht taten

 

Wegelagerer sind hierzulande gottlob Vergangenheit

Schornsteinfeger sind hierzulande immer noch Gegenwart



Was es bei den Goldgräbern zu lernen gibt


"Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, dass er sie verdient hat."

Tacitus (55-116)


Die Claims sind schon abgesteckt

Bei den Goldgräbern ist es das Gold, bei den Schornsteinfegern ist es der Ruß.

Bei den Goldgräbern garantiert der Claim die Schürfrechte.
Bei den Schornsteinfegern garantiert der Kehrbezirk die Kehrrechte.

Findet der Goldgräber kein Gold mehr in seinem Claim, dann verläßt er ihn.

 

Maßloses Kehren und Kontrollieren

Findet aber der Schornsteinfeger keinen Ruß mehr in den Schornsteinen seines Kehrbezirks, dann lassen sich andere für ihn etwas einfallen:

Er darf die Kamine weiterhin kehren - nur nicht mehr so oft.
Brennbares gibt es dort zwar nichts mehr.

Man erschließt ihm weitere Kehrgründe:
Auch dort lohnt es sich nicht zu kehren: bei den Rauchrohren.

Man läßt ihn alle fünf Jahre seine Kehrobjekte gesondert in Augenschein nehmen, obwohl er sie alle Jahre beim Kehren sieht.
Dies nennt man Feuerstättenschau.

Wer verantwortet diese überflüssigen sinnlosen und kostspieligen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM)?

 

Messen, messen und nochmals messen

Man überträgt dem Schornsteinfeger das Messen der Abgase von Heizungsanlagen, was dem TÜV besser anstünde und der Heizungsbauer in vielen Fällen ohnehin tut.
Jedem anderen Handwerker traut man, aber dem Heizungsbauer traut man nicht. Ihn kontrolliert der Schornsteinfeger alle Jahre.

Da schafft sich jemand zum gleichen Zeitpunkt einen neuen Ölheizkessel und ein neues Auto an.
Bevor er sein Auto erstmals zur Abgasmessung bringen muß, hat der Schornsteinfeger seinen Ölbrenner schon dreimal kontrolliert und die vierte Kontrolle ist schon wieder fällig.

Das Auto wird viel gefahren: es verbraucht mehr Treibstoff wie die Ölfeuerung im Niedrigenergiehaus.
Das Auto wird bei Wind und Wetter und an heißen Sommertagen gefahren.
Der Ölbrenner arbeitet stationär unter konstanten Betriebsbedingungen.

Müßte das Auto nicht häufiger kontrolliert werden wie die Ölfeuerung?

Wer trägt die Verantwortung dafür, daß es umgekehrt ist?



Zwei Suchmeldungen


"Mein Gewissen beißt mich nicht."

Hiob 27,6


Vorbemerkungen

1

Als die deutschen Kriegsverbrecher nach dem 2.Weltkrieg von den Alliierten zur Verantwortung gezogen wurden, beriefen sich alle auf ihre Pflicht. Vom Gewissen war kaum die Rede.

Das ist längst Geschichte und wiederholt sich hoffentlich nicht noch einmal auf deutschem Boden. Jetzt leben wir in einem demokratischen Rechtsstaat, der die früheren Verbrechen nicht mehr zuließe.

 

2

Fragt man einen Schornsteinfeger (die maskuline Form schließt Schornsteinfegerinnen ein), warum er uns von Jahr zu Jahr belästigt, um für gutes Geld eine Handvoll Dreck aus dem Kamin zu kehren, so mag er antworten, das verlange das Gesetz. Der Schornsteinfeger hat das Gesetz nicht gemacht, denn er ist nur ein vom Staat beauftragter beliehener Unternehmer.

Beriefe sich der Schornsteinfeger statt auf das Gesetz auf Vernunft und Gewissen, so verminderte sich sein Einkommen. Also tut er seine Pflicht! Das fällt ihm sicher nicht leicht.


Die Suchmeldungen

1

Suchmeldung 1:

Suche den Schornsteinfeger, der mindestens einmal auf das Kehren eines Kamins verzichtet hat, aus dem er in den vorangegangenen Jahren bei aller Kehrmühe nicht mehr als eine Handvoll grauen kernigen Zeugs zu kehren in der Lage war.


Der Gesuchte muß neben der eigenen Arbeitsersparnis großherzig auf das sauer verdiente Geld des hochverschuldeten Häuslebauers verzichtet haben.

Personen, die die genannte Bedingung erfüllen, mögen sich mit vollem Namen in das Gästebuch eintragen. Nur seriöse Einträge werden freigegeben.

 

2

Suchmeldung 2:

Suche den Schornsteinfeger, der zum x-ten Male Jahr für Jahr erfolgreich die Emissionsmessung bei einer gewarteten Anlage vornahm, bei der er, aufgrund der geringen Menge des Kehrgutes erkennen konnte, dass die Anlage im Jahr nicht mehr Öl verbraucht wie sein PKW Benzin.

