Wie das aufgeklärte Volk der "Dichter und Denker" mit den ihm aufgestülpten Zwangssystemen umgeht

Wie Hitler und Konsorten, mit Hilfe demokratischer Wahlen an die Macht gelangten, danach in wenigen Monaten das gesamte deutsche Volk zu unterjochen vermochten, gab und gibt den Historikern immer wieder Rätsel auf. Warum wurde nicht schon aufbegehrt, bevor die sich aufbauenden Überwachungsmechanismen zuzugreifen in der Lage waren? Warum schwenkte die Mehrzahl der Deutschen, wie von unsichtbarer Hand geleitet, nach und nach in das Lager der Nazis über?

Ein weniger bedeutsames Überwachungssystem ist aus der Konkursmasse des 3. Reiches erhalten geblieben: Das Schornsteinfegermonopol. Es wurde von den Nazis zur Überwachung der Wohnbevölkerung unter Zuhilfenahme innerhäuslicher Tätigkeiten, dem notwendigen Kehren der Kamine, ins Leben gerufen. Es feierte fröhliche Urständ in der Nachkriegszeit. Zunächst wurde die Überwachungstätigkeit entweder nicht zur Kenntnis genommen, oder ignoriert. Als aber die Tätigkeiten der Schornsteinfeger rapide zunahmen, wuchsen auch deren Machtansprüche.

 

Da die Schornsteinfegerlobbyisten sich damit rühmen, Jahr für Jahr etwa 180 Millionen Daten zu erstellen, ist unübersehbar geworden, daß ein neues Überwachungsimperium entstanden ist. Unserer Politiker auffallend fürsorgliche Parteinahme für das Schornsteinfegermonopol läßt Schlimmes ahnen. Unser schwacher Staat macht sich diese Kumpanei zunutze, sofern er sie nicht selber ausheckte. Dies wird schamhaft vertuscht, indem staatliche Stellen in die angsteinflößenden Gefahrengesänge der Schornsteinfegerlobby mit einstimmen.

Warum lassen wir uns das bieten? Wer sich wehrt, verspürt ihn einschüchternde Repressalien. Wer sich nicht einschüchtern läßt und sich unter großen persönlichen Opfern der nutzlosen Tätigkeiten der Schornsteinfeger erwehrt, wird als Querulant abgestempelt. "Wie gut, daß es Leute wie Sie gibt" bekommen diejenigen zu hören, über die in den Medien berichtet wird. Das ist aber auch alles. Sich zu wehren ist den meisten zu riskant.


Klugerweise steht man sich gut mit seinem Schornsteinfeger, denn dieser könnte mehr als den üblichen Dienst nach Vorschrift leisten. Er könnte belanglose Mängel aufdecken, deren Beseitigung mit hohen Kosten verbunden ist. Dies zeigt sich häufig beim Wechsel des machtstrotzenden Kehrbezirksinhabers. Was der Bisherige noch durchgehen ließ, mahnt der Neue an. Sei es aus Profilierungssucht oder sei es aus Schikane. Dieser Eindringling in den Wohnbereich ist gefürchtet. Es lohnt sich nicht, sich wegen eines zweistelligen Jahresbetrages mit ihm zu verscherzen. Leisetreterei ist gefragt - nicht Aufbegehren! Diese Haltung wurde vor gut 70 Jahren Deutschland und der Welt zum Verhängnis.

Wer sich an Politiker wendet, findet in den seltensten Fällen dauerhaftes Verständnis. Er oder sie wird zumeist mit den angsteinflößenden Verlautbarungen der Schornsteinfegerlobby abgespeist. Auch der Hinweis, kein anderes Land der Erde mache unsern Unsinn mit, fruchtet nichts. Wir Deutschen sind halt eben umweltbewußter und halten mehr von Sicherheit als andere. Mich beschleicht das Gefühl, wir könnten uns von den inneren Befangenheiten nicht mehr aus eigener Kraft lösen. Dafür sei Hilfestellungen von außen notwendig.

Das 3. Reich zerschlugen andere, nachdem Deutschland die Welt in Brand gesetzt hat. Wir Heutigen setzen all unser Hoffen zum Zerschlagen des Schornsteinfegermonopols auf die Europäische Union. Deren Vertragsverletzungsverfahren aus dem Jahre 2003 zeigt bereits erste Auswirkungen. Jedenfalls läßt sich der Untergang des Schornsteinfegermonopols nicht mehr aufhalten. Was mit seinen Trümmern geschieht, bleibt abzuwarten.