Internet: www.schofeg.de
Birgit Homburger, MdBStellvertretende Vorsitzende der FDP-BundestagsfraktionSprecherin für Umweltpolitik und Bürokratieabbau
13. Mai 2004
Betreff:
Ihre Email von 11.5.04 zum Abbau des Schornsteinfegermonopols
Sehr
geehrte Frau Homburger,
zu
Ihren Antrag zum Abbau des Schornsteinfegermonopols möchte ich Ihnen danken.
Längst verkrustete Strukturen aufzubrechen wird bei uns allmählich zu einer
Herkulesarbeit. Ihre Fraktion wagt
es nun bei einem überflüssigen Fossil. Wenn auch Ihr Antrag dereinst Erfolg
hat, sind wir immer noch einem Gesetz ausgeliefert, das allein seiner
Gründerzeit wegen ein permanentes Ärgernis ist, wenn auch mit geschmälerter
Macht. Das Schornsteinfegergesetz hat keine Daseinsberechtigung mehr und gehört
samt und sonders auf den Müllhaufen unserer unrühmlichen Geschichte.
Würde
sich eine zukunftsgewandte liberale Antimonopolpartei konstituieren, die es
insbesondere auf das Schornsteinfegermonopol abgesehen hat, schaffte sie bei
der nächsten Bundestagswahl mit Sicherheit die 5%-Hürde. Schornsteinfegergegner
gibt es von Tag zu Tag mehr. Übrigens kostet uns das Schornsteinfegerwesen mit
seinen 17.000 (nicht 25.000) Schornsteinfegern, einschließlich der umfangreichen
Bürokratie in den Ämtern, insgesamt etwa 2 Mrd. Euro im Jahr. Ihre Aktion
verschafft der FDP Wählerstimmen, zumindest solange Sie Vorreiter bleiben.
Fest
fundierte Kehrbezirke, mit systemhörigen Bezirksschornsteinfegermeistern (BSFM)
besetzt, waren dem 3.Reich von beachtlichem Nutzen. Es war Himmlers satanische
Absicht, das bewährte häufige Schornsteinfegen zwecks vorbeugender
Feuerschutzmassnahme für seine Zwecke zu missbrauchen. Ein zuverlässiger
Überwachungsmechanismus für das gesamte Deutsche Reich war damit geschaffen.
Diesen üblen Geruch wird auch ein abgeändertes Schornsteinfegergesetz nicht
mehr los. Es ist kein Ruhmesblatt unserer Republik, dieses - auch in einer
Demokratie jederzeit einsetzbare - Überwachungssystem unverändert übernommen zu
haben. Der verblichenen DDR war es ein "gmäht's Wiesle".
Die
heutigen ÖL- und Gasheizungen sind keine Dreckschleudern mehr. Ruß ist
Mangelware. Zweifellos sollten stark verrußte Schornsteine regelmäßig gekehrt
werden. Die Abgase der häuslichen Feuerungen sollten ebenso unter Kontrolle
sein, wie die Abgase unserer Autos. Warum übernehmen wir nicht, geringfügig
abgewandelt, deren Abgassonderuntersuchung (ASU) mit Plakette in unsere
Heizräume? Was die Kfz-Handwerker dürfen, sollte auch den Heizungsbauern
erlaubt sein. Dazu benötigen wir keine hochbezahlten Kontrollhansl. Die
Franzosen sind uns, das Schornsteinkehren betreffend, eine Nasenlänge voraus.
In Frankreich regeln es die Feuerversicherungen mit gestaffelten Jahresprämien.
Es funktioniert fabelhaft.
Das
Schornsteinfegermonopol trägt die Verantwortung für eine jahrzehntelange
Stagnation in der Heizraumtechnik. Ein Kaminkehrgerät für jedermann setzte sich
in Deutschland nicht durch, weil es den Monopolisten überflüssig machte. Den eigensicheren
Brennerkonstruktionen erging es ebenso. Jedes Monopol ist eine Krebsgeschwulst
am Körper des Rechtsstaates. Die besondere Tragik des Schornsteinfegermonopols
ist seine braune Herkunft und Himmlers Unterschrift.
Andere
Länder kennen keine Feuerstättenschau. Nur in Deutschland gibt es
Schornsteinfeger als Energieberater. Hauptschulabschluss genügt. Gewiss haben
auch Empfehlungen von bevorzugter Heizkesselfabrikate oder von
Handwerksbetrieben eine beratende Funktion. Es fragt sich nur, zu wessen Nutzen.
Die vielgepriesene Neutralität der Schornsteinfeger ist eine mehrfach
widerlegte Fabel. Da wird erwiesenermaßen die empfangende Prämienhand
aufgehalten.
Es
gibt weder professionelle Autoberater, noch Hausberater. Also benötigen wir
auch keine Energieberater für den Heizraum. All den Kokolores können wir
vergessen, da wir ihn nicht brauchen. Konstitutionelle Verbraucherberatungen,
Mund zu Mund-Propaganda und Ratgeber in den Medien sollten genügen. Es sind
pure Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die Schornsteinfeger, die sich deren
einflussreiche Lobby für ihre Schützlinge ausgedacht haben. Jetzt soll auch
noch, nach DDR-Muster, Schimmelpilzprophylaxe betrieben werden. Damit wird der
Zugang zum Wohnbereich erweitert. Eine weitere Verletzung des Art.13 GG ist die
Folge.
Überall
dort, wo die einflussreiche Lobby des Schornsteinfegermonopols seine Finger im
Spiel hat, wird Neuland mit hohem bürokratischem Aufwand besetzt. Monopole sind
erfinderisch an neuen Denkanstößen zu Lasten der Allgemeinheit und zum eigenen
Vorteil. Wir kennen kein Elektrikergesetz, sondern VDE-Vorschriften. Wir kennen
die Straßenverkehrsordnung und den TÜV. Das genügt uns allemal. Wir pfeifen auf
ein eigenes Schornsteinfegergesetz! Ein modifiziertes Bundesemissionsschutzgesetz
genügt.
Die
Innenminister Beckstein und Schäuble, welche 2003 die kaum noch
brandverhütenden Schornsteinfegertätigkeiten mit höchstem Lob bedachten,
müssten soviel Grips im Kopf haben, um zu wissen, dass jeder Chaussee- oder
Parkbaum eine weitaus größere Gefahrenquelle wie jeder Schornstein ist.
Mit
freundlichen Grüßen