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Der Inhalt: ==> Tanz auf allen Hochzeiten
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"Wir
können die Schwerkraft überwinden, aber der Papierkram erdrückt uns."
Wernher
von Braun
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Gibt es noch einen Beruf, der sich so vielseitig
dünkt wie der des Schornsteinfegers? Jahrhunderte lang kehrten sie nur. Als es mit der Zeit weniger zu kehren gab,
begannen sie zu messen. Als ihnen das nicht reichte, gierten sie nach
der Feuerstättenschau. Als ihnen das auch noch zu wenig war, grabschten
sie nach den Ofenrohren. Um allem die Krone aufzusetzen, verstiegen sie
sich auf Beraten. - Ja, heute präsentieren sich die Schornsteinfeger als
Energieberater. Sie zählen sich zu den Handwerkern, obwohl sie
keine sind. Sie sehen sich als freie Unternehmer, liegen
aber in einem komfortablen, vom Staat gemachten, Bett. Das mache ihnen einer nach! |
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Berufe kommen und gehen. Ist ein Beruf nicht
mehr gefragt, verschwindet er allmählich von der Bildfläche. Wer kennt heute
noch Gaslaternenanzünder oder Lokheizer. Bis in die 30er Jahre des vorigen
Jahrhunderts waren Schornsteinfeger ein Beruf wie jeder andere. Sie wurden
einst notwendig, weil die Kohle- und Holzfeuerungen rußten und die Kamine
sauber gehalten werden mussten. Die Nazis banden die Schornsteinfeger in ihr
System ein. Sie schufen die Kehrbezirke. Das Kehren der Kamine war von da an
einem Staatsmonopol untergeordnet. Dieses schützte die Schornsteinfeger als
beliehene Unternehmer. Das spätere Schornsteinfegergesetz war die
Fortschreibung des in der Nazizeit verordneten Monopols. Dass nicht jeder dieses
Privileges würdig war, liegt auf der Hand. Zeitgenossen berichten, dass in
Berlin "Alte Kämpfer" bevorzugt worden sind. Das sind keine
"gewendeten" Parteibonzen, sondern zuverlässige Parteigenossen aus
der "Kampfzeit", der Jahre vor der Machtübernahme 1933, gewesen. Da
Schornsteinfeger mindestens viermal im Jahr ins Haus mussten um zu kehren,
waren sie eine Verfügungsmasse, die leicht als Spitzel und Denunzianten
verpflichtet werden konnte. |
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Das Schornsteinfegergesetz hat sich bis heute
gehalten, wenn es auch in vielerlei Hinsicht abgewandelt worden ist. So hat
heute jedes Bundesland seine eigene Kehr- und Überprüfungsordnung (KÖO). Das
Schornsteinfegergesetz ist auch heute noch die Ursache der Sonderbehandlung
der Schornsteinfeger. Als beliehene Unternehmer verhalten sie sich wie
Beamte, genießen aber auch die Vorzüge freier Unternehmer. Der Staat hält die
Hand über sie als Sicherheitsgaranten. In jedem Bundesland erlässt er, in der
Regel das Wirtschaftsministerium, einschlägige Verordnungen; diese werden in
den Landratsämtern überwacht. Das Jahreseinkommen ist garantiert. Kein
Wettbewerber kommt ihnen in die Quere. Die Symbiose von Bürokratie und beliehenen
Unternehmern hat den Schornsteinfegern ihre bevorzugte Stellung unter den
Handwerkern verschafft. Diese Zwitterstellung ergab sich aber auch noch durch
eine Besonderheit, die von den Schornsteinfegern in hohem Maße gepflegt wird:
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Es dürfte nicht selbstverständlich sein, dass
die Schornsteinfeger die häuslichen Feuerungen kontrollieren. Dies würde
besser einem TÜV anstehen, der von der Technischen Überwachung stationärer
Dampfkessel zu der Überwachung unserer Autos mutierte. Die Funktionäre der Schornsteinfeger haben es in
