Wahre Geschichte aus Schilda

 

Michel hat ein Herz für die Umwelt entdeckt. Michel lässt  sich`s was kosten. Ja, genau, der von nebenan, Michel  mit der Zipfelmütze.

Leute, seht! Die alte rußende Heizung muß raus aus dem Haus. Stattdessen Brennwerttechnik, teuer in der Anschaffung, weil elektronisch gesichert, energieeffizient und umweltfreundlich.

Und den Schornsteinfeger kann man sich sparen.

Oh,oh,oh. Sind da nicht Paragrafen? Vor siebzig Jahren tausendjährig ausgebrütet in braunen Amtsstuben für Parteigenossen mit rußschwarzem Zylinder:

Kehrbezirk und flächendeckend Zutritt zur Wohnung.

Heute Gesetz für hoheitliche Handwerker.

Flächendeckend Zutritt zur Wohnung.

Unter Einschränkung des Grundgesetzes. „Das System der Kehrbezirke hat sich bewährt.“ (Laurenz Meyer, CDU)

Ei der Daus. Saftige Kehr- und Überprüfungsgebühren. Wo die neue Brennwertheizung doch gar nicht rußt und sich selber überprüft. Und ist bei der teuren Wartung nicht schon genug geprüft worden?

Nein, Michel, nein. Nicht die Brand- und Betriebssicherheit der Abgaswege.

Brennt`s denn mit Sicherheit? Oh, Gott. Die – wie denn nun – sicher brennende Abgasleitung besteht doch tatsächlich aus Plastik. Herstellungsfehler? Hat der TÜV gepennt  bei der Typenprüfung vorm Zulassen der Heizung zum Handel?

Ach, Michel, ach. Hersteller und TÜV wissen, dass die Abgasleitung deiner Brennwertheizung unmöglich brandgefährdet ist. Es gibt da ein paar physikalische Gesetze. Die hat man schon in der Schule gelernt. Auch die Väter des Schornsteinfegergesetzes.

Wie rätselhaft, die Sache mit der Brand-Sicherheit. Und Überprüfung der Betriebssicherheit? Warum ausgerechnet die Abgaswege? Nicht der Verschmutzungsgrad der Heizung, Funktionsteile nicht, nicht der Zustand von Verschleißteilen, nicht die elektronische Steuerung und Sicherung – nichts von alledem, was der TÜV prüfen würde und wo Betriebsstörungen möglich wären?

Ja, wie denn das?

Und wie denn überhaupt?

Warum, ja, warum wurde das simple Besen runter, Besen rauf ins Gesetzeskorsett gepresst und bürokratisch aufgeschäumt wie ein Silikonbusenwunder?

Fragen über Fragen. Von oben kommt nix. Amtlich angeordnetes Überprüfen  der Betriebs- und  Brandsicherheit und keine plausible Erklärung. Was Michel so langsam mächtig, ja, mächtig verdrossen macht. Dazu der Trappel mit dem Amt. Wegen paar abgesägter Äste von dem Baum, der seinen ganzen Garten verschattet, die Rosen, Tomaten und Radieschen. Mächtig viel Schriftverkehr. Überhaupt, woher wissen die denn das? Potz Blitz! Da hat doch plötzlich das Amt Fotos seines Grundstücks in der Hand! Klammheimlich aufgenommen nicht von high-tech Satteliten, ihr wisst schon, den amerikanischen, sondern mit dem altbewährten Fotoapparat von seinem Schornstein herunter.

Seht, Leute, seht!

Rastet da einer aus? Rennt von Behörde zu Behörde. Haut auf den Tisch. Stört demokratisch gewählte Abgeordnete, Petitionsausschuß, Ministerien. Klagt vor Gericht verfassungsmäßige Rechte ein. Läuft Amok, der Querulant.

Bis er müde wird unter Bußgeldlasten und Gerichtskosten. So müde jedes Mal, wenn der hoheitliche Handwerker die Brand- und Betriebssicherheit seiner Abgaswege überprüft. Ach, so müde.

Schlaf, Michel, schlaf.

Mielke auf Rädern hütet die Schaf..

Schlaf, Michel, schlaf.