Berufsbild: Schornsteinfeger


"Man kann es durch zweierlei Art zu etwas bringen:
durch eigenes Können oder durch die Dummheit der anderen."

Jean de La Bruyere (1645-1696)


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Der Inhalt:

==> Tanz auf allen Hochzeiten
==> Ursprung des Schornsteinfegergesetzes
==> Das Schornsteinfegergesetz heute
==> Wie man sich ins rechte Licht rückt
==> Wie man Daten und Statistiken unter die Leute bringt
==> Wie man im Gästebuch mit Kritik umgeht

"Wir können die Schwerkraft überwinden, aber der Papierkram erdrückt uns."

Wernher von Braun



Tanz auf allen Hochzeiten oder Der Werdegang eines Chamäleons


 

Gibt es noch einen Beruf, der sich so vielseitig dünkt wie der des Schornsteinfegers?

Jahrhunderte lang kehrten sie nur.

Als es mit der Zeit weniger zu kehren gab, begannen sie zu messen.

Als ihnen das nicht reichte, gierten sie nach der Feuerstättenschau.

Als ihnen das auch noch zu wenig war, grabschten sie nach den Ofenrohren.

Um allem die Krone aufzusetzen, verstiegen sie sich auf Beraten. - Ja, heute präsentieren sich die Schornsteinfeger als Energieberater.

Sie zählen sich zu den Handwerkern, obwohl sie keine sind.

Sie sehen sich als freie Unternehmer, liegen aber in einem komfortablen, vom Staat gemachten, Bett.

Das mache ihnen einer nach!

 



Ursprung des Schornsteinfegergesetzes


 

Berufe kommen und gehen. Ist ein Beruf nicht mehr gefragt, verschwindet er allmählich von der Bildfläche. Wer kennt heute noch Gaslaternenanzünder oder Lokheizer. Bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren Schornsteinfeger ein Beruf wie jeder andere. Sie wurden einst notwendig, weil die Kohle- und Holzfeuerungen rußten und die Kamine sauber gehalten werden mussten.

Die Nazis banden die Schornsteinfeger in ihr System ein. Sie schufen die Kehrbezirke. Das Kehren der Kamine war von da an einem Staatsmonopol untergeordnet. Dieses schützte die Schornsteinfeger als beliehene Unternehmer. Das spätere Schornsteinfegergesetz war die Fortschreibung des in der Nazizeit verordneten Monopols.

Dass nicht jeder dieses Privileges würdig war, liegt auf der Hand. Zeitgenossen berichten, dass in Berlin "Alte Kämpfer" bevorzugt worden sind. Das sind keine "gewendeten" Parteibonzen, sondern zuverlässige Parteigenossen aus der "Kampfzeit", der Jahre vor der Machtübernahme 1933, gewesen. Da Schornsteinfeger mindestens viermal im Jahr ins Haus mussten um zu kehren, waren sie eine Verfügungsmasse, die leicht als Spitzel und Denunzianten verpflichtet werden konnte.

 



Das Schornsteinfegergesetz heute


 

Das Schornsteinfegergesetz hat sich bis heute gehalten, wenn es auch in vielerlei Hinsicht abgewandelt worden ist. So hat heute jedes Bundesland seine eigene Kehr- und Überprüfungsordnung (KÖO). Das Schornsteinfegergesetz ist auch heute noch die Ursache der Sonderbehandlung der Schornsteinfeger. Als beliehene Unternehmer verhalten sie sich wie Beamte, genießen aber auch die Vorzüge freier Unternehmer. Der Staat hält die Hand über sie als Sicherheitsgaranten. In jedem Bundesland erlässt er, in der Regel das Wirtschaftsministerium, einschlägige Verordnungen; diese werden in den Landratsämtern überwacht. Das Jahreseinkommen ist garantiert. Kein Wettbewerber kommt ihnen in die Quere.

Die Symbiose von Bürokratie und beliehenen Unternehmern hat den Schornsteinfegern ihre bevorzugte Stellung unter den Handwerkern verschafft. Diese Zwitterstellung ergab sich aber auch noch durch eine Besonderheit, die von den Schornsteinfegern in hohem Maße gepflegt wird:
Das Image des schwarzen Mannes mit Leiter und Zylinderhut ist in unserer bunten Zeit ein wohlvertrautes Bild geblieben. Der weit verbreitete Aberglaube billigt den Schornsteinfegern einen Sonderstatus zu. Diesen archetypisch fundierten Schonraum wissen die Schornsteinfeger weidlich zu genießen. Ihre zahlreichen öffentlichen Auftritte beweisen es.