Der Gesuchte muß aus freien Stücken - gemäß dem Gleichheitsgrundsatz und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn - auch seinen PKW Jahr für Jahr zum TÜV bringen, damit dieser die ASU vornimmt. Was der Heizung recht ist, ist dem Auto billig!

Personen, die die genannte Bedingung erfüllen, mögen sich mit vollem Namen in das Gästebuch eintragen. Nur seriöse Einträge werden freigegeben.



Mängelfotos zur Imagepflege

(Zustand Sommer 2001)


"Der größte Feind des Rechts ist das Vorrecht."

Maria von Ebner-Eschenbach


 

Es ist unumstritten, daß das deutsche Schornsteinfegergesetz mit seinen festen Kehrbezirken in der Nazizeit als Staatsmonopol erlassen wurde. Bot doch das damals mehrmalig notwendige Kehren der Kamine, samt dem Entfernen des Kehrgutes, einen ebenso oft erzwungenen Zutritt in die Häuser.

Vertraute man diese Tätigkeit regimehörigen Personen an, so ließ sich die betroffene Bevölkerung einer ständigen regelmäßigen Bespitzelung unterziehen. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass "Alte Kämpfer", d.h. langjährige NSDAP-Mitglieder, als Schornsteinfeger bevorzugt wurden.

Die heutigen Schornsteinfeger haben mit dieser Erblast gewiss nichts mehr zu tun. Dennoch lassen sich in gewissen Verhaltensweisen Parallelen zu früherem Spitzeltum erkennen. Auf Homepages werden sogenannte Mängelfotos gezeigt; es gibt sogar ein "Mängelfoto der Woche". Diese Fotos zeigen Anlagenteile im Heizungsbereich, die sicherlich als berechtigte Gefahrenquellen gelten mögen. Die Kollegen werden ermuntert, weitere Mängelfotos zu liefern.

Es stellt sich nun die Frage, wie ein mit Kehrbesen und Messköfferchen ausgestatteter Schornsteinfeger es schafft, kompromittierende Fotos zu schießen. Gäbe es nicht das Schornsteinfegergesetz, so wäre allein schon der lästige unerwünschte Besuch des Schornsteinfegers Hausfriedensbruch. Dass das Schornsteinfegergesetz aber auch noch erlauben soll, wild darauf los zu fotografieren, ist nicht belegt. Fotografieren bleibt in §13 des Schornsteinfegergesetzes jedenfalls unerwähnt.

Ich gehe davon aus, dass die betroffenen Hausbesitzer pflichtgemäß über die dargestellten Mängel - soweit sie in den Verantwortungsbereich der Schornsteinfeger fallen - in Kenntnis gesetzt worden sind. Es gehört aber gewiss nicht in den Aufgabenbereich eines Schornsteinfegers, widerrechtlich erstandene Mängelfotos einer breiten Öffentlichkeit zum Zwecke der eigenen Imagepflege zu zeigen. Rufschädigend ist dieses Verhalten zweifellos.

Es wäre interessant zu wissen, ob die betroffenen Hausbesitzer von der Existenz der Mängelfotos wissen; ob sie, falls dies zutrifft, deren Veröffentlichung zugestimmt haben. Ich erwarte eine alsbaldige Stellungnahme dazu.

Eine Stellungnahme ist nie eingetroffen. Statt dessen verschwand die Homepage mit den Mängelfotos zum 1.Februar 2002 aus dem Netz.

 



Das Geschäft mit Verstopfungsängsten


"Die Angst wird sich immer Götzen schaffen"

Honore de Balzac

 

Angstkeule "Nestbau der Dohlen"

In der Skale der Beweggründe für das Kehren sauberer Kamine ist immer wieder die Rede von Vogelnestern. Da aber der Nestbau während der Heizperiode zu Gange ist, dürfte sich kein Vogel der Gefahr der Verbrennung aussetzen. Abgesehen davon gelingt es keinem Vogel in einen der üblichen Schornsteine zu fliegen.
In den Kieler Nachrichten vom 5.1.2001 findet sich folgender, von einem Schornsteinfegermeister inspirierte Text, der im Zusammenhang mit einer tödlichen Kohlenmonoxyd-Vergiftung entstand. Er hat die Überschrift "Dohlen-Nester in Schornsteinen: Warnsignale ernst nehmen".

"Im Frühjahr nutzen die höhlenbrütenden Dohlen ältere gemauerte Schornsteine in der Nähe größerer Bäume zum Bau ihrer Nester. Probeweise schmeißen die intelligenten Tiere Ästchen hinein oder klemmen sie fest. Scheint sich der Schornstein für ihre Zwecke zu eignen, entsteht schnell ein mit leichten Materialien ausgepolstertes Nest, das bis zu fünf(?) Meter hoch sein kann. Wird dann die Heizung angeworfen, entwickelt sich durch die Abgase Feuchtigkeit im Nest, und der Schornstein setzt sich zu.. ."