der frühen Nachkriegszeit verstanden, in ihrer Handwerksinnung eine gut
funktionierende Lobby ins Leben zu rufen, finanziert durch eine besondere
Abgabe der Kehrbezirke. Im echten Handwerk wird Innungsarbeit ehrenhalber
geleistet, eine Lobby ist undenkbar. Die Schornsteinfeger wussten sich ihrer
vorgesetzten Bürokratie schon zeitig als die geeignetsten Überwacher der
häuslichen Feuerstellen anzubiedern. Mehr noch, sie "eroberten"
nacheinander die oben genannten Tätigkeitsfelder, indem sie
Gefahrenpotentiale als Popanz unterlassener Sicherheitsmaßnahmen
aufbauschten. Ein Beispiel ist das Kehren des
Rauchrohres: Obwohl kein einziger Schaden durch nicht gekehrte Rauchrohre
nachgewiesen werden konnte, wurde es 1991 in BW und auch in anderen
Bundesländern eingeführt. |
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Im Internet sind die Schornsteinfeger
überdurchschnittlich vertreten. Auf einer ihrer Homepages präsentieren sie
Bilder von diversen häuslichen Gefahrenherden. Um weitere derartige Aufnahmen
wird gebeten. Sie bemühen Statistiken, um ihre Unabkömmlichkeit zu beweisen.
So ist z. B. einer Tabelle zu entnehmen, dass in Belgien die Todesrate der an
CO-Vergiftung Sterbenden 200 mal höher ist als bei uns. Ihre jährlichen
Messungen (nicht Brennerjustage - das können sie nicht) vermeiden so und so
viele Mill. Tonnen CO2. Kein echtes Handwerk stellt sich so zur Schau. Würde ein Naturwissenschaftler
so argumentieren wie die Funktionäre der Schornsteinfeger, verlöre er seine
Reputation. Veröffentlichte ein Wirtschaftswissenschaftler solch fragwürdige
Statistiken, wäre er bald durchschaut. Der Schonraum der Schornsteinfeger
scheint auch ein Freiraum für phantastische, schwer zu kontrollierende
Statistiken zu sein. Es ist bedauerlich, dass diese von unvoreingenommenen
Zeitgenossen für bare Münze genommen werden. Es entsteht auch der Eindruck,
dass auch die das Schornsteinfegerwesen gestaltenden Beamten, darauf
hereinfallen. Wie lässt sich deren willfährige Bereitschaft zum Verordnen von
überflüssigen Tätigkeiten der Schornsteinfeger - auch noch mit komfortablen
Zeitvorgaben behaftet - anders erklären? |
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Dieses Forum gäbe es nicht, wenn das
Schornsteinfegerwesen seine dienende Funktion in sinnvoller und gerechter
Weise ausüben würde. Es zeigt, wie staatliche Stellen mittels der
Schornsteinfeger - als ausführende Organe eines Staatsmonopols - im Laufe der
Zeit den Hausbesitzern Dienstleistungen aufzwangen, die ohne nennenswerten
Sicherheitsgewinn sind. Ein System, das eine derartige, jegliches gesunde
Augenmaß vermissende, Eigendynamik entwickeln konnte, muss an den Pranger.
Dieses System ist reformbedürftig. Als Staatsmonopol ist es unhaltbar. Kritik tut weh! Auf Kritik reagiert jeder
anders. Wer aber den Kritiker nur verunglimpft, weil der es wagt, seinen
Besitzstand in Frage zu stellen, bringt seinen Beruf in weiteren Misskredit
und verrät seine Kinderstube. Wer auch noch seinen Namen verschweigt, ist
feige oder hat etwas zu verbergen. Das Niveau des Gästebuches entspricht dem
der eintragenden Gäste. Irreführende Angaben sind beschämend und entlarven
die Kritisierten. Wenn ein Gast meinen Stil in
infamer Weise rügt, mit einem akademischen Titel sowohl seinen fachlichen
Angaben Nachdruck verleiht, als auch seine Neutralität hervorzuheben gedenkt,
macht das einen schon stutzig (Eintrag vom 28.6.01). |
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