 



Wie man sich ins rechte Licht rückt


 

Es dürfte nicht selbstverständlich sein, dass die Schornsteinfeger die häuslichen Feuerungen kontrollieren. Dies würde besser einem TÜV anstehen, der von der Technischen Überwachung stationärer Dampfkessel zu der Überwachung unserer Autos mutierte.

Die Funktionäre der Schornsteinfeger haben es in der frühen Nachkriegszeit verstanden, in ihrer Handwerksinnung eine gut funktionierende Lobby ins Leben zu rufen, finanziert durch eine besondere Abgabe der Kehrbezirke. Im echten Handwerk wird Innungsarbeit ehrenhalber geleistet, eine Lobby ist undenkbar.

Die Schornsteinfeger wussten sich ihrer vorgesetzten Bürokratie schon zeitig als die geeignetsten Überwacher der häuslichen Feuerstellen anzubiedern. Mehr noch, sie "eroberten" nacheinander die oben genannten Tätigkeitsfelder, indem sie Gefahrenpotentiale als Popanz unterlassener Sicherheitsmaßnahmen aufbauschten.

Ein Beispiel ist das Kehren des Rauchrohres: Obwohl kein einziger Schaden durch nicht gekehrte Rauchrohre nachgewiesen werden konnte, wurde es 1991 in BW und auch in anderen Bundesländern eingeführt.

 



Wie man Daten und Statistiken unter die Leute bringt


 

Im Internet sind die Schornsteinfeger überdurchschnittlich vertreten. Auf einer ihrer Homepages präsentieren sie Bilder von diversen häuslichen Gefahrenherden. Um weitere derartige Aufnahmen wird gebeten. Sie bemühen Statistiken, um ihre Unabkömmlichkeit zu beweisen. So ist z. B. einer Tabelle zu entnehmen, dass in Belgien die Todesrate der an CO-Vergiftung Sterbenden 200 mal höher ist als bei uns. Ihre jährlichen Messungen (nicht Brennerjustage - das können sie nicht) vermeiden so und so viele Mill. Tonnen CO2. Kein echtes Handwerk stellt sich so zur Schau.

Würde ein Naturwissenschaftler so argumentieren wie die Funktionäre der Schornsteinfeger, verlöre er seine Reputation. Veröffentlichte ein Wirtschaftswissenschaftler solch fragwürdige Statistiken, wäre er bald durchschaut. Der Schonraum der Schornsteinfeger scheint auch ein Freiraum für phantastische, schwer zu kontrollierende Statistiken zu sein. Es ist bedauerlich, dass diese von unvoreingenommenen Zeitgenossen für bare Münze genommen werden. Es entsteht auch der Eindruck, dass auch die das Schornsteinfegerwesen gestaltenden Beamten, darauf hereinfallen. Wie lässt sich deren willfährige Bereitschaft zum Verordnen von überflüssigen Tätigkeiten der Schornsteinfeger - auch noch mit komfortablen Zeitvorgaben behaftet - anders erklären?

 



Wie man im Gästebuch mit Kritik umgeht


 

Dieses Forum gäbe es nicht, wenn das Schornsteinfegerwesen seine dienende Funktion in sinnvoller und gerechter Weise ausüben würde. Es zeigt, wie staatliche Stellen mittels der Schornsteinfeger - als ausführende Organe eines Staatsmonopols - im Laufe der Zeit den Hausbesitzern Dienstleistungen aufzwangen, die ohne nennenswerten Sicherheitsgewinn sind. Ein System, das eine derartige, jegliches gesunde Augenmaß vermissende, Eigendynamik entwickeln konnte, muss an den Pranger. Dieses System ist reformbedürftig. Als Staatsmonopol ist es unhaltbar.

Kritik tut weh! Auf Kritik reagiert jeder anders. Wer aber den Kritiker nur verunglimpft, weil der es wagt, seinen Besitzstand in Frage zu stellen, bringt seinen Beruf in weiteren Misskredit und verrät seine Kinderstube. Wer auch noch seinen Namen verschweigt, ist feige oder hat etwas zu verbergen. Das Niveau des Gästebuches entspricht dem der eintragenden Gäste. Irreführende Angaben sind beschämend und entlarven die Kritisierten.

Wenn ein Gast meinen Stil in infamer Weise rügt, mit einem akademischen Titel sowohl seinen fachlichen Angaben Nachdruck verleiht, als auch seine Neutralität hervorzuheben gedenkt, macht das einen schon stutzig (Eintrag vom 28.6.01).
Ist der Betreffende dann aber postalisch über die Anschrift eines Schornsteinfegers zu erreichen, gibt das schon zu denken. Fehlt aber in seiner Anschrift der Dr.Ing. vom Gästebucheintrag, so ist das schon ein dicker Hund. Heiligt etwa der Zweck die Mittel?