Es handelt sich wohl um einen gelegentlich benutzten Schornstein. Es ist die Taktik der Schornsteinfeger, Exoten von Schornsteinen zu benennen, um mit ihnen die Vogelnestgefahr zu beweisen. Daraus wird der dringende Kehrzwang auch sauberer Kamine plausibel gemacht.

Wären die Schornsteinfeger von der Gefahr durch Dohlennester wirklich überzeugt, so würden sie sich bei den zuständigen Behörden für die pflichtgemäße Anbringung von Dohlengittern in gefährdeten Bezirken einsetzen, wie es in anderen Fällen mit Erfolg geschieht. Sie tun es aber nicht, denn es wäre zu ihrem Schaden. Denn die Angstkeule "Vogelnester" entfiele damit.

Angstkeule "Verstopftes Rauchrohr"

Kein Mensch kümmerte sich bis zum Jahre 1984 um die Verbindung vom Heizkessel zum Kamin, das sogenannte Rauchrohr. Offenbar gaben Rauchrohre zu keinerlei Klagen Anlaß. Das änderte sich sprunghaft, als Professor Rawe im Auftrag des Wirtschaftsministerium (WM) von NRW Messungen zur Ermittlung der Rückstandsmengen bei der Verbrennung von Öl und Gas durchführte. Rawe veröffentlichte ein entsprechendes Gutachten. Die Kehrzyklen durch den Schornsteinfeger wurden daraufhin, wie er mir mitteilte, in NRW reduziert.

Rawe stellte wohl fest, dass die Rauchrohre in vielen Fällen Rückstände aufwiesen, sie also nicht regelmäßig gekehrt worden sind. Obwohl bis dahin weder eine Verstopfung noch ein Rauchrohrbrand nachzuweisen war, wurden die Rauchrohre dennoch in die Obhut der Schornsteinfeger verwiesen. Die Begründung ist haarsträubend:

"...dass nicht regelmäßig gekehrte Rauchrohre ein beachtliches Gefahrenpotential aufweisen, da der Rußbesatz in ihnen am größten ist und erst im Verlauf der Strömungsstrecke der Rauchgase bis zum Eintritt ins Freie hin abnimmt. Das Rauchrohr als Verbindungsstück ist als Hauptursache für mögliche Störfaktoren zu qualifizieren.. ..Wie schon dargelegt, gibt es in Deutschland keine Statistik, die darüber Auskunft geben könnte, bei wie vielen Bränden zugesetzte Rauchrohre oder Schornsteine die Brandursache waren".

Das Ziel ist erreicht, den Schornsteinfegern ist eine neue Aufgabe zugeschanzt worden. Da nun alle Rauchrohre jährlich gekehrt oder kontrolliert werden, pocht man nun auf die damit erlangte Sicherheit. Dass es auch vorher keine Zwischenfälle gab, kommt nicht mehr zur Sprache.

 



Halbwahrheiten zur Existenzsicherung


"Die Halbwahrheit ist die große Schwester der Lüge"

Manfred Strahl


Der Inhalt

===> Ein probates Mittel: Die Halbwahrheit
===> Das gegenwärtige hohe Ansehen der Schornsteinfeger
===> Ursache der überwiegenden Akzeptanz der Schornsteinfeger
===> Halbwahrheit 1: Wegen der Vogelnester muss der Kamin gekehrt werden
===> Halbwahrheit 2: Auch bei Gaskesseln muss der Kamin gekehrt werden



Ein probates Mittel: Die Halbwahrheit


 

Jemandem die halbe Wahrheit zu sagen heißt, ihm die andere Hälfte zu verschweigen.

Wer so handelt, greift nicht zur Lüge. Aber er greift zur Täuschung, da er nicht die ganze Wahrheit sagt.

Die Lüge ist leichter zu durchschauen als die Täuschung. Deshalb wird die Täuschung dann angewandt, wenn man sich mit ihr Vorteile zu verschaffen sucht.

Dem Kontrahenten wird nur die Seite der Medaille gezeigt, welche die größten Vorteile verspricht.

Daraus getroffene Entscheidungen sind Fehlentscheidungen mit brüchigem Fundament.

Den Umgang mit Halbwahrheiten beherrschen die Schornsteinfeger meisterhaft!

 



Das gegenwärtige hohe Ansehen der Schornsteinfeger


 

Mehr als 25% der Deutschen sind abergläubisch.

Lt. Forsa-Umfrage akzeptiert die Mehrheit der Bevölkerung die Tätigkeit der Schornsteinfeger.

Jedes Neujahr bringt die Schornsteinfeger als Glücksbringer im Kreise unserer politischen Elite in das Licht der Öffentlichkeit.

Worte des Bundeskanzlers:
"In einem schriftlichen Grußwort zur Tagung der schwarzen Männer und Frauen hat Schröder herausgestellt, dass die Schornsteinfeger, zur besseren Energieeinsparung, ein Mehr an Aufgaben wahrnehmen sollten."

 



Ursache der überwiegenden Akzeptanz der Schornsteinfeger


 

Gegen den Aberglauben ist kein Kraut gewachsen. Daß aber unsere politische Elite dem Aberglauben durch die Neujahrsempfänge und anderen öffentlichen Anlässen Vorschub leistet, ist unverantwortlich!

In der Bevölkerung herrscht die Ansicht vor, dass es ohne die Schornsteinfeger zu häufigen Bränden käme und die Umwelt ohne sie noch größeren Schaden erlitte. Die meisten Menschen wohnen in Miete und wissen nichts von den hohen Kosten der Schornsteinfeger.

Ein Teil der Unzufriedenen stört sich lediglich an den viel zu hohen Gebühren. Vielfach verbreitet ist die Ansicht, dass dem Schornsteinfeger nur ein Teil davon gehört.

Nur eine winzige Bevölkerungsschicht hat das Schornsteinfegerwesen durchschaut. Es sind dies zumeist Naturwissenschaftler, Ingenieure und Techniker, die sich kein X für ein U vormachen lassen.

In den folgenden Absätzen skizziere ich zwei der häufigsten Halbwahrheiten der Schornsteinfeger, mit Hilfe derer sie sich ein Alibi für ihre unersetzbare gegenwärtige Existenzberechtigung verschaffen.

 



Halbwahrheit 1: Wegen der Vogelnester muss der Kamin gekehrt werden


 

Die Vögel bauen ihre Nester dorthin, wo sie ihre Brut vor äußeren Einflüssen geschützt sehen. Warum nicht auch an den von außen zugänglichen Öffnungen unbenutzter oder nur gelegentlich benutzter Kamine.
Sie bauen ihre Nester aber nicht in ständig benutzte Kamine. Ebenso wenig in Kamine, die nur während der Heizperiode benutzt werden, da während der Nestbauzeit noch geheizt wird. Kamine, die für den Nestbau in Frage kämen, sind überschaubar und zudem äußerst selten.

Dennoch berufen sich die Schornsteinfeger auf die latente Gefahr der Vogelnester in den Kaminen. Sie weisen auch auf Vogelkadaver hin, die den Kamin verstopfen könnten.

Es gibt keine Statistik über vorgefundene Vogelnester in Kaminen, die zu Schäden hätten führen können, wenn sie der Schornsteinfeger nicht entdeckt hätte. Es wird nur immer wieder darauf hingewiesen, dass man der potentiellen Gefahr durch regelmäßiges jährliches Kehren begegnen müsse.

Nachdem man den herbeigebeteten potentiellen Gefahren durch kostspielige Maßnahmen den Schrecken genommen hat, lässt sich nicht mehr nachweisen, ob sie auch tatsächlich aufgetreten wären. In diesem Zustand traut sich niemand mehr, den Beweis zu erbringen.

Auf dieser Welle reiten die Schornsteinfeger. Sie können nichts beweisen. Deshalb bauen sie den Popanz "potentielle Gefahren" auf, mit dem sie die staatlichen Entscheidungsträger ängstigen. Die Folge ist die Beibehaltung des Status quo. So wechselte die bisherige Notwendigkeit des Kaminkehrens zur Beseitigung des brennbaren Rußes in die vorsorgliche Beseitigung eventueller Vogelnester.

Die Halbwahrheit dabei ist das Verschweigen der äußerst geringen Wahrscheinlichkeit von Vogelnestern in benutzten Kaminen. Diese zu erkennen, genügte auch die simple Spiegelprobe, falls man der Angstmache der Schornsteinfeger Glauben schenkt.

 



Halbwahrheit 2: Auch bei Gaskesseln muss der Kamin gekehrt werden


 

Gas hinterlässt bei optimaler Verbrennung keine Rückstände. Mangelt es aber an Sauerstoff, so bildet sich Ruß, der sich an den Wandungen der Abgaswege festsetzt. Daraus ersehen die Schornsteinfeger die Notwendigkeit, zur Vermeidung von Kaminbränden auch bei Gasheizungen regelmäßig den Kamin zu kehren.

Die Schornsteinfeger wissen auch, dass bei den Anlagen mit Gas- oder Ölbrennern keine Flamme die Abgaswege erreichen kann, um etwa vorhandenen Ruß zu entzünden. Dennoch schüren die Schornsteinfeger Ängste vor möglichen Kaminbränden durch den Ruß. Die daraus abgeleitete dringende Notwendigkeit des Kaminkehrens ist die mitgeteilte eine Hälfte der Wahrheit.

Die andere Hälfte ist der beharrliche Widerstand der Schornsteinfeger gegen den Einsatz der Sensortechnik. Diese würde bei geringen, aber noch tolerierbaren Abweichungen von den Sollwerten, eine Warnlampe zum Leuchten bringen; beim Überschreiten der Toleranzgrenze den Brenner abschalten. Rußbildung wäre somit völlig ausgeschlossen.

Die Sensortechnik garantiert einen optimalen Betriebszustand der Anlage über das ganze Jahr hinweg, der Schornsteinfeger aber nicht! Somit ist die Sensortechnik der gegenwärtigen Messpraxis weit überlegen. Die einmaligen Anschaffungskosten amortisierten sich bei einer generellen Einführung der Sensortechnik bei neuen Brennern in wenigen Jahren. Denn die alljährliche Belästigung und die hohen Kosten durch den Schornsteinfeger fallen gänzlich weg.

Die Sensortechnik wird heute in allen Industriesparten in großem Maße angewandt. Ohne die beharrliche Blockade der Schornsteinfeger wäre sie längst Standard in den häuslichen Heizanlagen. Kein Brenner ließe sich noch ohne sie verkaufen. Sowohl der Universalsensor für die Abgase als auch der für die Kaminzugkontrolle gehörten zum Lieferumfang eines jeden Brenners. Die Sensoren würden bei der Montage desselben in je eine Messöffnung im Abgaskanal und an der Kaminsohle angebracht.

Die Verarbeitung der Messdaten geschähe im ohnehin integrierten Mikroprozessor des Brenners. Dieser steuerte nun zusätzlich noch die Warnlampe und das Abschaltrelais.

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Weitere dunkle Seiten des Schornsteinfegerwesens


"Wo immer es Leute gibt, gibt es Korruption.
Wenn sie die Korruption abschaffen wollen,
müssen sie die Leute abschaffen."

Topou IV


Der Inhalt

==> Siegfried Gall im Gästebuch
==> Artur Bernhard antwortet



Siegfried Gall im Gästebuch


 

...Wollen Sie damit sagen das die Vertreter von 23 Behörden, Firmen und Verbänden (3. Petition) die vor der Änderung der KÜO in Baden-Würtemberg angehört wurden, auf irgendeine Art und Weise beeinflusst wurden?

Womöglich mit den "... wovon sich 2,78 Mill. DM die Innungen abzweigen, ohne dass sie hierfür einen Verwendungsnachweis vorlegen.", wie der Herr Bernhard den Schornsteinfegern vorwirft?

Weiß Herr Bernhard etwa nicht das jede Innung, in jedem Handwerk (also auch die Heizungsbauer), eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist? Sollten Ihm die einschlägigen Vorschriften über Körperschaften des öffentlichen Rechts unbekannt sein? Und falls er sie kennt, ...?

Auch seine Argumente: "Man verweigert dem Fachhandwerk die Rechte, welche das Kfz-Handwerk in der Durchführung der Abgassonderuntersuchung der Motoren besitzt." und "... wird die schwachsinnige Behauptung verbreitet, Wer Wartungsarbeiten durchführt, kann nicht gleichzeitig messen."

Davon abgesehen das der Grundsatz "Wer prüft darf nicht warten und wer wartete darf nicht prüfen" heißt, sollte Herrn Bernhard der Bericht in der "ADAC Motorwelt, Ausgabe Februar 2000" unbekannt sein?

Der ausführliche Report zeigte auf, wie gut 43 Auto-Werkstätten bei der Abgasuntersuchung (AU) arbeiteten. Die Tester kamen zu dem Ergebnis, dass nur die Hälfte der Werkstätten den Auftrag einwandfrei erfüllen konnten. Häufig wurde gepfuscht, manchmal sogar betrogen. Wie schwachsinnig ist die Trennung von Kontrolle und Wartung?

 



Artur Bernhard antwortet


 

Sehr geehrter Herr Siegfried Gall,

danke für Ihre Antwort auf der Homepage www.Schofeg.de.

Den Vorwurf der Bestechung bei der Beratung zur Änderung der KÜO in BW habe ich nicht erhoben. Die Methoden des Ministeriums, die Schornsteinfeger zu unterstützen, sind viel feiner als die der Bestechung.

Das Protokoll der Besprechung zur Änderung der KÜO war uns vom Wirtschaftsministerium zugesagt, wurde mir aber trotz Mahnungen nie zugesandt. Nach mehr als 1 1/2 Jahren, als sich niemand mehr an das über 2 Tage lang Gesprochene erinnern konnte, teilte Herr Stehmer auf Anfrage mit, man sei nicht in der Lage gewesen, ein Protokoll zu schreiben. Dahinter steckt doch System!

So verhindert man, daß für die Schornsteinfegerarbeiten nachteilige Feststellungen zu Papier kommen. So wird's also gemacht! Dazu braucht man kein Innungsgeld einzusetzen, um die 23 Behörden, Firmen und Verbände im gewünschten Sinne "zurechtzubiegen".

Es soll auch einmal klargestellt werden, daß das Gewaltenmonopol beim Staat liegt. Er beauftragt die Schornsteinfeger nur mit der Durchführung der Arbeiten. Deshalb richtet sich die Kritik in erster Linie gegen den Staat - Bund und Länder. Nur dann, wenn die Arbeiten schlampig in der Qualität oder verkürzt in der Arbeitszeit durchgeführt werden, sind die Schornsteinfeger direkt in der Kritik.

Es ist mir durchaus bekannt, daß die Innungen Körperschaften des Öffentlichen Rechts sind. Dies sind auch die Rundfunkanstalten. Nur diese lassen sich freiwillig durch den Rechnungshof prüfen und das gleiche verlange ich von den Schornsteinfegerinnungen. Dies nicht ohne Grund!

In einem Land, in dem jährlich über 50 Mrd. DM Steuergelder durch Staatsbeamte veruntreut werden, ohne daß dies für die betreffenden Personen Folgen hätte (Rechnungshofberichte und Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler), in dem der zweithöchste Mann des Staates 2 Mio. DM an Spenden einkassierte und diese nicht meldete und eine weitere Million so zufällig auf dem Konto eines ehemaligen Schatzmeisters auftauchte, sind doch Zweifel am sachgerechten Umgang mit öffentlichen Geldern berechtigt. Solche sind auch die Innungseinnahmen der Schornsteinfeger!

Was mit Geld passiert, das nicht überwacht wird, ist uns nicht erst seit der Unterstützung des FCK durch eine mit der Caritas in Verbindung stehende Gesellschaft, den Spenden der landeseigenen SWEG an den Sportclub Eßlingen auf Weisung eines Ministers, oder die 14 Mill. DM aus dem Tierschutzbund in die Taschen des Vorsitzenden, bekannt. So unterstützt auch die Schornsteinfegerinnung des Saarlandes die Fußballmannschaft des Parlaments.

Die Schornsteinfeger in BW können sich von den 2,5 Mill. Zwangsabgaben der Bürger sieben(!) freigestellte Schornsteinfeger leisten, die Lobbyarbeit machen und die fachlich unkundigen Behörden im Erfinden immer neuer Arbeiten beraten! Auch eine Schornsteinfegerkapelle auf einer Messe wurde sehr wahrscheinlich mit den genannten Zwangsabgaben finanziert.

Mir sind die Meßfehler des Kfz-Handwerks ebenso bekannt, wie die der Schornsteinfeger. Den Kfz-Betrieb kann ich frei wählen, den Schornsteinfeger aber nicht. Auch kann ich die Messung des Kfz-Betriebes relativ leicht nachprüfen lassen.

Alle Umweltmeßgeräte für strömende Gase haben etwa +/- 15 % Meßfehler. Das Lobbyarbeit Behörden Lobbyarbeit Meßfehler Umweltmeßgeräte Staubmeßgerät der Schornsteinfeger bringt es gar auf +/- 50%. Dies könnte man alles in Kauf nehmen, wenn es die Möglichkeit gäbe, einen unfähigen, falsch messenden Schornsteinfeger abzulehnen und statt dessen einen anderen zu nehmen, oder den TÜV oder die DEKRA mit der Kontrolle zu beauftragen. Solange es keine freie Wahl der Meßstelle gibt, müssen an die Schornsteinfeger höchste Qualitätsanforderungen gestellt werden. Dies ist Aufgabe des Staates, der er nicht nachkommt. Auch weigern sich die Schornsteinfeger, diese zu erfüllen z.B. durch Ringmessungen.

Die Berichte des ADAC über Pfusch und Betrug des KFZ-Handwerks sind mir bekannt und sind sehr bedauerlich. Es steht außer Zweifel, daß hier die Innungen versagt haben - die Körperschaften des Öffentlichen Rechts!

Aber wer kontrolliert den Schornsteinfeger? Der Kehrplichtige ist Zwangskunde beim Schornsteinfeger und diesem wegen fehlenden Wettbewerbs ausgeliefert.

Wer verhindert, daß die Schornsteinfeger kein Geld für die Auftragsvermittlung vom Fachhandwerk annnehmen? 200.- DM versteuertes Geld pro Auftrag sind üblich. Hierzu liegt mir ein Schreiben einer Südbadischen Firma vor. Nur die Schornsteinfeger sind keine Beamten und können daher nicht für die Vorteilnahme belangt werden. Versteuertes Geld ist aber auch in den Steuerunterlagen nachzuweisen. Nur das Finanzamt meldet strafrechtliche Belange nicht weiter, denn der Staat versteuert auch gestohlenes Geld. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser Grundsatz angesichts der Steuermillionen aus den Luftgeschäften des Flowtex-Skandals halten läßt. Sollte der Bundesgerichtshof oder das Bundesverfassungsgericht zu neuen Entscheidungen kommen, hätte dies auch Rückwirkungen für die Schornsteinfeger. Evtl. setzt auch die Verurteilung eines Schornsteinfegers im Schwarzwald-Baar-Kreis wegen Vorteilnahme schon ein Signal.

Tatsache ist aber, daß die Schornsteinfeger den freien Wettbewerb scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Sie würden dann einen erheblichen Teil ihrer Macht verlieren. Heute sind sie in der Durchsetzung ihrer Arbeit und im Abkassieren den Beamten gleichgestellt. Wenn sie Schaden verursachen oder schlampig arbeiten, tritt aber die Staatshaftung nicht ein - denn dann sind sie freie Handwerker. Sie behindern auch die Durchführung des Gesetzes zur Beschleunigung fälliger Zahlungen - § 641a BGB - (aus "Der Bau- und Immobiliensachverständige" Heft 1/ 2001 S. 27 ff.).

Wer eine fachlich einwandfreie Arbeit an einer Feuerung, einem Motor, einer Elektroinstallation oder ähnlichen Anlagen durchführt, muß seine Arbeit durch Messungen nachprüfen und belegen. Dazu bedarf es keines Kontrolleurs, sofern der Ausführende über eine ausreichende Qualifikation verfügt. Es ist Aufgabe der entsprechenden Innungen, über diese Qualifikation zu wachen. Daher sind sie auch Körperschaften des öffentlichen Rechts. Aber der Schornsteinfeger als Kontrollmeister ist in diesem System so überflüssig wie ein Kropf!

Es bedarf auch keiner Qualifizierung der Schornsteinfeger. Denn damit werden nur die internen Verwaltungsvorgänge, aber nicht deren Arbeitsqualität beurteilt. Wer aber in einem Einmannbetrieb diese Vorgänge nicht beherrscht, ist unfähig einen selbständigen Betrieb zu führen. Daher ist die Qualifizierung ebenso überflüssig, wie es viele Schornsteinfegerarbeiten sind!

 



Sonderwirtschaftszone Kehrbezirk


Dialog mit meinem Schornsteinfeger,
während er den sauberen (!) Kamin kehrt:

"Warum ziehen Sie denn zweimal nacheinander den Kehrbesen durch den Kamin?"

"Das hängt ganz von der Verschmutzung ab."

. . . . .

Drei güldene Regeln der Schornsteinfeger:

"Das Schornsteinfegerhandwerk kontrolliert,
die Heizungsindustrie produziert,
der Heizungsbauer installiert!"
. . .
"Wer wartet darf nicht messen!"
. . .
"Kehren ist die sicherste Querschnittskontrolle!"

. . . . .

Das Geheimnis der Langlebigkeit unseres Schornsteinfegerwesens:

"Wäre der 'Real existierende Sozialismus' weltweit ebenso gefördert worden wie unser deutsches Schornsteinfegerwesen gefördert wird, so bestünde er heute noch !!!"

Ein Haus hat in der Regel einen Schornstein, gewöhnlich Kamin genannt. Ihn zu planen ist Sache des Architekten oder Bauingenieurs. Die Bauabnahme des Kamins aber ist Sache des gegenwärtigen Bezirksschornsteinfegermeisters (BSFM). Der kontrolliert, ob der Kamin seinen Zweck erfüllen kann, und die Öffnungen zum dringend notwendigen Kaminkehren an den passenden Stellen vorhanden sind.

Fernerhin überwacht und bewirtschaftet der BSFM den Kamin und alle Feuerstellen, die den Kamin als Abzug benutzen. Jedes Haus mit einem oder mehreren Kaminen ist Bestandteil seiner Sonderwirtschaftszone, im Sprachgebrauch Kehrbezirk genannt. Jeder Kehrbezirk enthält etwa 2 000 Häuser. Der Ertrag des Kehrbezirks gehört dem BSFM, der einen Gehilfen und die Unkosten zu zahlen hat. Niemand macht dem BSFM seinen Kehrbezirk streitig.

Die Höhe des Kehrbezirksertrages bestimmen Ministerialbeamte, die von hauptamtlichen hochqualifizierten Schornsteinfegern beraten werden, die Lobbyisten genannt werden. Daneben obliegt den Lobbyisten die Aufgabe, die zuständigen Beamten und einflussreiche Politiker von der dringenden Notwendigkeit der vorhandenen und weiterer neu zu schaffender Tätigkeiten der Schornsteinfeger zu überzeugen. Die Lobbyisten steuern auch die medienwirksame Präsenz schwarz uniformierter Schornsteinfeger, und mittlerweile auch Schornsteinfegerinnen, bei wichtigen politischen Anlässen, wie z.B. Neujahrsempfängen oder der Konstitution eines neuen Bundestages oder der neuen Landtage.

Der Kehrbezirk ist hierzulande ein beachtenswerter Wirtschaftsfaktor. In Bayern sind Kehrbezirke schon vor 15 Jahren zwischen 300 000 und 400 000 DM gehandelt worden. Heute dürften sie dasselbe in Euro kosten. Da unsere Republik mittlerweile aus 8 000 Kehrbezirken besteht, beträgt der gegenwärtige Marktwert aller deutschen Kehrbezirke zwischen 2,4 bis 3,2 Mrd. €. Die gleiche Summe erwirtschaften sämtliche deutschen Kehrbezirke in 2 Jahren.

Der Jahresumsatz der 8000 deutschen Kehrbezirke entspricht nahezu dem der 78 Max-Planck-Institute oder aller Fraunhofer-Institute. Der volkswirtschaftliche Nutzen der mit hoher Effizienz behafteten deutschen Kehrbezirke überragt den der Forschungsinstitute bei weitem. Während die unerschwinglich hochbezahlten Forscher nur der Wissenschaft dienen, leisten die insgesamt 17 000 deutschen Schornsteinfeger einen vortrefflichen Beitrag zum Schutze der Nation vor verheerenden Schadensfeuern, und bewahren Tausende vor der jenseits unserer Grenzen grassierenden häuslichen Kohlenmonoxidgefahr. Daneben verhindern sie eine drohende Klimakatastrophe!



Schornsteinfegers Fluchtweg nach Forsa


 

Es ist undenkbar, dass Bäcker oder Metzger ihre Beliebtheit in der Bevölkerung erfragen. Handwerke werden akzeptiert, da sie notwendig sind. Sind sie nicht mehr gefragt, nützt ihnen sogar ihre einstige Beliebtheit nichts mehr. Sie werden vergessen und zeigen sich nur noch bei Folklore.

Die Schornsteinfeger jedoch verquicken Beliebtheit mit Notwendigkeit. Ihre Beliebtheit zeigen sie durch Präsenz an vielen Orten und bei vielerlei politischen Anlässen. Ihre Notwendigkeit bezeugen ihre Lobbyisten durch Szenarien von bedrohter Sicherheit für Mensch und Umwelt gegenüber einflussreichen Gremien in den maßgebenden Ministerien.

Als die Schornsteinfeger vor gut 30 Jahren wegen des Schwindens der klassischen Hausfeuerungen um ihre Existenz bangen mussten, besaßen sie bereits eine Phalanx von Lobbyisten, die in den kommenden strengen Umweltgesetzen Morgenluft witterten. Anstelle des einschlägigen Handwerks erhielten sie den Zuschlag zur Kontrolle der Einhaltung minimaler Abgaswerte bei den zunehmenden Öl- und Gasfeuerungen. Sie erzielten nicht nur einen lückenlosen Übergang von Kehren zum Messen, sondern sicherten sich ihre Verantwortung sowohl für den sauberen Kamin als auch die optimalen Abgaswerte.

Das war den Lobbyisten der Schornsteinfeger noch nicht genug. Sie erreichten die Einführung einer vom Kehren und Messen unabhängige Feuerstättenschau. Die unveröffentlichten relativ günstigen Unfallstatistiken gaben keinen Anlass, der maßgeblichen Ministerialbürokratie weitere zusätzliche Leistungen schmackhaft zu machen. Was sie aber erreichten, war zunächst die Beauftragung eines westfälischen Hochschulinstituts unter Prof. Rawe zur Feldkontrolle der Verbindungsrohre zwischen Heizkessel und Kamin, der sogenannten Rauchrohre. Das recht zweifelhafte Ergebnis dieser Kontrollen führte zur Übertragung der Überwachung oder des Kehrens sämtlicher Rauchrohre in der Republik durch die Schornsteinfeger. Unberücksichtigt blieb dabei die Tatsache, dass der Durchsatz an Brennstoffen stetig abnahm, was zu einer gleichermaßen stetigen Abnahme von Verbrennungsrückständen führte.

Prof. Rawe's Institut, nun in die Pflicht genommen, befasste sich fernerhin mit Messungen von Gasfeuerungen. Das darauf erstellte Gutachten von Prof. Rawe bot die Grundlage strenger Auflagen für moderne Gasfeuerungen, einschließlich Brennwertkessel.

Die Schornsteinfeger verspürten zunehmenden Unmut in den direkt betroffenen Bevölkerungsschichten. Die ebenfalls durch überhöhte Wohnnebenkosten indirekt betroffenen Mieter blieben unwissend. Anklagende Leserbriefe und Beschwerden in TV-Sendungen über die überhöhten Gebühren der Schornsteinfeger zwangen sie zur Flucht nach vorne: Zur Umfrage über ihre Beliebtheit.

Wer sich mit den Methoden von Umfragen ein wenig befasst hat weiß, dass Umfrageergebnisse gleich Statistiken nach Belieben zu haben sind. Allein durch die Art der Fragestellung lässt sich das gewünschte Ergebnis immer erzielen. Dies ist den Funktionären der Schornsteinfeger bei ihrer Forsa-Umfrage glänzend gelungen. Ich möchte den Leser auf die entsprechenden Seiten der Schornsteinfeger verweisen, wonach sie sich ein Urteil bilden mögen.